Fr., 03.04.2015

Ur-Ur-Großneffe von Landois gratuliert zum 180. Onkel Hermann lebe hoch!

Hermann Landois wird 180. Sein Ur-Ur-Großneffe Leonard Landois aus Würzburg gratuliert besonders herzlich.

Hermann Landois wird 180. Sein Ur-Ur-Großneffe Leonard Landois aus Würzburg gratuliert besonders herzlich. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Hermann Landois wird 180. Sein Ur-Ur-Großneffe Leonard Landois aus Würzburg gratuliert besonders herzlich.

Von allen münsterischen Originalen ist er das originellste: Dr. Hermann LandoisPauliner , Priester, Pädagoge, Plattdeutscher, Pfeifenraucher und Professor für Zoologie mit Abneigung gegen Katzen. Am 19. April jährt sich sein Geburtstag zum 180. Mal. Leider stand er nicht für ein Interview zur Verfügung. Wohl aber einer seiner nächsten Angehörigen: Dr. Leonard Landois (37), Medienunternehmer aus Würzburg . Mit ihm sprach WN-Redakteur Lukas Speckmann.

Lieber Herr Landois – es fühlt sich schon erhebend an, ein Gespräch mit diesen Worten zu beginnen . . .

Landois: Das freut mich! Es ist schön, dass Hermann Landois in Münster noch so präsent ist. Weil er gar so ein Original war, ist die Erinnerung an ihn auch in der Familie lebendig geblieben.

Wie sind Sie verwandt?

Landois: Hermanns Bruder Leonard Landois, Professor für Medizin in Greifswald, war mein Ur-Ur-Großvater. Nach ihm sind mein Vater und ich benannt. Die beiden Brüder verstanden sich gut und haben auch eng zusammengearbeitet.

Gibt es denn noch Familienähnlichkeit?

Landois: Als ich zur Welt kam, war mein Großvater fest davon überzeugt, dass da ein echter Landois durchscheint . . .

Mögen Sie Katzen?

Landois: Hm, ja – meine Frau hatte sogar mal eine.

Rauchen Sie Pfeife?

Landois: Ich habe es noch nicht einmal probiert . . .

Verstehen Sie Plattdeutsch?

Landois: Meine Großtante Sabine hat es noch verstanden – im Gegensatz zum Rest der Familie.

Sind Sie Biertrinker?

Landois: Ich lebe in Würzburg, hier gibt es eher Wein . . .

Was also macht Sie zum echten Landois?

Landois: Meine Schrulligkeit ist vielleicht nicht ganz so legendenbildend wie beim Hermann, aber ich neige schon dazu, die Dinge ins Verquere zu drehen.

Und welche Anekdoten sind auf Sie gekommen?

Landois: Jeder in der Familie hat etwas anderes erzählt. Meinem Großvater hat imponiert, dass Hermann so trinkfest war und dass der Affe Lehmann ihm das Bier holte. Großtante Sabine hat von den plattdeutschen Stücken der Zoologischen Abendgesellschaft erzählt, an denen Hermann in Frauenkleidern mitspielte, weil Frauen ja nicht zugelassen waren – das hat sie ganz schön geärgert. Und mein Vater berichtet gern vom „Katzenhasser-Verein“, der bis nach Amerika Wellen schlug, weil in Münster angeblich tote Katzen an die Raubtiere verfüttert wurden. Nur eine Erfindung. Aber Hermann hat polarisiert!

Bis heute. Vor Kurzem wurde ein münsterische Schule wegen seiner „Völkerschauen“ nicht nach ihm benannt.

Landois: Ja, das ist schade. Ich finde, die Diskussion ist über das Ziel hinausgeschossen, weil mit den Maßstäben von heute die damalige Zeit beurteilt wurde. Mehr Kontextualisierung hätte der mit Eifer geführten Debatte gut getan. Die damaligen „Völkerschauen“ waren ja nicht als „Freak-Show“ gedacht, sondern entsprachen einer damals allseits anerkannten pädagogisch-allgemeinbildenden Idee.

Halten Sie Hermann Landois für unterschätzt?

Landois: Was bei allen Anekdoten zu kurz kommt: Wie weit er seiner Zeit als Zoologe, Verhaltensforscher und Biologielehrer voraus war. Er hat als einer der ersten mit Tierpräparaten und geologischen Funden im Schulunterricht gearbeitet, und sein „Lehrbuch der Zoologie“ war vorbildlich. Bei meinem Papa im Bücherschrank steht eine alte Ausgabe der Werke von Charles Darwin – der hat Schriften von Landois zitiert . . .

Hat Landois’ naturwissenschaftliche Modernität wirklich seinen Konflikt mit der Kirche ausgelöst?

Landois: In der Familie wird kolportiert, dass die Suspendierung vom Priesteramt eher an seinem Lebenswandel lag . . .

Wandelten Sie schon oft auf den Spuren Ihres Onkels in Münster?

Landois: Mein Bruder und ich waren schon als Kinder mit Großtante Sabine an allen Plätzen, die mit ihm in Verbindung stehen: An seinem Grab auf dem Zentralfriedhof, an der Landoisstraße, beim Riesen-Ammoniten und natürlich im Zoo. Die Tuckesburg habe ich bisher leider nur von außen gesehen. Am meisten hat uns als Kinder Keith Harings Skulptur „Red Dog for Landois“ imponiert – als wir verstanden haben, was für ein berühmter Künstler das ist. Die Skulptur haben wir uns später noch einmal in Ulm angeschaut, weil sie ja leider nicht mehr in Münster steht.

Und zur Geburtstagsfeier im Naturkundemuseum und im Zoo am 19. April sind Sie wieder hier?

Landois: Es ist wunderbar, wenn ein Vorfahre so geehrt wird. Meine Frau und ich nehmen teil. Vielleicht sind auch mein Bruder, seine Frau und Tochter dabei.

Alle heißen Landois?

Landois: Ja, aber die Familie wird kleiner, es gibt nicht mehr viele Träger dieses Namens. Vielleicht sind wir 2035, bei Hermanns 200. Geburtstag, wieder ein paar Landois mehr.

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