Mi., 21.10.2015

Staatswaltschaft stellt Festplatten und Aktenordner sicher Hausdurchsuchung bei früherem Sparda-Bank-Chef

Bei der Hausdurchsuchung stellten die Ermittler umfangreiche Unterlagen mit möglichem Beweismaterial sicher.

Bei der Hausdurchsuchung stellten die Ermittler umfangreiche Unterlagen mit möglichem Beweismaterial sicher. Foto: dpa (Symbolbild)

Münster - 

Staatsanwaltschaft und Polizei haben bei einer mehrstündigen Hausdurchsuchung beim fristlos entlassenen Sparda-Bank-Vorstandsvorsitzenden Enrico Kahl umfangreiche Unterlagen sichergestellt. Die Ermittler nahmen am Dienstagnachmittag unter anderem Computer und Akten mit. Die Sparda-Bank wirft Kahl Spesen-Betrug vor.

Von Ralf Repöhler

Zwei Staatsanwälte und eine Handvoll Polizisten klingelten am Dienstagnachmittag am Privathaus des am Wochenende fristlos entlassenen Sparda-Bank-Vorstandsvorsitzenden Enrico Kahl an.

Bei der mehrstündigen Hausdurchsuchung stellten die Ermittler umfangreiche Unterlagen mit möglichem Beweismaterial unter anderem auf Computer-Festplatten und in Aktenordnern sicher. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster, Heribert Beck , bestätigte gestern die Durchsuchung, die nur in dem Privathaus und nicht in der Sparda-Bank selbst stattgefunden habe. „Die Auswertung der Unterlagen wird Monate in Anspruch nehmen“, sagte Beck.

Der Aufsichtsrat der Sparda-Bank Münster hatte den Dienstvertrag des langjährigen Vorstandschefs Kahl am vergangenen Freitag fristlos gekündigt. Nach Erkenntnissen der internen Revision der Bank soll Kahl über einen längeren Zeitraum hinweg private Kosten wie zum Beispiel für Feiern und für verlängerte Wochenendreisen als betriebliche Aufwendungen verschleiert und sich von der Bank erstattet lassen haben. Der Schaden bewegt sich nach Angaben der Bank im unteren sechsstelligen Bereich.

Die Staatsanwaltschaft Münster hatte am Dienstagmorgen aufgrund der Presseberichterstattung ein „Ermittlungsverfahren wegen Untreue“ gegen Kahl eingeleitet. Parallel dazu hatte ein Anwalt im Auftrag der internen Revision der Sparda-Bank Strafanzeige erstattet, bestätigte Beck. Das Amtsgericht Münster hatte noch am gleichen Tag den Durchsuchungsbeschluss erlassen. Insider sind über das schnelle Handeln nicht überrascht, wenn möglicherweise belastendes Material gesichert werden soll. Die Ermittler suchen wegen des Vorwurfs des Spesenbetrugs nach Rechnungen, Gästelisten oder Bestellaufträgen.

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