Mi., 15.03.2017

Studie aus Münster Schlaganfall-Patienten kann geholfen werden

Die Neurologin Dr. Caterina Breitenstein (2.v.l.) und ihr Team haben eine umfassende Studie über Sprachprobleme nach einem Schlaganfall und deren Behandlung erstellt.

Die Neurologin Dr. Caterina Breitenstein (2.v.l.) und ihr Team haben eine umfassende Studie über Sprachprobleme nach einem Schlaganfall und deren Behandlung erstellt. Foto: FZ

Münster - 

Mit „Sprachlosigkeit“ lässt sich die Erkrankung „Aphasie“ aus dem Griechischen übersetzen. Den Betroffenen fehlen buchstäblich die Worte – und das dauerhaft.

Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Sprachforschern der Universität Münster hat nun eine Studie zur Wirksamkeit von intensiver Sprachtherapie bei Patienten durchgeführt, bei denen die Aphasie von einem Schlaganfall herrührt, der bereits sechs Monate oder länger zurücklag.

Große Bedeutung des Projektes

Das Besondere: Weltweit ist dies die erste Studie in dieser Patientengruppe mit chronischer Aphasie, die unter regulären klinischen Bedingungen an verschiedenen Zentren stattfand und eine nicht behandelte Kontrollgruppe einschloss.

Die Erkenntnisse, veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Lancet“, belegen, was Sprachtherapeuten und Rehabilitationsmediziner aufgrund klinischer Erfahrungen eigentlich schon wussten, wofür bisher allerdings ausreichende wissenschaftliche Belege fehlten. In dieser nun nachgewiesenen Evidenz liege die große Bedeutung des Projektes, heißt es weiter.

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In etwa 85 Prozent der Fälle haben Menschen mit chronischer Aphasie zuvor einen Schlaganfall erlitten, der das „sprachliche Netzwerk“ im Gehirn geschädigt hat. Die Patienten sind sowohl beim Sprechen und Verstehen von Lautsprache als auch beim Lesen und Schreiben beeinträchtigt. Dabei ist die Schwere der Aphasie von Mensch zu Mensch verschieden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Kostenübernahme dank wissenschaftlicher Evidenz?

Obwohl die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie seit über zehn Jahren eine Intensiv-Sprachtherapie als den Königsweg empfiehlt und diese daher Behandlungsalltag sein sollte, übernehmen die deutschen Krankenkassen die Kosten hierfür nicht ohne Weiteres.

Der Grund ist die fehlende wissenschaftliche Evidenz: Es mangelt an Ergebnissen aus multizentrischen, randomisierten und kontrollierten klinischen Studien, die die Wirksamkeit der Therapie hinreichend belegen.

Diese liefert nun ein Projekt unter der Leitung von Privatdozentin Dr. Caterina Breitenstein aus der münsterischen Uniklinik für Allgemeine Neurologie – noch dazu mit einer einmalig großen Stichprobe.

In deutschlandweit 19 ambulanten oder (teil-)stationären Kliniken sowie Rehabilitationszentren nahmen 156 Menschen mit schlaganfallbedingter chronischer Aphasie an der Studie teil – mit Erfolg.

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