Do., 13.08.2015

Horbehinderte Kinder Tiere sind gute Zuhörer

Das sind Furkan (5) und Esel Kimmi: Die beiden verstanden sich bei der tiergestützten Sprach- und Hörtherapie am Uniklinikum bestens.

Das sind Furkan (5) und Esel Kimmi: Die beiden verstanden sich bei der tiergestützten Sprach- und Hörtherapie am Uniklinikum bestens. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Die Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie des Uniklinikums Münster setzt auch tierische Helfer ein, um hör- und sprachbehinderten Kindern zu helfen. Am Donnerstag wirkten Esel Kimmi, Huhn Lieschen Schwein Mikka und andere Tiere bei einer Therapiestunde mit.

Von Karin Völker

Furkan schafft mit seinen fünf Jahren souverän, was manchem ausgewachsenen Manager in den Seminaren von Bianca Terhürne misslingt. Kimmi, der Esel, und als solcher normalerweise störrisch und unbestechlich, lässt sich von dem kleinen Furkan willig über die Wiese hinter der HNO-Uniklinik führen. „Gut gemacht“, lobt Furkan seinen neuen, vierbeinigen Freund und tätschelt dessen weiche Schnauze.

Furkan, gehörlos geboren, kann durch ein sogenanntes Cochlea-Implantat nun doch hören – und mittlerweile auch sprechen. Das Zusammensein mit Tieren, wie Esel Kimmi, soll Furkan und anderen, eigentlich gehörlosen Kindern mit dem Implantat beim Sprechen lernen helfen.

Etwas weiter geht Lomana (8) mit einen Schäfchen an der Leine spazieren, die Schwestern Nada (5) und Nahla (3) juchzen, als das Huhn Lieschen mit dem sagenhaft weichen Gefieder ihnen aus der Hand frisst. Auf dem Gartenstück hat Bianca Terhürne am Donnerstagmorgen aus Hamm einen kleinen Zoo herangeschafft. In einem Minigehege vertragen sich das Minischweinchen Mikka, das Huhn Lieschen, Hund Leila mit drei Kaninchen und vier Meerschweinchen. Auf der Wiese grasen Esel und Schaf, zwei weitere Hunde erkunden gerade das Grundstück. Die Kinder, die mit dem Cochlea-Implantat hören und sprechen lernen, kommen regelmäßig zur Therapie in die Uniklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie zu Heilpädagogin Andrea Embacher. Am Donnerstag übernehmen die tierischen Therapeuten von Bianca Terhürne die Regie. „Tiere lösen bei Menschen positive und starke Gefühle aus“, erläutern die Therapeutinnen. Und in solchen Momenten fällt Kindern das Sprechen leichter, auch wenn sie Sprache erst nachträglich wie ein Neugeborenes lernen.

Bianca Terhürne, gelernte Fachkrankenschwester für Psychiatrie, ist zum zweiten Mal mit ihren Tieren zu den hörbehinderten Kindern gekommen. Auf ihrem Hof in Hamm hält sie 77 ausgebildete Therapietiere, die in Kliniken, Altenheimen, aber eben auch bei Managerseminaren im Einsatz sind.

Die Exoten unter ihren Helfern holt Terhürne erst etwas später aus einer handlichen Plastikbox. Die Achat-Schnecken Turbo und Momo kommen prompt aus ihren kapitalen Häusern und strecken den Kindern neugierig die Fühler entgegen. „Iiiih“, machen Nada und Nahla, Kinder einer syrischen Flüchtlingsfamilie, die ihre Implantate erst vor fünf Monaten erhalten haben. Und merken: Schnecken sind überhaupt nicht schleimig.

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