Flüchtlinge schauen auf die Attentate
„Werden wieder mehr angestarrt“

Münster -

Flüchtlinge in Münster informieren sich immer wieder über die Anschläge unter anderem in München und Ansbach. Dennoch fühlen sie sich sicher. Anschläge, sagen sie, seien bei ihnen in der Heimat schon fast Alltag gewesen.

Montag, 25.07.2016, 19:07 Uhr

Fühlen sich in Münster noch ganz sicher: Alaa Asfaira (l.), Radwan Mohammed (r.) und Mohammed Alsade. Annette Lersch unterstützt die Flüchtlinge als ehrenamtliche Helferin.
Fühlen sich in Münster noch ganz sicher: Alaa Asfaira (l.), Radwan Mohammed (r.) und Mohammed Alsade. Annette Lersch unterstützt die Flüchtlinge als ehrenamtliche Helferin. Foto: Oliver Werner

Susanne Lersch ist immer wieder überrascht: „Meistens wissen die Flüchtlinge ziemlich schnell, was passiert ist.“ Lersch kümmert sich ehrenamtlich um Flüchtlinge in der Unterkunft Gutenbergstraße. Die junge Frau kennt die Sorgen der Menschen gerade jetzt – nach den Anschlägen von Nizza, Würzburg, München und Ansbach . Anschläge seien für viele Flüchtlinge mit Erinnerungen an ihre Heimat verbunden.

Aber noch mehr Angst als vor Anschlägen hätten die Männer, dass sie ihre Familien nicht nachholen können, übersetzt Annette Lersch . Die Familie würde ihnen ein Heimatgefühl geben, sagen die Männer, die zum großen Teil alleine nach Münster gekommen sind. Das Warten und Nichtstun aber mache sie eher verrückt als die aktuellen Schreckensmeldungen, sagen sie.

Die Nachricht vom Anschlag in Ansbach machte am Montag in der Flüchtlingsunterkunft des DRK an der Gutenbergstraße schnell die Runde. Übers Internet würden die Familien oft schon aus der Heimat die Flüchtlinge über Attentate informieren. So war es auch jetzt wieder.

Trotzdem fühlt sich Mohammed Alsade aus dem Irak in Münster immer noch sicher, wie er sagt. Deutschland, so der 23-Jährige, sei für ihn das sicherste Land überhaupt. Hier freue er sich auf eine sichere Zukunft, so der junge Mann, wenn er denn eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommen würde. Seine Frau und sein zweijähriger Sohn leben noch im Irak. Für sie kann er erst einen Nachreiseantrag stellen, wenn er in Deutschland bleiben darf.

Mohammed Alsade ist seit November 2015 in Deutschland, zunächst in Detmold. Münster ist seine zweite Station. Hier hat er den Asylantrag gestellt. Nach den aktuellen Attentaten, sagt der Iraker, bemerkt er, wie er zunehmend mehr angestarrt und kontrolliert wird. „Das ist ein großes Problem.“

Dass er als Flüchtling hier sei, das habe er zeitweise sogar schon vergessen, jetzt denke er anders darüber. Alsade arbeitete im Irak als Soldat und war dort nach eigenen Angaben als Ingenieur für Bombentechnik unterwegs.

Wie Alsade sind auch die Syrer Qusay Mohammed und sein Vater Radwan Mohammed mit dem Boot von der Türkei nach Griechenland geflüchtet. Bielefeld war für Vater und Sohn die erste Station in Deutschland, dann folgte Münster.

Der 19-jährige Qusay, der nach den Ferien das Hans-Böckler-Berufskolleg besuchen wird und Deutsch spricht, hat etwas Angst davor, dass die Situation für die Flüchtlinge nach den Anschlägen schlechter werden könnte. Trotzdem traut er sich in die Stadt. Was ihm fehle, das seien Freunde.

Sein Vater kommt derweil von einem Behördengang zurück. Er erhielt dort die Nachricht, dass sie vorerst nur für ein Jahr in Deutschland bleiben dürfen. Was aber auch bedeutet, übersetzt Annette Lersch, dass er seine Frau und drei weitere Kinder nicht nach Münster nachholen darf.

Angst vor dieser Situation hat Alaa Asfaira. Der 40-Jährige aus Syrien ist vor einem Jahr nach Deutschland geflüchtet. Er hatte früher einen Job in der Stahlindustrie und würde gerne wieder arbeiten. Angst vor Attentaten habe er nicht, beteuert er. „Bei uns passiert das andauernd“, sagt der 40-Jährige. Anschläge sind für die Männer aus Syrien schon so etwas wie Alltag geworden.

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