So., 22.11.2015

Picasso-Museum: Wie Markus Müller an Leihgaben kommt Handlungsreisender in Sachen Kunst

Der Leiter des Picasso-Museums,  Markus Müller, vor Skulpturen Giacomettis. Auf dem Kunstmarkt erzielen dessen Werke seit Jahren Höchstpreise.

Der Leiter des Picasso-Museums,  Markus Müller, vor Skulpturen Giacomettis. Auf dem Kunstmarkt erzielen dessen Werke seit Jahren Höchstpreise. Foto: kal

Münster - 

Prof. Dr. Markus Müller hat vielleicht in Münster seine Heimat, ist aber auch in der internationalen Kunstwelt zu Hause. In den bedeutenden Museen und bei den einflussreichen Sammlern geht er ein und aus.

Von Martin Kalitschke

Die teuerste Skulptur aller Zeiten stammt vom Schweizer Künstler Alberto Giacometti. Sein „Zeigender Mann“ wurde vor wenigen Monaten für mehr als 140 Millionen Dollar versteigert. Aktuell zeigt das Picasso-Museum eine Ausstellung mit Werken Giacomettis – darunter nicht weniger als 26 Skulpturen. Auf die Frage, ob deren Wert in die Hunderte Millionen Euro geht, schweigt der Museumsleiter vielsagend.

„Der Wert ist so hoch, dass sie nicht in einem einzigen Lkw angeliefert werden durften“, sagt Prof. Dr. Markus Müller. „Ein ganzer Konvoi“ habe die Werke von der französischen Mittelmeerküste nach Münster gebracht. Im Süden Frankreichs befindet sich das Museum der Fondation Maeght. Sie verfügt über die größte Giacometti-Sammlung der Welt – neben der Fondation Giacometti in Zürich. „Damit sind in Münster zurzeit so viele Giacomettis zu sehen wie nur an einem anderen Ort weltweit“, sagt Müller.

Die Familie Maeght kennt er seit mehr als einem Jahrzehnt. Isabelle Maeght, Enkelin des berühmten Sammlers Aimé Maeght, habe ihn bei seinem letzten Besuch gefragt: „Was möchtest Du haben, Chéri?“ – und dann seine Leihgaben-Wünsche erfüllt. Aktuell sind zum dritten Mal Werke der Fondation in Münster zu sehen. Mit Giacometti erreicht das Museum allerdings seine Grenzen, sagt Müller. „Die hohen Auktionspreise sind natürlich die beste Werbung für eine solche Ausstellung“, sagt er. „Auf der anderen Seite treiben sie die Versicherungsprämien in die Höhe.“

Müller bezeichnet sich als „Handlungsreisender in Sachen Kunst“, zu Besuch bei Museen und Sammlern, um deren Schätze für Ausstellungen nach Münster zu holen. Bei den Maeghts geht er ebenso ein und aus wie bei Phyllis Rubin, Witwe des MoMA-Chefkurators William Rubin. „Wir lernten uns bei einem Empfang in der Fondation Maeght kennen, heute sind wir Freunde“, so Müller. Für eine im Oktober 2016 geplante Matisse-Ausstellung stellte sie Münster mehrere Werke zur Verfügung – und zudem ihren Besuch in Aussicht.

„Besonders stolz“ ist Müller auf einen anderen Coup: Ihm ist es, erneut durch persönliche Beziehungen, gelungen, die Sammlung von Anne Schlumberger nach Münster zu holen, der Nachfahrin einer großen Öl-Dynastie. Werke von Arp bis Picasso präsentiert das Haus an der Königsstraße im kommenden Jahr. „Sie sind aktuell in Marseille eingelagert und waren noch nie in Deutschland zu sehen“, frohlockt der Museumsleiter.

Picasso, Giacometti, Miro und Chagall: Müller stellt klar, dass es bei den Ausstellungen in seinem Haus nicht um „Namedropping“ gehe – sondern darum, zugleich zu unterhalten und zu belehren. Also keine Ausstellungen um des bloßen Effekts und langer Besucherschlangen Willen, sondern qualitätvolle Präsentationen, die dem Anspruch eines Picasso-Museums gerecht werden. Das Kuratorium trage diese Entscheidung mit, betont er.

Nicht immer hat Müller mit seinen Bemühungen Erfolg. So arbeitete er drei Jahre an einer Van-Gogh-Ausstellung, nachdem seinem Haus eine Dauerleihgabe des Niederländers übergeben worden war. Das Van-Gogh-Museum in Amsterdam sagte 27 Leihgaben zu, doch das habe nicht für eine Ausstellung gereicht. „50 bis 60 müssten es schon sein“, sagt Müller. Die zusammen zu bekommen, habe sich als zu aufwendig und zu teuer erwiesen – Müller blies das Projekt daraufhin ab. „Wir hätten uns verhoben.“

Längst gehe es nicht mehr nur darum, große Kunst nach Münster zu holen, sagt der Museumsleiter. Sondern auch, den Namen Münsters und des Picasso-Museums in die Welt zu tragen. In Madrid kuratiert er demnächst eine Chagall-Ausstellung mit Werken aus Münster, ebenso in Turin. Und manchmal hilft er auch, Sammler mit Künstlern zusammen zu bringen. So stellte er einen Kontakt zwischen Phyllis Rubin und den Erben von Jörg Immendorff her.

Netzwerke aufbauen und pflegen, europa-, wenn es sein muss auch weltweit: So gelingt es Müller immer wieder, große Kunst nach Münster zu holen – wie jetzt für die Giacometti-Ausstellung. Das geht nicht, ohne zu reisen, denn: „Dass es auch in der näheren Umgebung eine Matisse-Sammlung gibt, ist mir nicht bekannt.“

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