Sa., 28.03.2015

Kommentar zum Katholikentag Reiches Land – armes Münster

Rot-Grün in Düsseldorf gibt einen Zuschuss für den Katholikentag in Münster. In Münster haben dieselben Parteien einen städtischen Zuschuss abgelehnt.

Von Dirk Anger

Die Themen auf Kirchentagen sind regelmäßig auch für die Gesellschaft als Ganzes von Bedeutung. Deshalb möchte die Landesregierung beide Veranstaltungen unterstützen.“ Keine Geringere als Ministerpräsidentin Hannelore Kraft trifft am Freitag diese wohlerwogene Einschätzung. Und verbindet sie zugleich mit einer ganz konkreten Zusage: Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt wie in der Vergangenheit die Großveranstaltungen christlicher Laien: den 2018 in Münster geplanten Katholikentag mit bis zu 1,6 Millionen Euro. Für das evangelische Pendant ein Jahr später in Dortmund werden sogar bis zu 3,5 Millionen Euro bereitgestellt. Punkt! Aus! Bravo!

Während die münsterischen Genossen, deren grüne Mitstreiter samt ihrer Helfer von der Linken sich in einem peinlichen und bisweilen ausschließlich ideologiegefärbten Possenspiel verrennen, macht die von SPD und Grünen in Düsseldorf geführte Landesregierung mit ihrer Entscheidung zumindest unmissverständlich klar, welche gesellschaftspolitische Bedeutung und Strahlkraft Katholikentage in Deutschland auch im 21. Jahrhundert haben.

Vielleicht überlegt jemand aus der münsterischen SPD-Ratsfraktion in einer stillen Stunde mal, wie die Ministerpräsidentin mit SPD-Parteibuch zu ihrer Entscheidung gekommen ist. Es liegt wohl nicht daran, dass das Land finanziell weniger Probleme hat als die Stadt Münster.

Eben das könnte man ja glauben, wenn man die Argumentation der jetzigen Ratsmehrheit betrachtet. Die will ein Großereignis mit einem Budget von weit mehr als neun Millionen Euro also tatsächlich ausschließlich mit kostenlosen Schlafräumen in Schulen und Vergleichbarem unterstützen. Das wäre so, als wenn Frau Kraft dem Zen­tralkomitee der deutschen Katholiken als Landeszuschuss den Schlossplatz zum Feiern zur Verfügung gestellt hätte – und als Dreingabe die kostenlose Toilettennutzung im Schloss.

Dabei geben sich Münsters SPD und Grüne im Geldausgeben sonst längst nicht so zugeknöpft wie beim Katholikentag. Nur ein Beispiel: Für ein Spaßbad ohne politische Mehrheit dürfen laut Haushaltsbeschluss in diesem Jahr locker 50 000 Euro verplant werden, einfach so! Wie gesagt, nur ein Beispiel.

Man mag sich wohl in einigen Teilen der münsterischen SPD darüber freuen, dass Atheisten jetzt Beifall klatschen, weil Sozialdemokraten einem Katholikentag erstmals einen städtischen Geld-Zuschuss versagen. Ob man damit die Mehrheit in Münster hinter sich hat, wird sich nicht zuletzt bei der anstehenden Oberbürgermeister-Wahl zeigen.

Gut jedenfalls, dass die Politik in Düsseldorf mit Blick auf Katholiken- und Kirchentage Augenmaß bewiesen hat: Reiches Land, armes Münster!

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