Sa., 10.10.2015

Profi-Jongleur aus Münster Die Leichtigkeit der Schwerkraft

 

  Foto: Mirko Schmidt

Münster - 

Früh übt sich, wer ein Profi-Jongleur werden will. Am besten beginne man im Kindergarten, übe täglich vier Stunden und trete spätestens in der Pubertät in eine artistische Kaderschmiede ein – denkt sich der Laie. Alles falsch! Der Münsteraner Martin Mall begann sein Handwerk ganz entspannt, als er in der Jugend einen Kasten mit Jonglage-Utensilien geschenkt bekam. Und richtig ernst machte er erst mit 18.

Von Arndt Zinkant

Heute düst der Mann mit seinen Bällen und Diabolos von Show zu Show, tritt in Fernsehsendungen bei Stars wie Eckart von Hirschhausen auf und streckt seine Fühler aus bis nach Dubai , wo seine ganze Show „Human Laser“ unter seiner Leitung realisiert wurde. Ach ja, Fallschirmspringer ist Mall auch noch. Und macht hier ebenfalls keine halben Sachen: In Arizona war er an einem „Nationen-Weltrekord“ beteiligt, als 214 Springer aus Deutschland eine Formation bildeten.

Weshalb hat einer wie er seinen Lebensmittelpunkt in Münster ? „Der Liebe wegen“, sagt Martin Mall und nimmt einen Schluck Cappuccino. Die hat ihn in die beschauliche Westfalenmetropole verschlagen, genauer: ins Kreuzviertel. Unter anderem sei Münster gerade wegen seiner Lage ideal: Schnell komme man von hier aus nach Berlin oder Hamburg. Und hat die Liebe gehalten? „Ja – wir sind mittlerweile verheiratet und haben einen fast zweijährigen Sohn“, lächelt Mall zufrieden.

Die Liebe zur Artistik hält ebenfalls und treibt immer neue Blüten. So nutzt der Jongleur, der in seiner Jugend Cello-Unterricht erhielt, sein Instrument für eine besondere Bühnen-Überraschung. Davon konnten sich die Zuschauer im März bei der Adam-Riese-Show im Pumpenhaus ein Bild machen: Wer Mall nicht kannte, hielt ihn zunächst für einen Musiker – doch statt Bach oder Haydn „fiedelte“ der Bogen auf einmal mit Bällen! Lüpfte sie elegant in die Höhe, und die Saiten wurden zur Rutschbahn. Damit die aktuelle Musik nicht außen vor bleibt, arbeitet Mall auch mit dem Jazz-Musiker Stephan Braun zusammen.

Bei der Riese-Show in Münster zeigte Mall noch eine weitere Spezialität: Das „Mega-Selfie“, das sämtliche Zuschauer eines Saals mittels Superweitwinkel-Linse auf ein Foto zwingt – Mall inklusive. Und während er die Fernbedienung knipst, balanciert er die Kamera mittels Stange auf der Stirn. Artisten-Ehrensache. Unsere Zeitung druckte das Foto seinerzeit ab.

Diese Bilder zählen zu Malls künstlerischem Portfolio. Es kommt eben nicht darauf an, mit neun statt sieben Bällen wirbeln zu können – viel wichtiger sind kreative Eigenheiten. So eröffnet man dann eben mit besagter Lasershow die Hannover-Messe, und Angela Merkel sitzt im Publikum. Bis zum 8. November kann man Malls Show „Moderne Zeiten“ im „Varieté et cetera“ in Bochum erleben.

Und warum braucht jemand, der seinen Adrenalinkick auf der Bühne holt, noch Sprünge aus Flugzeugen? „Um einen Kick geht es mir nicht“, widerspricht der Vielflieger. „Mich reizt der Teamgedanke und was man gemeinsam realisieren kann“. Aber es muss schon eine seltsame Sucht von diesen frei schwebenden Momenten zwischen Himmel und Erde ausgehen. Über 2000 Sprünge hat Martin Mall jedenfalls schon auf dem Buckel.

  

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