Di., 09.02.2016

Welcome Dinner in Münster Integratives Blind Date

Trafen sich zum gemeinsamen Welcome Dinner in Münster (v.l.):Gastgeberin Jasmine Ballhausen, Mohammed Saleh, Mohammed Alazma, Kathrin Siemer und Lena Fischer. Mirko Heuping

Trafen sich zum gemeinsamen Welcome Dinner in Münster (v.l.):Gastgeberin Jasmine Ballhausen, Mohammed Saleh, Mohammed Alazma, Kathrin Siemer und Lena Fischer. Mirko Heuping Foto: Mirko Heuping

Münster - 

Das Projekt Welcome Dinner bringt Münsteraner mit Flüchtlingen bei einem Abendessen zusammen. Während Politiker vor allem viel über Integration reden, geht es beim Welcome Dinner um einen praktischen Beitrag zur Annäherung der Geflüchteten an die deutsche Kultur.

Von Mirko Heuping

Genug Kartoffelauflauf für eine ganze Handballmannschaft gart in zwei großen Schalen im Backofen. Der Feldsalat steht bereits zubereitet auf dem gedeckten Küchentisch. Jasmine Ballhausen, Lena Fischer und Kathrin Siemer treffen gerade letzte Vorbereitungen, als es an der Tür der 7er-Studenten-WG klingelt. „Ein bisschen neugierig ist man schon, wer da jetzt kommt“, sagt Ballhausen. „Es ist ein bisschen wie bei einem Blind Date“, pflichtet ihr Fischer bei. Gemeinsam haben sich die Freundinnen als Gastgeber für ein Welcome Dinner angemeldet.

"

Es ist ein bisschen wie bei einem Blind Date.

Lena Fischer

"

Als sie von dem Konzept erfuhr, war Jasmine Ballhausen sofort begeistert. Münsteraner kochen ein Abendessen für Flüchtlinge und laden sie in die eigenen vier Wände ein, um mit ihnen einen gemeinsamen Abend zu verbringen. Gelebte Integration. Also meldete sie sich auf der Website des studentischen Vereins „WelcomeMünster“ an.

Kurz darauf bekam die 25-jährige Studentin drei Termine für ein mögliches Treffen mit zwei Überraschungsgästen zugesandt. Schnell war sie sich mit den unbekannten Gästen einig und die WG-Küche für den Dienstagabend reserviert. Mehr als den Vornamen eines Gastes, die Information, dass dieser noch einen Freund mitbringen wird und eine Handynummer hatte sie nicht.

Der Facebook-Post wird geladen

Hilfe zur Selbsthilfe

Kurz darauf sitzen Mohammed Saleh und Namensvetter Mohammed Alazma am Küchentisch in Ballhauses WG. Die beiden 21-jährigen Syrer erweisen sich als aufgeschlossene Typen. „Ihr dürft uns alles fragen, was ihr wollt. Aber danach sind wir dran“, sagt Mohammed Saleh, der seit einigen Wochen Deutsch lernt. Er hat bereits ein dreijähriges Bleiberecht in Deutschland und wohnt in einer eigenen Wohnung in Mecklenbeck. Sein Begleiter hat das Asylverfahren noch vor sich. Mohammed Alazma ist erst seit fünf Monaten in Deutschland, wohnt in einer Flüchtlingsunterkunft und kann sich nur auf Englisch verständlich machen – das allerdings recht gut.

Fischer, Siemer und Ballhausen hätten sich zur Not auch mit Händen und Füßen mit ihren Gästen unterhalten. Das haben sie zumindest bei der Anmeldung angegeben. Für sie zählt es einfach, zusammen Spaß zu haben. „Dafür ist die Sprache nicht unbedingt wichtig“, sagt Jasmine Ballhausen. Gleichzeitig ist das Welcome Dinner eine Art Hilfe zur Selbsthilfe. „Wenn wir nicht deutsch sprechen, keine Leute kennenlernen, lernen wir auch die Kultur nicht kennen“, begründet Mohammed Saleh seine Motivation, an einem solchen Treffen teilzunehmen.

Tipp

Interessierte Geflüchtete oder Gastgeber können sich über www.welcomedinnerms.jimdo.com für ein Welcome Dinner anmelden

Politische Situation in Syrien

Und auch der Kartoffelauflauf schmeckt ihm. „Deutsches Essen ist perfekt“, sagt er und grinst. Vor dem Nachtisch – Apple Crumble mit Vanilleeis – sind auch die Vorfälle aus der Silvesternacht in Köln ein Thema: „Das was in Köln geschehen ist, ist ein Problem für alle Flüchtlinge. Es war sehr schlimm und verrückt“, sagt Mohammed Alazma. Hinterher sei er an der Tür eines münsterischen Clubs abgewiesen worden, in den er vorher immer hineinkam. Er glaubt, dass die deutschen Medien eine Mitschuld tragen: „Weil es Ausländer waren, war es tagelang in allen Nachrichten. Das passiert aber auch mit Deutschen in Deutschland. Darüber wird nicht so berichtet.“

Über die politische Situation in ihrem Heimatland zu sprechen, fällt den beiden Syrern schwer: „Ihr müsst Folgendes wissen. Die erste Regel in Syrien ist: Sprich nicht über Politik.“ Ein falsches Wort kann direkt ins Gefängnis führen. Dann erzählen sie doch ein wenig über Krieg und das Syrien, in dem sie aufgewachsen sind. Die drei deutschen Frauen hängen gebannt an ihren Lippen, stellen immer wieder Zwischenfragen. Die Zeit vergeht wie im Flug, ehe sich Saleh und Alazma um kurz vor 22 Uhr verabschieden. Allerdings nicht ohne eine Gegeneinladung auszusprechen. „Das gehört sich so“, sagt Mohammend Saleh und bedankt sich nochmals. Die Studentinnen wollen das Angebot auf jeden Fall annehmen.

Infografik zum Thema

Leserkommentare

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3798837?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F