Mo., 20.03.2017

Mecklenbecker Firma für Deutschen Hörfilmpreis nominiert „Kopfkino“ made in Mecklenbeck

Marianne Koch und Bernhard Brämswig, Eigentümer der Mecklenbecker Untertitel-Werkstatt, hoffen auf die Auszeichnung der von ihrer Firma erstellten Hörfilm-Fassung des Thrillers „Die vermisste Frau“ mit dem Deutschen Hörfilmpreis.

Marianne Koch und Bernhard Brämswig, Eigentümer der Mecklenbecker Untertitel-Werkstatt, hoffen auf die Auszeichnung der von ihrer Firma erstellten Hörfilm-Fassung des Thrillers „Die vermisste Frau“ mit dem Deutschen Hörfilmpreis. Foto: jans

Münster-MecklenBeck - 

Marianne Koch und Berhard Brämswig haben allen Grund zur Freude: Ihre Firma ist am 21. März mit im Rennen um eine Platzierung beim Deutschen Hörfilmpreis in Berlin.

Von Jan Schneider

„Muss man ein langes Kleid anziehen?“ hat sich Marianne Koch vor der Fahrt nach Berlin gefragt. Vermutlich, denn auf der Einladung zur Verleihung des 15. Deutschen Hörfilmpreises am heutigen Dienstag (21. März), die sie mit ihrem Ehemann Bernhard Brämswig bekommen hat, steht „Dresscode: Abendgarderobe“. Die beiden Mecklenbecker gehören in der Sparte Spielfilm zu den acht für den Titel Nominierten.

Koch und Brämswig reichten für den vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband ausgeschriebenen Preis eine einminütige Vorspann-Sequenz des aktuellen Thrillers „Die vermisste Frau“ (Regie: Horst Johann Sczerba) mit Corinna Harfouch ein. Zu sehen ist die Hauptfigur. Sie schreibt einen Brief. Wiegt einen Revolver in der Hand. Trinkt nachts am Ufer eines Sees Wein. Erinnert sich an den glücklichen Tanz mit einem Mann. Gesprochen wird nicht. Zu hören ist „Stand By Me“ von Ben E. King.

Für jemand, der nicht sehen kann, bleibt nur dieser Klang. Um den folgenden Psychothriller zu verstehen, reicht das aber nicht. „Die ganze Einstiegsszene entscheidet über den Film“, sagt Brämswig. Die Informationen müssen daher akustisch vermittelt werden. Und zwar so, dass es die Musik nicht stört und der weitere Handlungsverlauf nicht verraten wird.

Dies war bei „Die vermisste Frau“ Aufgabe der Firma „Untertitel-Werkstatt Münster“, die Koch und Brämswig an der Untiedheide in Mecklenbeck betreiben. Das 1984 gegründete Unternehmen versah zunächst Filme mit Untertiteln für Hörgeschädigte. Dann wurde die „Audiodeskription“ ins Firmenangebot integriert: Sprecherinnen und Sprecher beschreiben die optischen Details der Filmszenen. „Das ist im wahrsten Sinne des Wortes Kopfkino“, sagt Brämswig.

Erreicht wird es im Auftrag von Filmproduktionsfirmen und TV-Sendern durch Teamarbeit der zwölf fest angestellten und vieler freier Mitarbeiter. Dabei entsteht zunächst ein Skript des künftigen Hörfilms. Nach Abnahme durch die Auftraggeber wird dieser durch Sprecher der Westdeutschen Blindenhörbücherei eingesprochen. Schließlich überprüfen Blinde bei einer Schlussabnahme, ob das in bis zu drei Wochen produzierte Werk tatsächlich funktioniert. Im Kino kommt der Hörfilm-Ton dann aus Kopfhörern, im Fernsehen erklingt er auf einem gesonderten Tonkanal.

Und im Berliner „Kino International“ möchten die Mecklenbecker natürlich heute Abend erfahren, dass sie den Preis für den besten Hör-Kinofilm im deutschsprachigen Raum mit nach Münster nehmen können. „Die Lauschende“ heißt die begehrte Trophäe. Sie wurde vom blinden Künstler Dario Malkowski geschaffen und könnte das „Museums-Regal“ im Firmenflur der Untertitel-Werkstatt zieren.

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