Do., 25.08.2016

Gefährlichem Gen auf der Spur Gefahr neuer Antibiotika-Resistenzen

Erfolg in Münster: Die Mikrobiologen Dr. Jörg Wüllenweber und Dr. Franziska Schuler konnten in aufbewahrten Isolaten nun erstmals das Colistin-resistente mcr-1-Gen bei einer Patientenprobe aus dem Jahr 2012 nachweisen.

Erfolg in Münster: Die Mikrobiologen Dr. Jörg Wüllenweber und Dr. Franziska Schuler konnten in aufbewahrten Isolaten nun erstmals das Colistin-resistente mcr-1-Gen bei einer Patientenprobe aus dem Jahr 2012 nachweisen. Foto: UKM

Münster - 

Bakterien, die gegen das Notfall-Antibiotikum Colistin resistent sind, weiten sich schon länger unter Menschen in Deutschland aus als bislang bekannt. Mikrobiologen der Uniklinik Münster gelang jetzt der Nachweis bei einer Patientenprobe aus dem Jahr 2012.

In Münster konnte im Rahmen von Nachuntersuchungen jetzt erstmals das Colistin-resistente mcr-1-Gen bei einer Patientenprobe aus dem Jahr 2012 nachgewiesen werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

In Deutschland wurde dieses Gen, das seit einigen Jahren bei Nutztieren vorkommt, bisher erst bei einem Patientenisolat aus dem Jahr 2014 festgestellt. Colistin gilt als Reserve-Antibiotikum und wird bei Patienten eingesetzt, bei denen gängige Präparate nicht mehr anschlagen.

Die Mikrobiologen des Universitätsklinikums Münster (UKM) untersuchten gezielt vier noch vorhandene Isolate auf das erst Ende 2015 in China entdeckte Gen, das insbesondere Darmbakterien gegen Colistin resistent macht.

Gefährliches Gen

Das für die Resistenz verantwortliche Gen (mcr-1) wurde in China zuerst entdeckt, wo Colistin häufig in der Tierhaltung eingesetzt wird. Es macht zum Beispiel Darmbakterien (Escheria coli) unempfindlich für Colistin. Das Mittel gilt als Reserve-Antibiotikum und wird dann eingesetzt, wenn andere Mittel nicht mehr anschlagen.

„Wir konnten das mcr-1 Gen in jeweils einer Probe aus dem Jahr 2012 und 2014 nachweisen“, sagt Dr. Jörg Wüllenweber, Oberarzt am Institut für Medizinische Mikrobiologie des UKM. „Diese Funde belegen, dass das Gen in Bakterien isoliert vom Menschen schon mindestens seit 2012 in Deutschland vorkommt.“

Bisher waren lediglich vier Fälle in Deutschland bekannt: Drei wurden bei Schweinen nachgewiesen, das früheste 2010, und eines beim Menschen aus einer Probe von 2014. In den USA wurde zudem im Mai erstmals ein Fall einer 49 Jahre alten Patientin bekannt, die routinemäßig auf das Ansprechen des Reserveantibiotikums Colistin beziehungsweise auf das mcr-1-Gen getestet wurde.

Bei den beiden in Münster positiv getesteten Isolaten handelt es sich um Keime, die zwar einige weitere Resistenzen aufweisen, aber – im Gegensatz zum Fall aus den USA – nicht komplett resistent sind. „Dennoch sind wir alarmiert, da diese Art der Resistenz möglicherweise übertragbar ist“, so Wüllenweber.

In der Folge wäre bei einer zunehmenden Anzahl von Infektionen die Behandlung mit dem Reserve-Antibiotikum Colistin nicht mehr möglich. Die Marschrichtung ist für Dr. Jörg Wüllenweber, der mit seinen Kollegen derzeit eine wissenschaftliche Publikation zu den Funden in Münster vorbereitet, deshalb klar: „Es muss weiter erforscht werden, ob sich die Colistin-resistenten E.coli-Stämme in Deutschland ausbreiten“, heißt es weiter.

Hintergrund

Im April meldeten die USA eine 49-jährige Patientin mit komplett resistenten Keimen. Das gilt nach Auskunft der Uniklinik nicht für den Nachweis in Münster. Hier wirken andere Antibiotika-Klassen noch, teilte der Mikrobiologe Jörg Wüllenweber mit. „Dennoch sind wir alarmiert, da diese Art der Resistenz möglicherweise übertragbar ist“, so der Forscher.

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