Mi., 21.12.2016

MS-Günther-Kapitän Leon Windscheid entsetzt Zimmer für Flüchtling gesucht – Proteste geerntet

Arbeiten Hand in Hand: Leon Windscheid (v.l.), Oliver Trepper und Mohammad, der seit dem 1. August auf der MS Günther seine Einstiegsqualifizierung absolviert.

Arbeiten Hand in Hand: Leon Windscheid (v.l.), Oliver Trepper und Mohammad, der seit dem 1. August auf der MS Günther seine Einstiegsqualifizierung absolviert. Foto: privat

Münster - 

Menschen, die helfen: dringend gesucht. Andere, die pöbeln: bloß wegbleiben. So lautet – auf den Punkt gebracht – die Botschaft, die Leon Windscheid an die Münsteraner schickt. Und das hat einen sehr konkreten Grund . . .

Von Martina Döbbe

Der MS-Günther-Kapitän und seine Crew sind noch immer fassungslos, was sich in sozialen Netzwerken abgespielt hat. Bei Facebook setzt das Team ein Video ein, in dem Mitarbeiter Mohammad sich vorstellt und sein Anliegen äußert: Er sucht ein Zimmer für seinen Bruder.

Shitstorm kurzerhand beendet

Der – als syrischer Flüchtling anerkannt – möchte von Düsseldorf nach Münster umziehen. Losgebrochen sei anschließend in kürzester Zeit ein echter Shitstorm, den Windscheid kurzerhand beendet, indem das Video direkt wieder gelöscht wird.

Angebote wie: „Wir bezahlen dir den Flug nach Syrien“ oder der Vorschlag, „es mal mit einem Nachtlager unter einer Brücke zu versuchen“, gehören da seinen Erzählungen nach noch zu den „harmloseren Kommentaren“. Er ist entsetzt, alle im Umfeld der MS Günter seien es, berichtet er.

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Windscheid setzt Integration positiv um

Mohammad ist ein 19-jähriger Syrer, der seit dem 1. August an Bord des „Wer-wird-Millionär-Schiffes“ arbeitet. In Kooperation mit Stadt und IHK sei dies eine Einstiegsqualifizierung, um dem Flüchtling das Ankommen in dieser Stadt zu erleichtern und zu zeigen, wie Integration positiv und konkret umgesetzt werden könne, so Windscheid.

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Mundtot machen lassen wir uns nicht.

Leon Windscheid

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Deshalb sei allen klar gewesen: „Wir helfen bei der Zimmersuche für den Bruder, ist doch toll für die beiden, die allein ohne ihre Eltern in Deutschland sind.“ Basil, so heißt der Bruder, sei Jurist mit abgeschlossenem Studium, Mohammad werde hier auch weiterhin in der Einrichtung für Flüchtlinge wohnen bleiben.

Erschrocken und traurig über Reaktionen

Es hat zwar laut Windscheid für das Video auch viele Daumen-hoch- und „Finde ich gut“-Stimmen gegeben – das negative Feedback aber habe alles überlagert. „Das kann man so nicht stehen lassen, da müssen wir Mohammad schützen.“ Der 19-Jährige sei total erschrocken und traurig gewesen über die Reaktionen. Dagegen müsse man Stellung beziehen und jetzt erst Recht weitermachen: „Deshalb hoffen wir, auf diesem Weg Leute zu erreichen, die wirklich helfen wollen, die mitziehen, die uns unterstützen.“

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„Mundtot machen lassen wir uns nicht“, heißt das Motto – und deshalb der Appell: „Wer ein Zimmer zum Beispiel in einer WG vermieten möchten, der soll sich melden.“ Kontakt ist möglich unter Telefon 149 167 99 oder unter kontakt@ms-guenther.de

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