Do., 10.09.2015

5. münsterischer Bildungskongress Talente besser erkennen

Diese Kinder nehmen an einem Programm teil, das hilft, ihre Lernfortschritte zu dokumentieren und so ihre Fähigkeiten besser zu erkennen und zu fördern. Prof. Dr. Elmar Souvignier von der Uni Münster hat es entwickelt. 

Diese Kinder nehmen an einem Programm teil, das hilft, ihre Lernfortschritte zu dokumentieren und so ihre Fähigkeiten besser zu erkennen und zu fördern. Prof. Dr. Elmar Souvignier von der Uni Münster hat es entwickelt.  Foto: WWU

Münster - 

Über 800 Wissenschaftler und Lehrer beraten bei einem Bildungskongress in Münster wie Talente und Begabungen bei Kindern besser aufgespürt und gefördert werden können. Dies komme in den Schulen bisher viel zu kurz, sagen die Experten. 

Von Karin Völker

Ungefähr die Hälfte der Genies und aller besonderen Begabungen bleibt im gegenwärtigen deutschen Bildungssystem unerkannt. Das ist die ernüchternde Einschätzung von Erziehungswissenschaftlern. Höchste Zeit also, sich im Unterricht der Förderung von Begabungen und Talenten zuzuwenden, fordert Pisa-Forscher Prof. Dr. Eckhard Klieme aus Frankfurt.

Er eröffnete am Mittwoch den fünften münsterischen Bildungskongress, bei dem knapp 900 Wissenschaftler und Pädagogen das Defizit angehen wollen. „Nachdem es nach der ersten Pisa-Studie vorrangig in Deutschland darum ging, leistungsschwache Kinder stärker zu fördern, stehen mittlerweile Leistungsstärken im Vordergrund der von der Kultusministerkonferenz beschlossenen Förderstrategie an Schulen“, stellte Prof. Christian Fischer von der Universität Münster fest. Er ist Initiator des Kongresses und Leiter des Internationalen Cen­trums für Begabungsforschung an der Universität Münster.

Münsterischer Bildungskongress

Die Mehrzahl der Teilnehmer des Bildungskongresses sind Lehrer, die im Unterricht Kinder besser individuell fördern wollen. Wissenschaftler haben diverse Methoden entwickelt, Potenziale von Kindern zu erkennen und zu fördern (siehe Artikel unten auf dieser Seite). Bei der wachsenden Verschiedenheit der Kinder – auch angesichts der großen Zuwanderung – sehen Forscher darin eine elementare Herausforderung des Bildungssystems.

Wie erkennen Lehrer besondere Talente ihrer Schüler? „Ein Intelligenztest reicht jedenfalls nicht, um außergewöhnliche Leistungspotenziale zu erkennen“, sagt der Mathematik-Didaktiker Prof. Dr. Friedhelm Käppnik von der Uni Münster. Er betreut das von mehreren münsterischen Schulen praktizierte Projekt „Mathe für kleine Asse“ – und betrachtet als Begabungsforscher die ganze Persönlichkeit eines Kindes. Welche Eigenschaften tragen dazu bei, dass eine Begabung zur Entfaltung kommen kann?

Prof. Dr. Claudia Solzacher von der Uni Osnabrück illustriert: „Wenn jemand zwar mathematisch begabt ist, aber gleichzeitig beim Aufgabenlösen schnell ungeduldig wird, steht diese Eigenschaft der Entfaltung des Talents im Wege.“ Begabung, sagen die Wissenschaftler, müsse in der Schule neu verstanden werden: Hochbegabung und Behinderungen oder soziale Benachteiligungen vereinten sich häufig in ein und demselben Kind.

 

(v.l.): Prof. Christian Fischer, Ministerin Svenja Schulze, Oberbürgermeister Markus Lewe, Rektorin Prof. Ursula Nelles und Prof. Eckhard Klieme

Individuelle Förderung von Begabungen – damit seien andere Länder, etwa die Niederlande, längst weiter als Deutschland, sagt Eckhard Klieme. Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, die den Kongress eröffnete, signalisierte, dass das Thema nun in NRW auf der Agenda steht.

Leserkommentare

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

flohmarkt.ms Anzeigen

Schnäppchen und Angebote aus Ihrer Umgebung

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3498654?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F