Mi., 13.04.2016

Ehrgeiziges Projekt auf der Kippe „Sicher durch Münster“ vor dem Aus

Spektakuläre Aktion der Ordnungspartnerschaft 2012 vor dem Schloss: Leichensäcke mit „toten“ Radlern sollen den Studenten auf drastische Weise demonstrieren, welche Folgen nächtliche Alkoholfahrten auf dem Rad haben können.

Spektakuläre Aktion der Ordnungspartnerschaft 2012 vor dem Schloss: Leichensäcke mit „toten“ Radlern sollen den Studenten auf drastische Weise demonstrieren, welche Folgen nächtliche Alkoholfahrten auf dem Rad haben können. Foto: hpe

Münster - 

Anfang kommenden Jahres läuft das gemeinsame Verkehrsunfall-Präventionsprojekt von Polizei und Stadt aus, eine Verlängerung von „Sicher durch Münster“ in der bisherigen Form ist unwahrscheinlich.

Von Helmut P. Etzkorn

Die Ordnungspartnerschaft Verkehrsunfallprävention , in der sich vorwiegend Vertreter von Polizei und städtischen Ämtern für mehr Sicherheit auf Münsters Straßen engagieren, steht vor einer ungewissen Zukunft.

Das auf zehn Jahre befristete und jährlich mit rund 500 000 Euro aus dem städtischen Etat unterstütze Modellprojekt „Sicher durch Münster “ läuft im Februar 2017 aus. Das ist besonders bitter für acht städtische Mitarbeiter, deren Verträge wahrscheinlich nicht verlängert werden. Betroffen sind Ingenieure aus dem Tiefbau- und Planungsamt, die für eine bessere Verkehrsinfrastruktur sorgen sollen. Auch zusätzlich eingestelltes Personal im Ordnungsamt zur Tempoüberwachung wird dann wegfallen.

„Die Verwaltung wird der Politik bis Mitte des Jahres Vorschläge für eine eventuelle Fortführung der Ordnungspartnerschaft machen“, so Ordnungsamtschef Martin Schulze-Werner jetzt bei der Vollversammlung des Gremiums. Das Projekt werde möglicherweise im Rahmen der allgemeinen Sachbearbeitung weiter verfolgt – im Klartext also auf Sparflamme ohne eigene Personalressourcen.

Mit spektakulären Aktionen wie der Platzierung von Leichensäcken vor dem Schloss, die vor Trunkenheit auf dem Rad warnen sollten, sorgte die Ordnungspartnerschaft immer wieder für Schlagzeilen. Gelbe Westen wurden verteilt, Kinospots gedreht, Fahrradaktionstage organisiert und vor Unfallfolgen gewarnt. Neben Stadt und Polizei sind Verkehrswacht, Dekra, ADFC und Versicherungen in der Partnerschaft aktiv.

Noch in diesem Jahr wird es eine neuerliche Untersuchung des Gemeindeunfallverbandes zur Verkehrssicherheit geben. Die Experten wollen dann feststellen, ob Münsters Verkehr im Vergleich zur Bestandsaufnahme vor zehn Jahren sicherer geworden ist. 2007 war Münster die unfallgefährlichste Großstadt in NRW, inzwischen haben sich die Zahlen aber gebessert, und die „rote Laterne“ ist abgegeben worden. Zahlreiche Radwege sind seit 2007 durch Rotmarkierungen besser erkennbar geworden, fast jede neuralgische Kreuzung hat einen Verkehrsspiegel, unübersichtliche Einmündungen wurden umgebaut. Inzwischen gibt es kaum noch Radler, die bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs sind. Fast flächendeckend gilt Tempo 50, der Verkehr fließt seitdem entschleunigter.

Der Automobil-Club Münster sieht noch Entwicklungspotenzial. Vorsitzender Wolfgang Husch: „Wir haben das Ziel, die Unfallzahlen um jährlich zehn Prozent abzusenken, nicht erreicht. Die Strategie der flächendeckenden Tempoüberwachung ist gescheitert.“

Wichtiger sei es, den anderen vier Hauptunfallursachen Abbiegen, Abstand, Vorfahrt und Alkohol auf den Grund zu gehen. Durch höhere Investitionen in die Infrastruktur könnte ebenfalls „viel Gutes“ getan werden. „Würden die jährlich 4,5 Millionen Euro an Bußgeldeinnahmen zweckgebunden eingesetzt, wären alle baulich notwendigen Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit finanziert“, so Husch. 

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