Do., 10.09.2015

Nach dem Angriff auf die Synagoge „Daffke“ – jetzt erst recht

Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Sharon Fehr, vor der nach dem Schuss gerissenen Fensterscheibe. 

Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Sharon Fehr, vor der nach dem Schuss gerissenen Fensterscheibe.  Foto: kv

Münster - 

Nachdem auf den Festsaal der jüdischen Gemeinde an der Klosterstraße geschossen wurde, erfährt die Gemeinde breite Solidarität von Parteien und Gruppierungen in der Stadt. Der Vorsteher der Gemeinde, Sharon Fehr, erklärte gestern, die Gemeinde werde sich nicht einschüchtern lassen.

Von Karin Völker

Im Jiddischen gibt es das Wort „ Daffke “ – und das meint „jetzt erst recht“. Sharon Fehr , Vorsteher der jüdischen Gemeinde Münster , sieht sehr gelassen aus, als er am Donnerstagmittag vor dem großen Sicherheitsglas-Fenster des Festsaales der Synagoge steht, das seit über einer Woche von einem Muster feinster Risse überzogen ist. Ganz unten ist das kleine Loch zu sehen, das wohl ein Projektil in die Außenscheibe geschlagen hat, aber nicht ins Innere drang.

„Auch wenn kein Projektil unten vor dem Fenster gefunden wurde, müssen wir sehr vermuten dass dieser Angriff kein Zufall war“, sagt Polizeisprecher Roland Vorholt. „Wir gehen davon aus, dass die Synagoge gemeint war.“ Erst als das klar war, haben Jüdische Gemeinde und Polizei den Angriff auf das Gemeindezentrum an der Klosterstraße – Tage nach der Entdeckung der kaputten Scheibe – publik gemacht.

„Das ist nicht Münster“, erklärt Sharon Fehr und zeigt auf das runde Loch im Glas, „Münster hat eine bunte, demokratische Stadtgesellschaft – und wir sind ein Teil davon.“ Die Stadtgesellschaft ist am Tag nach Bekanntwerden der Tat schockiert: SPD, Jusos, Junge Union, FDP und die christlich-jüdische Gesellschaft zeigen sich in Presseerklärungen entsetzt. Mittags kamen Vertreter der Grünen in Münster und des Bündnisses „Münster gegen Pegida“, das Anfang des Jahres die Anti-Pegida-Demonstrationen in der Stadt organisiert hatte zur Synagoge, um Solidarität zu bekunden. Der Oberbürgermeister und der Polizeipräsident haben da schon bei Sharon Fehr angerufen und ihre Erschütterung bekundet.

„Das ist die Tat eines Einzelnen“, ist Fehr sicher – und hofft, die rund 200 Gemeindemitglieder, die im Saal am Sonntagabend das jüdische Neujahresfest feiern wollen, bleiben ähnlich gelassen wie er. „Daffke – wir lassen uns nicht einschüchtern“, bekräftigt Fehr – obwohl der wahrscheinliche Schuss sich einreiht in eine Serie von Übergriffen. Im vorigen Jahr während des Gaza-Krieges etwa brüllten Männer am helllichten Tag vor der Synagoge antisemitische, volksverhetzende Parolen, vor Jahren schon flog einmal ein Molotowcocktail auf das Gotteshaus.

Die Polizei, so deren Sprecher Roland Vorholt, habe den Schutz der Synagoge verstärkt. Sie hoffe auf Zeugenhinweise. Die Tat müsse zwischen dem 27. August und dem 2. September geschehen sein.  

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