Do., 27.10.2016

Podiumsdiskussion mit Volker Beck Muntere Debatte in der Petrikirche

Diskutierten  anfangs auch ohne Volker Beck über Staat und Religion (v.l.): Mouhanad Khorchide, Thomas Schüller, Perry Schmidt-Leukel und Johann Albrecht Haupt.

Diskutierten anfangs auch ohne Volker Beck über Staat und Religion (v.l.): Mouhanad Khorchide, Thomas Schüller, Perry Schmidt-Leukel und Johann Albrecht Haupt. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Auf Einladung der Grünen diskutierten Experten am Dienstagabend über das Verhältnis von Staat und Religion.

Von Klaus Baumeister

Stell dir vor, da sitzen 150 Menschen in einem Raum – und der Referent, dem diese 150 Menschen zuhören möchten, kommt 75 Minuten zu spät.

Wer sich das vor Augen hält, kann erahnen, auf welch heißen Kohlen der Grüne Stephan Orth am Dienstabend saß. Er moderierte eine Podiumsdiskussion zu dem Thema „Wie viel Religion braucht der Staat?“ – und der Hauptredner, der Bundestagsabgeordnete Volker Beck kam um 20.15 Uhr statt um 19 Uhr, der Deutschen Bahn sei es geklagt.

Religionsfreiheit ein hohes Gut

Da zu diesem Zeitpunkt aber noch immer 150 Menschen in der Petrikirche saßen, hing mit den anderen Männern auf dem Podium zusammen, die schon ganz munter in das Thema eingestiegen waren.

Einigkeit herrschte in der Überzeugung, dass Religionsfreiheit ein hohes Gut in unserem Land ist. Selbst Johann Albrecht Haupt, der als Sprecher der Humanistischen Union die Konfessionslosen vertrat, sprach den Religionen einen „Wert“ für unsere Gesellschaft zu, kritisierte aber zugleich die Privilegien der Kirchen. „Mit den Kirchen macht der Staat Verträge, für alle anderen Organisationen gelten Gesetze“.

Der Theologe Prof. Thomas Schüller hielt dem entgegen, dass Deutschland eine „religionsfreundliche Verfassung“ habe. Nicht ohne Grund gelte das Subsidiaritätsprinzip, das beispielsweise konfessionelle Wohlfahrtsverbände im Sozialbereich ermögliche. Für ihn sei es wichtig, so Schüller, in einer Gesellschaft zu leben, in der auf einem „religiösen Ethos“ basierende Arbeit am Menschen ihren Platz habe und „Nächstenliebe nicht einfach als berufliche Professionalität“ verstanden werde.

Verkirchlichung des Islam problematisch

Apropos Wohlfahrtsverbände: Als Volker Beck dann gekommen war, setzte er sogleich hinter dem Wunsch nach muslimischen Wohlfahrtsverbänden ein Fragezeichen. Zumindest dann, wenn es um politisch dominierte Verbände wie Ditip gehe. „Der Islam ist für mich eine Religion, ein türkisch-islamischer Verband wie Ditip aber ist für mich Politik pur.“ Der Religionswissenschaftler Prof. Perry Schmidt-Leukel warf die Frage auf, ob Religion und Nation überhaupt in jedem Fall zu trennen seien.

Der islamische Theologe Prof. Mouhanad Khorchide benannte ein ganz anderes Problem. Der Islam weise keine Organisationsstruktur wie die christlichen Kirchen „mit festen Ansprechpartnern“ auf. Wenn also die „Verkirchlichung“ des Islam die Voraussetzung dafür sei, um das Verhältnis zum Staat zu ordnen, dann stehe man vor einem Problem.

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