Studentenklischees
Von wegen Faulenzer und Muttis

Derzeit gibt es rund 18.000 verschiedene Studiengänge, eine große Auswahl für angehende Studenten. Ist man dann einmal in seinem Fach angekommen, merkt man schnell, dass dies häufig mit Vorurteilen belastet ist.

Mittwoch, 14.02.2018, 11:02 Uhr

Studentenklischees: Von wegen Faulenzer und Muttis
Zwischen den Lehreinheiten auch mal entspannen. Foto: colourbox.de

Ob die Juristen wirklich alle Polohemd und Segelschuhe tragen, die Frisur der zukünftigen Sozialarbeiter Rastalocken sind und die Grundschullehrer in spe in ihren Seminaren  Mandalas ausmalen, erfahren wir aus erster Hand.

 

Studentenklischees

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  • „In unserem Studiengang sind überwiegend Mädels“, geben die Pädagogik-Studentinnen Melina Leser und Lena Nau zu. „Die Jungs kenne ich alle“, berichtet Lena Nau, die schon im Master studiert. Die beiden Freundinnen sind sich einig: Es gibt nicht den typischen Erziehungswissenschaftler: „Die laufen rum, wie alle anderen auch: Dutt, enge Jeans – Mainstream eben“, findet Melina Leser, die sich im dritten Bachelorsemester befindet.

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  • Unauffällig, Frauenfach und Faulenzer? „Oft bezeichnet man uns Pädagogen als die Faulen oder auch als die Muttis“, lacht Lena Nau. Dadurch, dass das Fach von Frauen dominiert wird, erklärt sich auch das Pädagogik-Studentinnen-Klischee: „Kinder sind doch so süß, deswegen studiere ich das“. Laut Lena Nau denken immer noch viele so, „aber wer einmal in einer unserer Vorlesungen war, der weiß, dass das durchaus mehr ist.“

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  • Bei dem Wort Jura, als anspruchsvolles Studium bekannt, denken viele sofort an Aktentasche, Förmlichkeit und steifes Auftreten.  Ines Mittermeier und Jonas Bamberger bestätigen: „Ja, das Juraklischee von Poloshirt und Segelschuhen stimmt schon. Das passt zu etwa 50 Prozent in unserem Studiengang“. Sie haben gerade das erste Staatsexamen in ihrem Jurastudium erreicht und kennen sich mittlerweile gut aus, was diese Vorurteile angeht.

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  • Doch auch wenn sie diese  teilweise bestätigt sehen, so gibt es auch hier viele Ausnahmen: „Wenn bei uns auch niemand in Jogginghose im Hörsaal sitzt, so gibt es doch trotzdem Leute mit Dreadlocks und lässigerem Kleidungsstil.“ Obwohl es hier keine offizielle Kleiderordnung gebe, fänden sich manche Klischees mit 50-prozentiger Trefferquote doch bestätigt.

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  • Thomas Günther studiert evangelische Theologie und Französisch im Zwei-Fach- Bachelor. Klischees findet er schwierig einzuschätzen, denn gerade auf Studierende der Sprachwissenschaften würden keine einschlägigen Kategorien zutreffen: „Rein äußerlich sind die kaum von anderen zu unterscheiden.“

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  • Was Äußerlichkeiten betrifft, so erkenne man einen Volltheologen hauptsächlich am Kleidungsstil, so Günther: „Die meisten kleiden sich locker und achten wenig auf ihr überzeugendes Äußeres wie Lehramtsstudenten. Man könnte die zwei Rubriken Fachwissenschaftler und Praktiker schaffen, aber das stimmt natürlich auch nie zu 100 Prozent.“

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  • Untereinander ist das Verhältnis allerdings nicht diskriminierend. Im Gegenteil, beide Gruppen gehen entspannt mit den Klischees um: „Die einen blicken lächelnd auf die anderen sowie andersherum.“

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  • Dem Studienfach Mathematik haftet ein ganz eigener Ruf an: „Viele Menschen denken, dass Mathematikstudenten stille, unscheinbare Einzelgänger sind und wenig Sozialleben haben“, so Dinah Heilmann. Dabei sei das völlig fern der Wirklichkeit, denn „gerade in Mathematik ist Gruppenarbeit das A und O“. Als Studentin im sechsten Bachelorsemester ist sie schon so manchen Vorurteilen begegnet.

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  • So auch dem Klassiker, dass Mathematik ein typisches Männerfach sei. „Klar, die Frauenquote ist hier nicht so hoch“, lacht sie. Mit dem Vorurteil, dass Jungen schon seit Schulzeiten mehr mathematisches Verständnis haben, werde allerdings schon im ersten Semester aufgeräumt. Eine Überraschung hat sie desweilen noch parat: „Was eigentlich niemand vermutet, wir bestreiten ganz altmodisch jede Vorlesung mit Tafel und Kreide.“

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  • Laut Carolin Klapperich, Studentin im zweiten Bachelorsemester, halten sich so manche Klischees über das Studium des Grundschullehramtes hartnäckig. „Viele denken, dass wir den ganzen Tag nur Mandalas malen und mit Buntstiften durch die Gegend laufen, so ein Quatsch“, sagt Klapperich.

