Do., 20.04.2017

Gerichtsurteil Jäger kriegt keinen Schalldämpfer

 

  Foto: Colourbox.de

Münster - 

Weil einem Hobby-Jäger aus Münster der Schussknall seiner Waffe zu laut ist, wollte er einen Schalldämpfer haben. Doch da spielte die Polizei nicht mit. Zu Recht, fand jetzt das Verwaltungsgericht.

Von Dirk Anger

Ein Hobby-Jäger aus Münster wird seinem Jagdvergnügen auch weiterhin ohne Schalldämpfer nachgehen müssen. Das hat das Verwaltungsgericht Münster entschieden. Danach haben Jäger grundsätzlich keinen Anspruch auf Erteilung einer Erlaubnis zum Erwerb und Besitz von Schalldämpfern für ein Jagdgewehr. Auch aus Gründen des Gesundheitsschutzes sei dies nicht nötig, heißt es in dem aktuellen Urteil. Denn der Jäger könne insbesondere auf den Einsatz sogenannter Gehörschützer im Ohr verwiesen werden, die eine vergleichbare Wirkung wie ein Schalldämpfer haben.

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Antrag mit Begründung "Knalltrauma"

Der in Münster wohnende, 1981 geborene Waidmann hatte im August 2015 beim Polizeipräsidium Münster eine Genehmigung für einen Schalldämpfer mit der Begründung beantragt, er habe in der Vergangenheit bereits ein Knalltrauma erlitten und wolle sein Gehör nicht weiter schädigen. Doch dieser Argumentation wollte die Behörde nicht folgen.

Der vom Kläger begehrte Gehörschutz könne auch auf andere Weise erreicht werden, hieß es damals aus dem Polizeipräsidium unter Verweis auf Alternativen wie einen Gehörschutz aus Schaumstoff, einen Kapselgehörschutz oder einen an das Ohr angepassten, speziellen Gehörschutz für Jäger.

Schussknall ist wichtiger Warneffekt

Schalldämpfer dürften nur im Ausnahmefall Verwendung finden, weil dadurch der durch den Schussknall ausgelöste Warneffekt etwa für Spaziergänger im Wald wegfalle.

Außerdem stellt das Gericht in seinem Urteil übergeordnete Gründe heraus, die aus seiner Sicht für eine restriktive Genehmigungspraxis bei Schalldämpfern sprechen: Es erscheine nicht fernliegend, dass die Gefahr einer deliktischen Verwendung von Schalldämpfern steigen könnte, wenn die Genehmigungspraxis gelockert würde. Es sei dann damit zu rechnen, dass potenzielle Täter, die die deliktische Verwendung einer schallgedämpften Waffe planen, in Zukunft gezielt zum Diebstahl von Schalldämpfern ansetzen könnten.

Gericht kommt wiederholt zum gleichen Schluss 

In einem ähnlichen gelagerten Fall kam die erste Kammer des Verwaltungsgericht Münster zum gleichen Schluss. Der Eigentümer und Leiter eines Forstbetriebes im Kreis Borken hatte im Oktober 2014 die Erteilung einer waffenrechtlichen Erlaubnis für einen Schalldämpfer beantragt. Er benötige den Schalldämpfer auch für die Bejagung im europäischen Ausland, beispielsweise in Schweden, wo die Ausübung der Jagd mit Schalldämpfer erlaubt und ausdrücklich erwünscht sei. Die Genehmigung hatte ihm die Kreispolizeibehörde versagt. Mit Recht, wie das Verwaltungsgericht jetzt festgestellt hat.

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