So., 03.04.2016

Das Ende der Kaffeehauskultur in Münster? Traditionscafé schließt die Türen

Café Kleimann in Münster. Foto: Ahlke

Köstlichkeiten im Café Kleimann. Foto: Matthias Ahlke

Café Kleimann hat geschlossen. Eines der traditionellen Cafés des alten ­Münsters. Ob damit auch die Kaffeehauskultur leidet, sehen unsere Kommentatoren sehr unterschiedlich.

Von Günter Benning, Gabriele Hillmoth

Kaffee satt

Von Günter Benning

Natürlich. Wer seine Jugend an den Nierentischen im Café Kleimann verbracht hat, der wird sentimental. Aber der Untergang der Kaffeehauskultur in Münster ist die Schließung des Traditionshauses nicht. Stattdessen gibt es in der Stadt so viele Pilgerstätten des Kaffee-Konsums wie nie zuvor.

Was da teilweise von guten Baristi gepresst und gebrüht wird, ist aber meilenweit entfernt von dem schwarzen Aufguss aus alten Tagen. Als es in der Stadt drei, vier vorzeigbare Renommiercafés gab, haben die sich eher an der Qualität ihrer Kuchen und Pralinen messen lassen. Der Kaffee war überall gleich: Tasse oder Kännchen, das reicht heute nicht mehr. Und der Kuchenkonsum – der knickt unter dem Fitnesswahn ein.

Moderne Cafés sind im Stil französischer Bistros offen. Nach außen gerichtet, durchsichtig, ohne Kuschelecken, Hinterstübchen, Kaffeetanten-Nischen. Alles passiert auf offener Bühne und am liebsten draußen. Von diesen Cafés hat Münster genug. Dass sie oft zu Ketten, meist aus der Region, gehören, sorgt vielleicht für Gleichförmigkeit. Es schadet aber dem Kaffee nicht.  

 

Video: Café Kleimann schließt im März

 

Der letzte Tag von Café Kleimann

Tränen zum Abschied

Kaffeehäuser ohne Seele

Von Gabriele Hillmoth

Café Kleimann ist kein Einzelfall. Ein Ende der Kaffeehauskultur zeichnet sich schon lange ab. Groß war darum der Aufschrei, als Familie Kleimann das Ende ihres Cafés bekanntgegeben hatte. Seitdem rannten die Münsteraner dem Betrieb die Türen ein. Hätten sie es nur früher getan, dann hätte das Traditionscafé vielleicht noch Überlebenschancen gehabt.

Aber nun – vielen Menschen scheint es heute egal zu sein, welche Brühe in ihrer Tasse schwimmt. Hauptsache, sie riecht wie Kaffee, sieht aus wie Kaffee und ist auch noch preiswert. Kaffee „to go“ ist das Zauberwort für zahlreiche Kaffeetrinker geworden.

Mit Kaffeekultur hat das nichts zu tun. Es gibt natürlich viele Kaffeebars und Cafés, aber der Genießer möchte seine Tasse Kaffee eben nicht mit einem Fußbad in der Untertasse und einer Jonglage-Einlage zum Sitzplatz befördern.

Die Erwartungen an die Kaffeehauskultur sind sehr unterschiedlich. Der eine mag es steril, der andere bevorzugt die Gemütlichkeit. Jetzt liegt es an uns Münsteranern, die lokale Kaffeehauskultur zu fördern und seelenlosen Café-Anbietern eine Absage zu erteilen.

Fotostrecke: Café Kleimann schließt

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