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  • Von anderen Studierenden, die das Fach für wenig anspruchsvoll halten, werden sie häufig nicht ganz ernst genommen. Gerade angehende Gymnasiallehrer belächeln sie gerne. Die Unterstellung, dass sie „in Mathematik nur das kleine Einmaleins wiederholen“, bekomme sie immer wieder zu hören. „Auch wenn viele meinen, dass das mit links zu schaffen ist, ist unser Studium alles andere als einfach. Der Fokus liegt eben mehr auf Didaktik.“

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Diese Studenten gibt es an jeder Uni

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  • Party-Tier oder karrierefixiert?

    Der eine würde dem Professor gerne den Beamer hinterhertragen, der andere nutzt die Zeit in den Seminaren, um mal wieder Ordnung in seine Apps zu bringen. Zum Semesterstart treffen auf dem Campus die verschiedensten Studenten aufeinander. Die Semesterferien sind vorbei, es wird wieder voll im Hörsaal. Doch wer drängt sich da eigentlich auf den Holzbänken? Vom Streber bis zum Senioren-Student - eine Typologie.

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  • DER/DIE STREBSAME

    Er kommt extra früh zur Vorlesung, um sich auf den Platz am Gang zu setzen. Dass er damit die ganze Reihe blockiert, ist ihm egal. Schließlich kann er so schnell aufstehen, um mit dem Professor zu reden, sobald dieser den Raum betritt. Ein bisschen Netzwerken kann schließlich nicht schaden. Deswegen hat er auch damals diesen Job als studentische Hilfskraft angenommen - obwohl ihn die Bezeichnung eigentlich stört. Der Strebsame studiert vorzugsweise BWL. Sein Handy hat er immer im Blick. Dort blinken nicht nur Wirtschaftsnachrichten auf, sondern er wird auch daran erinnert, wann er das Sakko aus der Reinigung holen kann.

    Lieblingssatz: „Kann ich die Prüfung schon vorziehen?“

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  • DER/DIE GELANGWEILTE

    Den Text fürs Seminar hat er nicht gelesen, der war ihm zu „lame“. Weil er deshalb nicht mitreden kann, muss sich der Gelangweilte anders beschäftigen. Dazu legt er das Handy betont lässig auf den Tisch und wischt auf der Dating-App Tinder herum. Bei Professoren und Dozenten macht sich dieser Typ nicht beliebt. Das ist ihm aber egal, schließlich weiß er eh noch nicht, ob er sich das Ganze noch lange antun will.

    Lieblingssatz: „Der Dozent hat uns nicht richtig vorbereitet. Jetzt muss ich wegen dem die Prüfung wiederholen.“

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  • DER/DIE ALTE

    Sein natürliches Refugium ist die Uni nicht. Dennoch wagt sich der Seniorenstudent immer öfter in neues Terrain vor. Über 14 000 Menschen ab 65 Jahren teilten sich im vergangenen Semester mit jüngeren Studenten den Hörsaal - zwei Drittel mehr als vor 20 Jahren. Am liebsten besucht der Seniorenstudent Vorlesungen in Politik und Geschichte. Dort fungiert er gerne als Zeitzeuge. Ob zur Wiedervereinigung oder zum Rücktritt Bismarcks - zu jedem historischen Ereignis hat er eine sehr persönliche Geschichte zu erzählen.

    Lieblingssatz: „Ich weiß das. Ich war dabei.“

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  • DER/DIE SOZIALE

    Das Willkommensgrillen für die Erstsemester oder der Papierflieger-Flashmob mitten in der Vorlesung: Ohne den Sozialen geht nichts. Plant jemand im Fachbereich eine Veranstaltung, sitzt er mit Sicherheit im Organisationskomitee. Auch bei der Studentenvertretung ist er dabei. Zwischendurch sein Studium zu beenden, fällt da schwer, ist aber für den Sozialen trotzdem nicht unmöglich. Seit er den Getränkestand beim letzten Bodenmechanik-Symposium aufgebaut hat, hat er schließlich die Nummer seines Professors im Handy gespeichert. Eine Nachricht, und schon steht ein neuer Abgabetermin für die Hausarbeit fest.

    Lieblingssatz: „Jemand noch ein Bierchen?“

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  • DER/DIE POLITISCHE

    Ob Strafgesetzbuch oder Eiskunstlauf - für diesen Studententypen spielt jedes Thema auf einer höheren politischen Ebene. Um seine Kommilitonen aus den Geisteswissenschaften von seinen Ansichten zu überzeugen, holt er gerne weit aus. Meist mit selbst gedrehter Zigarette in der einen und frisch aufgebrühtem Mate-Tee in der anderen Hand. Der Politische gendert nicht nur seine Hausarbeitstexte, sondern benutzt die geschlechtsneutrale Sprache auch in Diskussionen.

    Lieblingssatz: „Ich würde mir wünschen, dass alle StudentInnen dazu Stellung beziehen.“

    Foto: dpa

 

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