Fr., 19.08.2016

Tourismus in Terrorzeiten Spürbar weniger Türkei-Urlauber

Spürbar in den Reisebüros ist der Rückgang von Neubuchungen für einen Türkei-Urlaub. An manchen Stränden dort ist es leer geworden. Stornierungen für Reisen in das Land erfolgen aber auch aufgrund von Hotelschließungen in der Türkei.

Spürbar in den Reisebüros ist der Rückgang von Neubuchungen für einen Türkei-Urlaub. An manchen Stränden dort ist es leer geworden. Stornierungen für Reisen in das Land erfolgen aber auch aufgrund von Hotelschließungen in der Türkei. Foto: dpa

Münster - 

Die Zahl der Neubuchungen für die Türkei sind in Reisebüros in diesem Jahr zurückgegangen. Die Terrorgefahr beeinflusst stark die Urlaubsplanungen. Es profitiert unter anderem der gesamte spanische Raum.

Von Lena Rütten

Ein beliebtes Urlaubsziel der Deutschen kommt kaum noch zur Ruhe. Terroranschläge, der gescheiterte Putschversuch und die landesweiten politischen Spannungen bedeuten Krisenzeiten für den türkischen Tourismus. Doch wie sieht es bei den Münsteranern aus?

„Fakt ist“, so Thomas Schemmer , Geschäftsführer der Reiseagentur Meimberg, „dass ein starker Rückgang von Türkei-Anfragen bei Neubuchungen deutlich spürbar war.“ Die vielen Negativschlagzeilen haben angehende Urlauber verschreckt. Ein Anstieg der Stornierungen war für Schemmer jedoch nicht zu beobachten: „Unter den Reisenden befinden sich viele Wiederholer, die die Ferienregionen, die im Vergleich zu den Großstädten wirklich sicher sind, gut kennen. Außerdem ist das Preis-Leistungsverhältnis besser denn je.“

Wohin steuert die Türkei?

Nach dem gescheiterten Putsch schlägt Präsident Erdogan einen harten Kurs ein. Verhaftungen, Kündigungen, Verfolgung von Gülen-Anhängern. In zwei Gesprächen zeigen wir zwei Sichtweisen auf das Land: die der türkischen Generalkonsulin Pinar Gülün Kayseri aus Münster, die den Regierungskurs vertritt, und die der ehemaligen SPD-Politikerin Lale Akgün, die mit Erdogan hart ins Gericht geht.

Auch Münsters Reisebüro Lückertz bekommt die Auswirkungen zu spüren. wobei es aber nur wenige Stornierungen gebe. Geschäftsführer Christoph ­Lückertz erklärt den Grund dafür: „Die Türkei ist eben ein preiswertes und eigentlich gefragtes Urlaubsland, in dem man wunderbaren Urlaub machen kann. Jeder muss das im Endeffekt mit sich selbst ausmachen und schauen, ob man bereit ist, in eine Stornierung zu investieren.“

Ines Alexandra Bellina von Reiseland Münster sieht den Grund der aufkommenden Stornierungen bei den Hotelschließungen in der Türkei: „Die meisten Urlauber waren gezwungen, ihren Urlaub umzuplanen.“

Zum Thema

Starker Einfluss von Terrorgefahr auf Urlaubsplanung, hieß es schon Anfang des Jahres auf der internationalen Reisemesse in Berlin. Fest steht demnach: Die Reiselust ist trotzdem ungebrochen. Beliebte Urlaubsdestinationen, allen voran die Türkei und Ägypten, verzeichneten teilweise dramatische Buchungsrückgänge und meldeten leere Betten in den Hotels. Dennoch werde dieses Jahr insgesamt mehr gereist als im Vorjahr, heißt es in einer Pressemitteilung. So rechnet die Tourismusberatung IPK International mit einem Zuwachs an Auslandsreisen bei den Europäern von zwei Prozent und weltweit sogar von drei Prozent. Die Wahl des Reisezieles werde jedoch stärker überdacht. IPK International führte eigenen Angaben zufolge in über 40 Tourismus-Quellmärkten eine Sonderumfrage zum Thema „Terror“ mit 50 000 Interviews durch. Ergebnis der weltweiten Studie ist, dass die Terrorgefahr das Reiseverhalten von 40 Prozent aller internationalen Reisenden beeinflusst. Bestes Beispiel ist Deutschland, das diesen Sommer weiter zu den Lieblingsreisezielen der Deutschen gehört. So ist beispielsweise am Timmendorfer Strand an der Ostsee so gut wie alles ausgebucht.

Neben der Türkei stehen auch Frankreich und Thailand, die in letzter Zeit unter Anschlägen leiden mssten, unter Beobachtung. Laut Bellina ist die Nachfrage dort jedoch nicht zurückgegangen. Für die übrigen Urlaubsländer bedeuten die politischen Gegebenheiten in der Türkei eines – mehr Nachfragen.

Unruhen in der Türkei

Unruhen in der Türkei, ein misslungener Putschversuch und Spannungen zwischen Anhängern und Gegnern von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan: Welche Auswirkungen hat dieser Konflikt auf das Zusammenleben von Deutschen und Türken? Ein Interview mit Veli Firtina von der muslimischen Gemeinde in Warendorf.

„Sicherlich profitiert der gesamte spanische Raum und Portugal von der derzeitigen Lage“, berichtet Schemmer. „Für Urlauber, die bereit sind, lange Autofahrten auf sich zu nehmen, stellen Kroatien, die Schweiz und Österreich reizvolle Ziele dar, und trotz der Flüchtlingskrise ist Griechenland ganz groß im Kommen.“

„Wie die weitere Entwicklung verlaufen wird, weiß keiner“, gibt Lückertz zu. Es bleibe abzuwarten.

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