Sa., 22.08.2015

Stammzellen-Projekt soll in München statt Münster etabliert werden Bayerische Millionen für Care

Als Direktor des Max-Planck-Institutes  für molekulare Biomedizin in Münster (Bild) hat sich Prof. Schöler vergeblich darum bemüht, das Forschungszentrum Care mit der Hilfe Düsseldorfer Fördergelder in Münster zu etablieren

Als Direktor des Max-Planck-Institutes  für molekulare Biomedizin in Münster (Bild) hat sich Prof. Schöler vergeblich darum bemüht, das Forschungszentrum Care mit der Hilfe Düsseldorfer Fördergelder in Münster zu etablieren Foto: dpa

Münster/München - 

Münster ist fertig mit den Nervenzellen: Zumindest mit der Stammzellen-Forschung in einem neuentwickelten Forschungszentrum Care. Das soll nun in München entstehen, weil die bayerische Landesregierung die Förderung über 15 Millionen Euro verabschieden will. Das Land NRW hatte frühere Zusage zurückgezogen.

Von Ralf Repöhler

Das Schreiben der bayerischen Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner ( CSU ) an den münsterischen Stammzellenforscher Prof. Dr. Hans Schöler ist voraussichtlich Millionen wert – und auch für Millionen Patienten weltweit könnte es bei der Entwicklung lebenswichtiger Therapien eine Weichenstellung sein. Danach plant das Land Bayern, Fördermittel über 15 Millionen Euro für das von Schöler entwickelte und bislang eng mit Münster verbundene Care-Institut bereitzustellen. Das weltweit beachtete Stammzellen-Forschungsprojekt soll entscheidende Hinweise bei der Bekämpfung schwerwiegender Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer liefern und die Pharma-Forschung revolutionieren.

Der bayerische Landtag soll im September beschließen, dass die Gelder über drei Jahre verteilt ab 2016 aus dem Landeshaushalt fließen. Care soll in München beheimatet werden. Mit der Neuaufstellung des Forschungszentrums sollen sich international tätige Pharma-Unternehmen in der bayerischen Hauptstadt ansiedeln, die dort für Arbeitsplätze und nicht unerhebliche Gewerbesteuerzahlungen sorgen werden.

Schöler bestätigte am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung das Schreiben aus München. „Bayern hat mich mit offenen Armen empfangen und sieht großes Potenzial in dem Projekt. Auch für die Stadt München, wo sich große Firmen in unmittelbarer Nähe von Care ansiedeln werden, die sonst nach Münster gekommen wären.“

Entsprechend verstimmt ist Oberbürgermeister Markus Lewe über die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf. „Hier ist eine große Chance für NRW und leider für Münster vertan worden“, schimpft er. Schließlich hatte sich Schöler als Direktor des Max-Planck-Institutes für molekulare Biomedizin über Jahre und am Ende doch vergeblich darum bemüht, das Forschungszen­trum Care mit der Hilfe Düsseldorfer Fördergelder in Münster zu etablieren.

Bereits auch vom früheren NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) zugesagte und im Haushalt verankerte Landesfördermittel über 15 Millionen Euro sind vor zwei Jahren auf Betreiben von NRW-Forschungsministerin Svenja Schulze (SPD) von der rot-grünen Landesregierung gestrichen worden. Ein Argument war, dass Care keine schwarzen Zahlen nach zehn Jahren in Aussicht stellen könne.

Münsters Landtagsabgeordneter Prof. Dr. Thomas Sternberg (CDU) kritisiert diese Art der Wissenschaftspolitik der in Münster lebenden NRW-Forschungsministerin, „die Forscherfreiheit und Innovation vergisst“. Die NRW-Landesregierung habe den bayerischen Verdienstorden verdient. „Schließlich profitieren Bayern und München von der Forschungsverweigerung in NRW. Das ist todtraurig für unser Land und Münster.“

Schöler (62), der in München zur Schule gegangen ist, wird noch fünf weitere Jahre Direktor am Max-Planck-Institut in Münster bleiben. Er möchte parallel dazu ab Januar 2017 die Herausforderung Care in München annehmen. 

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