Mo., 06.03.2017

Durchsuchungen an 20 Orten Spesen-Skandal um Ex-Sparda-Bank-Chef Kahl zieht Kreise

Durchsuchungen an 20 Orten  : Spesen-Skandal um Ex-Sparda-Bank-Chef Kahl zieht Kreise

Bislang liefen die Ermittlungen nur gegen den früheren Vorstandschef der Sparda-Bank Münster, Enrico Kahl. Foto: Matthias Ahlke

Münster/Bielefeld - 

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld hat Privatwohnungen und Räume der Sparda-Bank Münster durchsuchen lassen. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen mehrere Personen.  

Von Norbert Tiemann

Bislang richteten sich die staats­anwaltschaftlichen Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Untreue in erster Linie gegen den früheren Vorstandschef der Sparda-Bank Münster, Enrico Kahl. Ihm wird vorgeworfen, privat veranlasste Zahlungen über die Bank abgewickelt zu haben; Spesenbetrug im Umfang ei­ner größeren sechsstelligen Summe.

Ein Sprecher der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld bestätigte am Montag gegenüber unserer Zeitung, dass die Ermittlungen nun erheblich aus­geweitet wurden und im Februar zeitgleich an 20 Orten Durchsuchungen stattgefunden haben.

Diese richteten sich auch gegen Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates der Bank im Zeitraum von Anfang 2012 bis Ende 2016. Ziel der Durchsuchungen war neben den Privatwohnungen der Beschuldigten auch die Sparda-Bank selbst, die nach Aussage einer Sprecherin die Ermittlungen aktiv unterstützt.

Kahls Rechtsanwalt Ingo Minoggio erklärte, sein Mandant sei von der Aktion nicht betroffen gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den erweiterten Personenkreis ebenfalls wegen des Verdachts der Untreue; es geht, so ein Be­hördensprecher, um erlaubte oder eben nicht erlaubte Zuwendungen z.B. in Form von Besuchen von Konzert- und Fußballveranstaltungen.

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Der Beginn: Auf Fragen unserer Zeitung teilte Enrico Kahl im Oktober 2015 mit, dass der Aufsichtsrat der Sparda-Bank Münster ihm am Wochenende fristlos gekündigt hat. Angeblich geht es um Spesen-Belege.

Bielefeld übernimmt: Die bislang federführende Staatsanwaltschaft Münster hat die Akten an die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld abgetreten.

Chronologie: Schon zu Beginn der Ermittlungen überschlugen sich die Ereignisse. wie unsere Chronologie zeigt.

Die neuen Ermittlungen könnten auf Aussagen Kahls zurückzuführen sein, der bereits mehrfach auf das Vier-Augen-Prinzip in der Bank und somit darauf verwiesen haben soll, nicht allein für die Vorgänge verantwortlich gemacht werden zu können.

Im Zuge der Ermittlungen soll es gegen Kahl einen Haftbefehl gegeben haben, der dann aber mit Auflagen außer Vollzug gesetzt und schließlich aufgehoben worden sein soll. Ob es noch im Laufe dieses Jahres zu einem Gerichtsverfahren kommt, ist angesichts der klein­teiligen und aufwendigen Ermittlungsarbeit offen.

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