Sa., 29.04.2017

Virtuelle Domglocken Der Dom darf weitertwittern

Ein von Mirko Westermeier geschriebenes Programm twittert seit 2009 als „Paulusdom“.

Ein von Mirko Westermeier geschriebenes Programm twittert seit 2009 als „Paulusdom“. Foto: kal

Münster - 

Der inoffizielle Twitter-Account „Paulusdom Münster“ darf weiter Nachrichten verschicken. Daraufhin haben sich der Account-Inhaber und das Bistum geeinigt.

Von Martin Kalitschke

Die Twitter-Domglocke darf, zumindest vorerst, weiterläuten. Darauf haben sich das Bistum und der Inhaber des Twitter-Accounts „Paulusdom Münster“, Mirko Westermeier, geeinigt.

Profil als "inoffiziell" gekennzeichnet

Ein von ihm geschriebenes Computerprogramm sorgt seit 2009 dafür, dass der Account zu jeder vollen Stunde einen Tweet beim Kurznachrichtendienst Twitter absetzt, der jeden Dom-Glockenschlag in das Wörtchen „Dong“ verwandelt.

Nachdem unsere Zeitung Mitte April darüber berichtet hatte, setzte sich das Bistum mit Westermeier in Verbindung – der reagierte allerdings nach eigenen Angaben erst mit zwei Tagen Verzögerung.

In der Zwischenzeit hatte das Bistum den Account bereits bei Twitter gemeldet. Indem Westermeier der Bitte des Bistums nachkam, sein Paulusdom-Profil ausdrücklich als „inoffiziell“ zu kennzeichnen, war für das Bistum der Fall erledigt.

Unklar ist allerdings, wie nun Twitter reagieren wird – Westermeier hält es nicht für ausgeschlossen, dass der Betreiber der Seite seinen Account sperren könnte. Doch noch habe sich Twitter nicht gemeldet.

Inspiration von den Big-Ben-Glockenschlägen

„Dong“ um 1 Uhr, „Dong Dong“ um 2 Uhr, „Dong Dong Dong“ um 3 Uhr – das Programm, das diese Tweets verschickt, schrieb Westermeier während des Informatik-Studiums. „Eine Übung“ sei das gewesen, sagt er, gerade mal ein paar Minuten habe das gedauert. Inspiriert wurde er vom Twitter-Account, der stündlich die Big-Ben-Glockenschläge in die digitale Welt schickt – und heute fast 484 000 Follower hat. Zum Vergleich: Westermeiers Paulusdom hat nicht mal 200 Fans.

Mehr zum Thema:

„Dong Dong Dong“-Tweets: Bistum will Twitter-Paulusdom stoppen

Dafür twittert sein Programm die Glockenschläge gleich mehrerer Kirchen – darunter der Kölner Dom, die Dresdner Frauenkirche und die Lambertikirche in Münster. Einige Kirchen habe er selbst programmiert, andere Accounts würden von Dritten betrieben, die allerdings seine Software benutzen, erzählt der 35-Jährige, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informatik der Universität Münster arbeitet.

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Ich antworte seriös und würdevoll, so, wie es der Dom vermutlich auch tun würde, wenn er sprechen könnte.

Mirko Westermeier

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Westermeier versichert, dass er nicht wirklich fromm sei, aber auch keine Probleme mit der Kirche habe. Für ihn sei die Twitterglocke einfach „eine schöne Sache“ – oder, wie es unter den Fans des Nachrichtendienstes heißt – „Twitter-Folklore“. Dass eine Internetseite wie Twitter, die doch der Inbegriff der virtuellen Welt sei, dafür sorgt, dass ein Vorgang aus der realen Welt wahrgenommen wird, das findet Westermeier „besonders reizvoll“.

Bis ins Domradio Köln geschafft

Manchmal gehen bei seinem Account auch Anfragen ein. „Da schreibt dann einer: Ich sehe dich gerade“ – und meint damit natürlich den Dom. „Ich antworte dann seriös und würdevoll, so, wie es der Dom vermutlich auch tun würde, wenn er sprechen könnte.“ Auch wenn „Dong Dong Dong“ albern erscheint – dem 35-Jährigen, so versichert er, liege es fern, den Paulusdom durch den Kakao zu ziehen.

In Köln schaffte er es mit seinem Account bis ins Domradio, auch die dortigen Zeitungen berichteten groß. Das Bistum schwieg, was Westermeier als Zustimmung wertet. Nebenbei: Nach den Medienberichten explodierte seine Kölner Follower-Zahl regelrecht.

Sollte Twitter den Paulusdom-Account löschen, dann könnte es allerdings auch für „seine“ anderen Kirchen gefährlich werden. „Wie die Sache ausgeht“, sagt Westermeier, „das liegt nun nicht mehr in unserer Hand.“ Ein Trost: Bislang hat sich Twitter nicht bei ihm gemeldet. Und so hat er ein klein wenig die Hoffnung, dass er womöglich nie etwas von Twitter hören wird. 

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