So., 20.12.2015

Benefizkonzert war eine echte Wucht Gershwin mit Überraschungen

P ianistin Martina Filjak mit Bremens Generalmusikdirektor Markus Poschner.

P ianistin Martina Filjak mit Bremens Generalmusikdirektor Markus Poschner. Foto: zin

Münster - 

Der Förderverein des Prostatazentrums am Universitätsklinikum Münster besteht seit zehn Jahren. Aus diesem Anlass fand im Theater Münster eine hochkarätige Benefiz-Gala mit den Bremer Philharmonikern statt.

Von Arndt Zinkant

Seit 1928 schlendert er gut gelaunt durchs quirlige Paris der Roaring Twenties: „Ein Amerikaner in Paris“. George Gershwin schuf das berühmte Stück „Jazz-Symphonik“, ließ sich dabei von der französischen Avantgarde inspirieren, außerdem reale Autohupen munter zwischen Geige und Saxofon tröten. Und nach 87 Jahren kommt nun der „Amerikaner“ plötzlich so daher, wie Gershwin ihn einst schrieb – bevor Dirigenten und Arrangeure die Partitur abänderten.

Die Bremer Philharmoniker unter ihrem GMD Markus Poschner haben die wiederentdeckte Fassung kürzlich in Bremen weltaufgeführt; am Freitag war sie nun in Münsters Theater zu hören. Toll – aber auch ohne dieses musikhistorische Bonbon war das Konzert eine Wucht. Die Einnahmen des Abends kommen dem Prostatazentrum am UKM zugute.

Und der „Amerikaner“ – spazierte er auf hörbar neuen Pfaden? Wer vor dem Konzert noch mal in den eigenen CD-Schrank gegriffen hatte, vernahm zunächst Vertrautes. Die Bremer spielten mit Verve und Witz bis zum berühmten Trompeten-Blues (Sonderlob!), aber dann: Zum Finale taten sich plötzlich Überraschungen auf. Gershwin holt in 120 unbekannten Takten viel Neues aus seinen Themen, lässt sie immer wieder umherflitzen, mixt neue Verzierungen etwa im Xylofon dazu. Das machte Laune. Auch Gershwins „Cuban Overture“ erklang in der Urfassung.

Musikalisch tiefgründiger allerdings ging es in Ravels zauberhaftem G-Dur-Klavierkonzert zu – die Pianistin Martina Filjak machte es zum eigentlichen Hauptstück des Abends. Mit poetischem Zugriff und mustergültiger Klarheit ging sie das Werk an, in dem es ebenfalls vor französischen Finessen und jazzigen Schelmereien nur so wimmelt. Filjak hatte duftiges Legato ebenso parat wie Donnerbässe in der Linken. Und die Klangreize im Verbund mit den Bremer Streichern tönten superb. Eine fabelhafte Darbietung.

Etwas frühe Avantgarde des 20. Jahrhunderts gab es dann auch noch: „Three Places in New England“ von Charles Ives. Und die Stücke hatten kein bisschen Staub angesetzt. Wie der geniale Außenseiter Ives hier sphärische Klangfelder schafft und sie mit schrägen Militärkapellen mischt, war immer noch faszinierend anzuhören. Ein Ausnahmekonzert.

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