Do., 05.01.2017

Interview über die Zukunft des Studierendenwerks Näher am Studentenleben

Frank Olivier ist Leiter des Studierendenwerks Münster. Die Einrichtungen sollen sich noch stärker an den Bedürfnissen der Studentinnen und Studenten richten, sagt er.

Frank Olivier ist Leiter des Studierendenwerks Münster. Die Einrichtungen sollen sich noch stärker an den Bedürfnissen der Studentinnen und Studenten richten, sagt er. Foto: kv

Münster - 

Essen und Wohnen, das sind bekanntlich elementare Bedürfnisse. Für die rund 58 000 Studentinnen und Studenten in Münster ist das Studierendenwerk hier die erste Adresse. Mit 5600 Wohnplätzen ist es einer der größten Vermieter in Münster, es betreibt fünf Mensen, neun Bistros und zwei Cafés, unterhält Kitas für studierende Eltern. Seit über einem Jahr leitet Frank Olivier das Studierendenwerk Münster. Mit unserer Redakteurin Karin Völker sprach Olivier über Aufgaben und Zukunft des Service-Riesen für Studierende.

Mensa, Wohnheim, Bafög. Hinter all dem steht das Studentenwerk. Wissen die Studierenden ihre Dienstleistung zu schätzen?

Olivier : Das hoffe ich sehr – wir meinen aber selbst, dass wir unsere Ausrichtung an der einen oder anderen Stelle etwas verändern sollten. In fünf Jahren wird das Studentenwerk Münster 100 Jahre alt – anlässlich dieses Jubiläums lohnt es sich schon, seine Strategie zu überdenken. Wir wollen in jedem Fall näher an das Leben der Studierenden heranrücken.

Ist das Studentenwerk denn zu weit von seiner Klientel entfernt?

Olivier: Wir könnten uns noch stärker an die veränderten Studienbedingungen anpassen. Wir wollen noch mehr Partner der Studierenden in praktischen Lebensfragen sein, auch mehr Beratungsservice anbieten, zum Beispiel für ausländische Studierende. Die Studierenden haben aber auch andere Essensgewohnheiten als früher.

Ist die Mensa nicht mehr attraktiv?

Olivier: Das wäre übertrieben, aber wir beobachten, dass die Besucherzahlen in der Aasee-Mensa leicht zurückgehen. In der Mensa am Ring ist das anders, und das liegt wahrscheinlich daran, dass wir dort näher an den Instituten, eben auf dem Campus sind. Am Aasee ist es zwar sehr schön, aber Juridicum, Fürstenberghaus und H-Gebäude sind schon ein Stück entfernt. Das Studium ist heute stärker durchgetaktet als früher, die Mittagspausen sind kürzer, da bleiben die Studierenden eher in der Nähe der Lehrgebäude.

Planen Sie eine neue Mensa am Juridicum?

Olivier: Aktuell nicht, aber wir überlegen schon, ob wir in den Bistros, die wir an vielen Stellen betreiben, nicht nur kleine Gerichte und Snacks, sondern auch ein attraktiveres Mahlzeitangebot offerieren. Wir verkaufen täglich im Vollsemester 15 000 bis 18 000 Mahlzeiten, es gibt in Münster aber 58 000 Studierende. Es geht aber auch darum, flexibler auf Wünsche zu reagieren: Das vegane Essen kommt etwa sehr gut an.

Ist die aktuelle Küchentechnik denn den anstehenden Veränderungen gewachsen?

Olivier: Da müssen wir investieren, zum Beispiel in eine neue Spülmaschine in der Aasee-Mensa. Da stehen Millionen-Investitionen an. Das schaffen wir leider nicht aus eigenen Rücklagen und bräuchten hier Unterstützung vom Land.

Wie ist denn die finanzielle Situation aktuell? Hat sich das Studentenwerk Münster weiter konsolidiert?

Olivier: Glücklicherweise ja. Wir stehen wirklich gut da, für das Jahr 2016 hatten wir einen Überschuss von 1,7 Millionen Euro, für 2016 steht die Bilanz noch nicht fest. Wir haben einen ausgeglichenen Wirtschaftsplan und liquide Mittel. Das Agora- und Seehotel sind zu 85 Prozent ausgelastet, das ist eine gute Quote, das Café Relax gut verpachtet, das Café Uferlos wird häufig für Abendveranstaltungen gebucht, und wir haben auch eine starke Nachfrage für Catering, etwa bei Tagungen und Kongressen. Das würden wir gerne noch weiter ausbauen.

Und fühlen Sie sich vom Land hinreichend unterstützt? Es wurde ja Kritik laut, die Hilfe des Landes beschränke sich darauf, dass die Studentenwerke nun ganz offiziell in Studierendenwerke umbenannt wurden . . .

Olivier: Das wäre nicht fair. Das Land unterstützt die Studierendenwerke, so wie wir ja jetzt heißen, in NRW aktuell mit einem Zuschuss von 40 Millionen Euro aus Mitteln des Hochschulpakts. Nach Münster fließen davon allein 18 Millionen Euro, also nahezu 50 Prozent. Das ist eine stattliche Summe. die wir für die Sanierung der Wohnheime am Gescher- und Heekweg in Gievenbeck verwenden.

Die Bewohner der Häuser dort mahnen schon lange Modernisierungsmaßnahmen an.

Olivier: Die sind dringend notwendig. Die Wohnungen wären nicht mehr lange bewohnbar, wenn wir jetzt nicht sanierten. Es geht außerdem immerhin um 1000 Wohnplätze.

Preiswerter Wohnraum fehlt in Münster mehr denn je. Planen Sie keine Neubauten?

Olivier: Das wäre natürlich schön, aber Neubauprojekte sind für uns schon allein wegen der exorbitant hohen Grundstückspreise in Münster kaum realisierbar. Die Investitionen lassen sich mit den niedrigen Mieten, die für Studierende angemessen sind, nicht gegenfinanzieren, wir müssten ja Kredite aufnehmen.

Das Studierendenwerk vermietet ja auch seit einigen Jahren Häuser der Bima in Gremmendorf. Ist es vorstellbar, dass der Wohnraum doch langfristiger zur Verfügung steht oder gar noch mehr Häuer angeboten werden können?

Olivier: Wir sind schon sehr froh, dass wir die Häuser am Köhl- und Torminweg nach intensiven Verhandlungen noch ein Jahr länger vermieten dürfen als zunächst vereinbart. Die Bima hat den Auftrag, die Immobilien an den Markt zu bringen.

Bafög-Anträge sind neuerdings online möglich. Erleichtert das die Arbeit ihrer Bafög-Abteilung?

Olivier: Bisher ist noch kein Effekt spürbar, es wurden erst fünf Anträge online gestellt. Die meisten Antragsteller kommen doch persönlich, weil sie Fragen haben. Wir verzeichnen auch insgesamt einen Rückgang bei den Bafög-Anträgen. Vor einigen Jahren hatten wir im Schnitt immer 12 000 Anträge pro Jahr, jetzt noch 10 000 . . .

. . . obwohl die Förderung vom Bund doch erhöht wurde. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Olivier: Die Förderung ist erhöht worden, aber die Freibeträge sind nicht angemessen angehoben worden. So erhöht sich nicht die Zahl der Bafög-Berechtigten. Wir beraten hier aber sehr intensiv. Unsere Mitarbeiter besuchen auch Oberstufenklassen von Schulen in der ganzen Region – und ermuntern dazu, Bafög zu beantragen.

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