Mo., 14.09.2015

Front Deutscher Äpfel (FDÄ) Veräppelung mit System

„Veräppelung“empfiehlt die Apfelfront, wie man politische Entwürfe von rechts außen einordnen sollte.

„Veräppelung“empfiehlt die Apfelfront, wie man politische Entwürfe von rechts außen einordnen sollte. Foto: pmg

Münster - 

Statt Hakenkreuz irritiert ein großer Apfel. Ein Akteur schwingt sich auf die Guillotine. Es wird vom „wahren Nationalismus“ getönt. Kunst oder Käse?

Von Pia Gregor

Es ist Mittagszeit. Eine Gruppe junger, finster dreinblickender Anzugträger baut auf dem Geißbergweg, mitten in der samstäglichen Wohlfühlzone eine seltsame Szenerie auf: Die Front Deutscher Äpfel (FDÄ) trägt Armbinden – rot auf schwarz; Nazisymbolik? Ein Aufmarsch in Münster ?

Statt Hakenkreuz irritiert allerdings ein einzelner großer Apfel. Soll das Satire sein? Einer der Akteure schwingt sich auf die Guillotine , und im feinsten 30er-Jahre-Jargon wird vom „wahren Nationalismus“ und „falschem“ oder „richtigem Gedankengut“ getönt. Es ist das postdadaistische Kunstkollektiv FDÄ, das beim Internationalen Performance-Festivals „PPP – Past.Present.Perform“ die Innenstadt aufmischen wollte.

In Ahlen hatte der gleiche Aufmarsch am Freitag für mehr Aufsehen gesorgt. Dort war die Polizei von einem ebenso aufmerksamen wie erschrockenen Autofahrer über den Aufmarsch informiert worden. Darauf rückten die Beamten aus und stoppten die vermeintlichen Neonazis.

In der kunsterfahrenen Stadt Münster scheint der Irritationspotenzial weniger stark zu zünden. Immerhin ein Mann fordert: „Hört denen doch nicht zu! Das sind Neonazis!“ Und an die Gruppe gerichtet: „Wir haben euch nicht bestellt, aber wir bestellen euch ab!“

Spätestens aber als Henry auf der Guillotine dick aufträgt, auf das „faule Südobst“ schimpft und um den Ruf des Boskops trauert, entspannen sich die Gesichter nachhaltig: Charlotte und Kristina, Studentinnen aus Münster bestätigen: „Erst fanden wir die Leute schon sehr unsympathisch. Als wir dann den Apfel gesehen haben, dachten wir erst irgendwie an Konsumkritik, aber spätestens beim Fallobst aus dem Süden war die Sache dann klar.“

Trotzdem hätte die Truppe bei ihnen schon ein mulmiges Gefühl ausgelöst.

Alf Thum (Führerdarsteller der FDÄ), sagt desillusioniert: „Die FDÄ bedient sich bewusst dieser einschlägigen Terminologie und Symbolkraft, um zu demonstrieren, wie schnell und impulsartig diese Bilder mit der NS-Ideologie assoziiert werden.“

Stefan Us (Veranstalter des Festivals): „Gerade dort, wo die Ideologie rigoros abgelehnt wird, findet kaum Auseinandersetzung mehr statt. Auch in der Angst sollte wenigstens ein Dialog stattfinden.“ Tom Rodig (FDÄ) betont: „Souveränität erlangen und nicht wie das Kaninchen vor dem Fuchs vor unserer Satire erzittern, aber reale Gefahren nicht erkennen.“

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