Am Arbeitsplatz von Meinhard Zanger
„Hilfe, mein Flugzeug stürzt ab“

Münster -

Intendant, Nachrichtensprecher, Schauspieler. Meinhard Zanger hat gerade für fünf Jahre seinen Vertrag beim Wolfgang Borchert Theater verlängert. Dann wäre er 65. Eine Visite am Arbeitsplatz.

Samstag, 07.11.2015, 11:11 Uhr

Meinhard Zanger an seinem Schreibtisch, an dem er die Geschehnisse auf der Bühne direkt verfolgen kann.
Meinhard Zanger an seinem Schreibtisch, an dem er die Geschehnisse auf der Bühne direkt verfolgen kann. Foto: Günter Benning

Meinhard Zanger trägt Wollmütze. Dabei scheint die Sonne durch das hohe Fenster in sein noch viel höheres Büro. Fünf Meter, geschätzt. Wie ein gigantischer Nürnberger Trichter ragt ein Betonklotz von der Decke herab, an dessen Ende eine Metallklappe über dem Intendanten des Wolfgang Borchert Theaters schwebt.

Kommt da die Inspiration raus? „Nein“, sagt Zanger, „wir haben uns gefragt, ob da die Fliegen rauskommen.“ Im Sommer gab es im neuen Büro des Flechtheimspeichers eine Fliegenheimsuchung.

Mein Arbeitsplatz: Meinhard Zanger

Seine Mütze trägt er aber nicht deshalb, sondern wegen der Glatze. Im „Zerbrochenen Krug“ spielt Zanger den kahlen Dorfrichter Adam, deshalb muss er sich das üppige Haupthaar scheren. „Und dann zieht‘s.“

Wer sich ein Intendantenbüro mit Pomp und Gloria denkt, liegt bei Zanger schief. An der Wand hängt nur ein Flachbildschirm. Da kann man die Vorführungen beobachten. Und mit der Sprechanlage, die auf seinem Schreibtisch thront, greift er direkt ein. „Quaste an Tower, Hilfe, mein Flugzeug brennt“, haucht er ins Mikro. Der Alarm geht einmal quer durchs Haus.

Meinhard Zanger am Arbeitsplatz

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  • Meinhard Zanger an seinen Arbeitsplätzen

    Foto: Günter Benning
  • Profanes Schminkutensil in der Garderobe.

    Foto: Günter Benning
  • Meinhard Zanger an seinen Arbeitsplätzen

    Foto: Günter Benning
  • Meinhard Zanger an seinen Arbeitsplätzen

    Foto: Günter Benning
  • Meinhard Zanger an seinen Arbeitsplätzen

    Foto: Günter Benning
  • Im Regal stehen die Scripte der aktuellen Aufführungen.

    Foto: Günter Benning
  • Im Regal stehen die Scripte der aktuellen Aufführungen.

    Foto: Günter Benning
  • Meinhard Zanger an seinen Arbeitsplätzen

    Foto: Günter Benning
  • Blick hinrter der Bühne.

    Foto: Günter Benning
  • Blick hinrter der Bühne.

    Foto: Günter Benning
  • Blick hinrter der Bühne.

    Foto: Günter Benning
  • Der Intendant im Zerbrochenen Krug.

    Foto: Wolfgang Borchert Theater

ulich musste er eingreifen, als versehentlich kurz vor Schluss von „Männerhort“ der Feueralarm losheulte: „Da haben wir die Leute in zwei Gruppen rausgeleitet.“ Rechts und links erklärten die Schauspieler das fehlende Ende. Die Leute waren begeistert. Sie hielten es für einen Regie-Gag.

Neben seinem Büro ist die Künstler-Garderobe. Kleenex-Tücher, Hautreinigungsmilch, Schminke. „Wäsche bitte in den Wäschesacke“, steht da. Alles sehr bieder. „Ich schmink mich kaum, höchstens ein paar Kajalstriche “, sagt Zanger, „Neurodermitis.“ Fette Schminke kommt da nicht in Frage.

Das Schöne am Theater ist ja, sagt er ein paar Meter weiter an seinem wahren Arbeitsplatz , „dass sie hier auf der Bühne eine Welt erschaffen können, die gar nicht existiert. Die Leute wollen in andere Welten entführt werden.“

Dazu hat er im Flechtheimspeicher ganz neue Möglichkeiten. Das kleine, niedrige Bühnchen ist perdu. Die neue Bühne hat Luft, oben schwebt eine Leiste mit dicken Scheinwerfern. „Das ist nicht mehr die alte Grill-Situation für Schauspieler“, sagt Zanger. So luxuriös ist es, dass oben die Beleuchter über die Scheinwerferbühne gehen können.

Wann hat ein Intendant schon mal das Glück, ein neues Theater zu bekommen? Oft, weiß der Kölner, herrscht hinter den Kulissen trister Sanierungsstau. „Hier ist ein Traum für uns in Erfüllung gegangen.“

Zurück im Büro sitzt er an seinem großen Eisenschreibtisch. Das Gestell ist ein Stück Kulisse aus seiner Kölner Theaterzeit im „Keller“. Draußen gehen Leute vorbei, manchmal bleiben sie stehen und gucken, was der Chef so macht. Ein Theatermann auf dem Präsentierteller? Was zu viel ist, ist zu viel, findet Zanger: „Da kommen noch Jalousien hin.“

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