Sa., 13.06.2015

Radverkehr der Zukunft Radeln im Mainstream

Fahrräder, Fußgänger und Autos auf engstem Raum: Diese Besonderheit macht Mobilität in Münster so attraktiv, aber auch so konfliktreich.

Fahrräder, Fußgänger und Autos auf engstem Raum: Diese Besonderheit macht Mobilität in Münster so attraktiv, aber auch so konfliktreich. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Immer mehr Pedelecs auf den Straßen, gewaltige Leezen-Massen rund um Hauptbahnhof, überdies zunehmende Konflikte zwischen Fußgängern und Radlern: Münsters Radverkehr soll in den kommenden Jahren auf den Prüfstand. Mit einem Bürgersymposium startete Oberbürgermeister Lewe eine neue Diskussionsrunde.

Von Klaus Baumeister

Mit einer Bürgersymposium startete am Freitag das Projekt „ Radverkehr Münster 2025“. Es geht darum, den Anteil des Radverkehrs am Verkehrsaufkommen weiter zu steigern.

Jörg Thiemann-Linden ist ein ausgewiesener Experte für den Radverkehr – aber kein Münsteraner. Für die Besonderheit der Leeze in Münster fand der Kölner am Freitagnachmittag einfache Worte: „Fahrradfahren ist Mainstream in Münster. Viele Münsteraner fahren Fahrrad, weil andere auch das Fahrrad benutzen.“

Fotostrecke: Münster - Stadt der Fahrräder

Gerade diese Normalität und dieses Gefühl, als Radler in Münster „ausdrücklich willkommen“ zu sein, so Thiemann-Linden, beschere Münsters Mobilität sehr viele Vorteile, aber eben auch einige Nachteile. Etwa den: Wie schafft man es, die Interessen schnell und langsam fahrender Radler unter einen Hut zu bringen?

Kein leichtes Unterfahren, wie sich beim „Bürgersymposium Radverkehr Münster 2025“ in den Räumen der Bezirkregierung am Domplatz zeigte. Doch Oberbürgermeister Markus Lewe machte gleich in der Begrüßung deutlich, dass Münster vom hohen Radverkehrsanteil in erster Linie profitiert: „Würden alle Fahrten, die in Münster mit dem Fahrrad erledigt werden, mit dem Auto erledigt werden, so hätten wir jeden Tag einen Stau, der bis nach Bremen reicht.“

Das sagt der Stadtdirektor

Straßenraum muss neu aufgeteilt werden

Als Ziel für das Jahr 2025 gab Lewe aus, den Anteil des Radverkehrs in Münster von 40 auf 50 Prozent anzuheben. Dieses Szenario löse nicht nur Begeisterung aus, wie ein Zuhörer im Pulk der rund 150 Symposiums-Besucher bemerkte: Bereits sei es für Seh- und Hörbehinderte zuweilen sehr schwer, sich im Gewusel der Radler zurechtzufinden.

Lewe unter Druck

Ein Kommentar zum Thema

Ein anderer beschrieb sehr direkt, wo die künftige Konfliktlinie liegen wird: „Früher ging die Förderung des Radverkehrs zu Lasten der Fußgänger, künftig muss sie zu Lasten des Autoverkehrs gehen.“ Ein solches Szenario illustrierte der Referent Thiemann-Linden am Beispiel der niederländischen Stadt Zwolle, wo einige Innenstadtstraßen komplett für den Autoverkehr gesperrt wurden, um sie als reine Fahrradstraßen zu nuten.

Apropos Fahrradstraßen: Auf den münsterischen Fahrradstraßen, Stichwort Schillerstraße, stellte Thiemann-Linden einen (zu) hohen Anteil parkender Autos am Straßenrand fest. Hier seien Änderungen notwendig.

Kommentar zum Bürgersymposium Radverkehr 2025

Wo bleibt das Umland?

Doch bei allem Wohlwollen zeigte der Radfahrexperte aus Köln auch die Grenzen des Leezen-Wachstums in Münster auf: Von der Vorstellung, überall mit dem Fahrrad bis vor die Tür fahren zu können, müssten sich die Münsteraner künftig wohl verabschieden.

Radverkehr 2025

Die Stadt Münster plant die Erstellung eines „Radverkehrskonzeptes Münster 2025.“ Das Bürgersymposium am Freitag im Foyer der Bezirksregierung Münster diente dazu als Auftakt. Es ging vor allem darum, Ideen und Anregungen für die weitere Beratung zu bekommen. Aus diesem Grund ist auch geplant, die Ergebnisse des Symposiums zu einem späteren Zeitpunkt im Internet zu dokumentieren. Auch ein „Runder Tisch Radverkehr“ ist geplant. Ziel des Konzeptes ist es, die Bedeutung des Rades als Verkehrsmittel weiter zu steigern.

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