Di., 16.02.2016

Richterspruch zu Aktion im Preußen-Stadion Bengalo-Rauch: Keine Strafe für Ultra-Anführer

 Immer wieder auswärts... So wie hier in Münster wurden bei mehreren Auswärtsspielen des VfL in dieser Saison Bengalos gezündet.

 Immer wieder auswärts... So wie hier in Münster wurden bei mehreren Auswärtsspielen des VfL in dieser Saison Bengalos gezündet. Foto: Mareike Stratmann

Münster - 

Das Verfahren vor dem Landgericht Münster gegen einen Anführer der Osnabrücker Ultra-Szene, der eine massive Bengalo-Aktion im Derby gegen die Preußen in Münster inszeniert hat, ist eingestellt worden. Der Rauch von legal beschafften Bengalos sei nicht als gesundheitsgefährdend einzustufen, und Personen über 18 ist es erlaubt, im Freien diese Signalfackeln abzubrennen.

Von Helmut Etzkorn

Ein 25-jähriger Osnabrücker, der in seiner Heimatstadt die Fußball-Ultraszene maßgeblich prägt und bei einem Derby seiner VfL-Kicker gegen Münster am 1. März 2014 im Preußen-Stadion den massiven Einsatz von Bengalos im Osnabrücker Gästeblock koordinierte, hat nicht gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen.

Das Landgericht Münster stellte am Dienstag ein Berufungsverfahren gegen den Maler ein, weil der Mann selbst keine Bengalos abgebrannt hat und der Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung nicht beweisbar sei. Weil die Mehrzahl der rund 25 gezündeten Signalfackeln legal beschafft waren und es keine Gutachten gebe, die von einer Gesundheitsgefährdung durch die enorme Rauchentwicklung ausgehen, hob das Landgericht ein erstinstanzliches Urteil des Amtsgerichtes auf, in dem der Osnabrücker zu einer Geldstrafe verurteilt worden war.

Der Richter wies auch auf eine Gesetzeslücke hin: In Deutschland ist es nicht strafbar, wenn jemand über 18 außerhalb geschlossener Räume im Freien die sonst in der Seenot- und Bergrettung üblichen Fackeln abbrenne. Das auch in Münster geltende Pyrotechnik-Verbot im Stadion spielte zumindest in diesem Gerichtsverfahren keine Rolle.

Beim Spiel im Preußen-Stadion gab der Angeklagte die Anweisungen zum koordinierten Abbrennen der Bengalos kurz vor dem Anpfiff, der Rauch zog dann in den Gästeblock. Ein Gutachter der Bundesanstalt für Materialforschung hielt zwar kurzfristige Augenreizungen durch den Rauch für möglich, allerdings gebe es keinerlei Studien zu langfristigen Gesundheitsschäden.

Der Angeklagte beteuerte, er habe weder jemanden verletzen noch in seiner Gesundheit gefährden wollen. Schon gar nicht die eigenen Fans, weil er ja selbst „VfL-Anhänger mit Leidenschaft“ sei. In der Tat gab es bei der Aktion auch keine Verletzen zu beklagen.

Im Gerichtssaal wurden schließlich noch Polizei-Videos von der Aktion in der Osnabrücker Fankurve gezeigt. Für den Experten von der Bundesanstalt war die Mehrzahl der abgefackelten Bengalos zweifelsfrei legal beschafft worden. Im Internet seien allerdings auch illegale fackeln mühelos beschaffbar.

In seiner Heimatstadt läuft noch eine weitere Anklage wegen Körperverletzung gegen den Osnabrücker. Er soll dort an einer Randale im Stadion im Dezember 2014 beteiligt gewesen sein.

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