Flüchtlinge
Münster plant neue Unterkünfte

Münster -

Die Zahl der Flüchtlinge steigt rasant an. Darum sollen neue provisorische Unterkünfte eingerichtet werden. Die Stadt hat aber auch Probleme, überhaupt Wohncontainer zu bekommen.

Donnerstag, 06.08.2015, 07:08 Uhr

Der zweijährige Ali aus Syrien auf dem Gelände der Bundespolizei in Rosenheim (Bayern). dpa
Der zweijährige Ali aus Syrien auf dem Gelände der Bundespolizei in Rosenheim (Bayern). Hilfesuchende wie Ali brauchen Zuflucht. Auch in Münster wird überlegt, wie dies am besten und am schnellsten umsetzbar ist. Foto: Andreas Gebert/dpa

Es ist eine simple Rechnung, die Heinz Lembeck anstellt: Wenn 1000 Flüchtlinge in NRW Asyl suchen, werden 17 von ihnen nach Münster geschickt. Aktuell kamen in einer Woche knapp 5000 Menschen auf der Flucht im Bundesland an – macht etwa 80 Personen, die hier untergebracht und versorgt werden müssen. Hochgerechnet sind das knapp 400 pro Monat. Lembeck, stellvertretender Leiter des Sozialamtes Münster, wird es mitunter ein bisschen schwindlig bei diesen Zahlenspielen, die kein Spiel sind. Vor einem Jahr kamen rund 60 Personen pro Monat in der Stadt an – und auch diese Menge führte die Stadt allmählich an die Grenzen ihres überregional als vorbildlich geltenden Flüchtlingskonzepts der dezentralen Unterbringung in kleinen Einheiten mit jeweils 50 Bewohnern.

„Prinzipiell bleiben wir bei unserem Konzept, wenn wir neue dauerhafte Unterkünfte einrichten“, erklärt Sozialdezernent Thomas Paal . Bei provisorischen Container-Bauten, von denen immer mehr notwendig werden, könne die Stadt diese Begrenzung aber nicht mehr halten. „Intern haben wir uns eine Grenze bei 100 Personen gesetzt“, sagt Paal. Als in dieser Woche der Arbeitskreis Flüchtlinge unter Beteiligung von Vertretern aus Rat und Bezirksvertretungen tagte, kamen weitere Standorte ins Gespräch, die möglicherweise noch im August per Dringlichkeitsentscheidung von den Gremien beschlossen werden. Dem Vernehmen nach sollen auf dem Gelände am Albersloher Weg zwischen Jovel und Kanal Container aufgestellt werden. Ebenso soll möglicherweise auf dem Gelände des von den Alexianern betreuten Pflegeheims Haus Heidhorn in Hiltrup eine Einrichtung entstehen, im Gespräch sind auch Liegenschaften am Dahlweg.

Wann die neuen Einrichtungen in Betrieb gehen können, hängt aber vor allem davon ab, wann die Stadt auf Container oder Fertigbaumodule zugreifen kann. „Momentan liegt die Lieferzeit für Container bei rund 35 Wochen“, sagt Heinz Lembeck. Weil bisher keine Container vorhanden sind, konnten auch die bereits beschlossenen sechs neuen provisorischen Standorte an der Wienburgstraße, bei den Sportanlagen in Hiltrup Süd und Ost, in Mecklenbeck am Hafkorst, in Amelsbüren und an der Mondstraße an der Konradkirche bisher nicht realisiert werden.

Aber nicht nur die Container sind Mangelware: „Wir sind froh, dass wir bisher noch genügend Bettgestelle haben, damit wir die Matratzen nicht auf den Boden legen müssen“, sagt Thomas Paal. Dass auch in Münster künftig Menschen in Zelten untergebracht werden müssen, mag er mittlerweile nicht mehr ausschließen. Und bald, so fürchtet Heinz Lembeck, werden auch die Zelte knapp. 

Erstaufnahmeeinrichtung in Gremmendorf ab 17. August fertig

In der Gremmendorfer York-Kaserne werden ab dem 17. August voraussichtlich die ersten Flüchtlinge einziehen. Drei Gebäude werden dort, wie berichtet, für die vorübergehende Erstaufnahme von insgesamt bis zu 300 Personen hergerichtet. Wie von der Stadt zugesagt, soll die Turnhalle am Hallenbad in Hiltrup zum Schulstart ab Mittwoch (12. August) wieder für Vereine und Schulen zur Verfügung stehen. Die Notunterkunft für Flüchtlinge, die dort am 19. Juli eröffnet worden war, wird aufgelöst, kündigt die Verwaltung an. Die Flüchtlinge würden auf andere Landeseinrichtungen verteilt.

Die Stadt Münster hatte im Juli innerhalb von wenigen Tagen mit den hiesigen Hilfsorganisationen die Halle für fast 70 Menschen hergerichtet. Das Land hatte kurzfristig um Unterstützung bei der Erstaufnahme von Flüchtlingen gebeten. Dazu war schon die Wartburg-Schule um 70 auf 200 Plätze aufgestockt worden. Sie wird seit Februar als Notunterkunft des Landes betrieben. Auch sie wird, wie auch die neue Einrichtung in der Yorkkaserne, von den Hilfsorganisationen in Münster betrieben.

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