Sa., 04.07.2015

Bei Twitter auf der Spur des Terrors Der IS verrät sich bei Twitter

Nutzen das Internet für den gesellschaftlichen Wandel in ihren Ländern: Aya Chebbi und Wassim Zoghlami (r.) nehmen am Digital Participation Camp in Münster teil.

Nutzen das Internet für den gesellschaftlichen Wandel in ihren Ländern: Aya Chebbi und Wassim Zoghlami (r.) nehmen am Digital Participation Camp in Münster teil. Foto: bn

Münster - 

Der IS twittert. Und verrät sich damit. In Münster suchen junge Daten-Experten nach Wegen, den Terror vorauszusagen.

Von Günter Benning

Der Islamische Staat (IS) lebt wie keine Terror-Organisation zuvor von und durch digitale Medien. Facebook und Twitter werden benutzt, um Propaganda zu verbreiten und weltweit Kämpfer zu rekrutieren. „Dabei entstehen viele Daten“, sagt Wassim Zoghlami (25). „das ist für uns ein Trumpf, um den Terror zu bekämpfen.“

Zoghlami ist Tunesier und nimmt an einem Digital Participation Camp teil, das der münsterische Verein „The Global Experience“ veranstaltet. 90 Internauten aus 30 Ländern arbeiten im Schiller-Gymnasium an acht digitalen Projekten mit bürgerschaftlichem Hintergrund.

Für Zoghlami ist der Terror in der arabischen Welt besorgniserregend. Nicht erst seit den tödlichen Schüssen im Ferienort Soussa.

Nachdem im März islamische Extremisten das Bardo-Museum in Tunis stürmten und 24 Menschen erschossen, analysierte er die öffentlichen Twitter-Einträge von IS-Symphatisanten vor dem Anschlag.

„Man konnte dort eine Häufung bestimmter Hashtags feststellen“, sagt Zoghlami nach der Untersuchung von 50 000 Twitter- und Facebook-Einträgen. In der Terror-Szene kündigte sich der Überfall an.

Die IS, erklärt der Datenexperte, sei nur an der Spitze hierarchisch organisiert, lebe im übrigens von vielen Unterstützern weltweit. Deren Aktivitäten im Netz – oft öffentlich zugänglich – seien verräterisch.

Der Tunesier will nun mit anderen Daten-Experten das System verfeinern, um Anschläge besser voraussagen zu können. „Das geht nicht nur mit Algorithmen wie sie der NSA benutzt“, ist er sicher. Menschliche Expertise sei nötig, um zum Beispiel die ständig wechselnden Hashtags (Stichworte) zu erkennen, mit denen IS-Anhänger ihre Kommentare versehen.

Auch andere Projekte des Digital-Camps in Münster arbeiten an der Verbesserung der Bürgergesellschaft. Etwa der Blog der 26-jährigen Tunesierin Aya Chebbi . Dessen Gründerinnen stammen aus drei afrikanischen Ländern. Sie geben Frauen weltweit eine Stimme. „Die klassischen Medien“, kritisiert Chebbi, „berichten stark verkürzt über Frauen.“ Entweder gehe es um Sex, um Mode oder – bei Musliminnen – um den Zwang, Schleier zu tragen. „Frauen nehmen ihre Wirklichkeit häufig ganz anders wahr.“ Und können das im Netz erklären. 35 Korrespondentinnen sammeln die Geschichten. „Auch aus entlegenen Dörfern Gambias“, sagt Chebbi.

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