Di., 23.02.2016

Katholische Hochschule Neue Heirat verhindert Karriere

An der KatHo an der Piusallee studieren rund 1100 junge Leute – die meisten von ihnen Sozialpädagogik.

An der KatHo an der Piusallee studieren rund 1100 junge Leute – die meisten von ihnen Sozialpädagogik. Foto: kv

Münster - 

Das reformierte Dienstrecht in der katholischen Kirche sieht vor, dass wiederverheiratete Geschiedene nicht mehr die Kündigung fürchten müssen. Beim Professor, der für das Rektorenamt an der Katholischen Hochschule kandidieren wollte, intervenierten die Bistümer aber.

Von Karin Völker

Die Amtszeit von Prof. Peter Berker als Rektor der Katholischen Hochschule NRW (KatHO) ist eigentlich abgelaufen. Jetzt bleibt der Münsteraner, als Chef der Hochschule mit vier Standorten in Münster, Köln, Aachen und Paderborn noch kommissarisch im Amt. Der von den Gremien der Hochschule auserkorene Kandidat, der am 18. Januar gewählt werden sollte, hat inzwischen seine Bewerbung zurückgezogen. Vier von fünf Bistümern, darunter auch Münster, hatten zuvor als Träger der KatHO ihr Veto gegen den Kandidaten eingelegt.

Der Grund: Der Mann ist geschieden und standesamtlich wieder neu verheiratet – was nach dem seit Oktober geltenden neuen Dienstrecht in der Kirche kein Problem mehr darstellen sollte.

Veto überrascht Hochschule

So sahen es die Gremien der KatHO, die den Kandidaten aufs Schild hoben. Im Herbst waren sie vom Vertreter des Bistums Münster und Vorsitzenden des Verwaltungsrates der KatHO, Hans-Bernd Köppen, über das neue Dienstrecht informiert worden. Wiederheirat nach Scheidung oder Homosexualität sind danach kein Kündigungsgrund mehr.

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Wie viel Pharisäertum wollen wir uns eigentlich noch in der Kirche leisten?

Prof. Peter Berker, Rektor der Katholischen Hochschule

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Peter Berker ärgert es vor allem, dass sich die Bistümer mit ihrem Veto in die Entscheidungen der Hochschulgremien eingemischt hätten. „Wir waren sehr überrascht von der Entscheidung“, sagt Berker. Der Kandidat sei im Vertrauen auf die Gültigkeit des neuen Dienstrechts aufgestellt worden. „Wie viel Pharisäertum wollen wir uns eigentlich noch in der Kirche leisten?“ Zu dieser im Kölner Stadtanzeiger zitierten Einschätzung steht Berker weiterhin, wie er auf Anfrage unserer Zeitung versicherte.

Hans-Bernd Köppen versucht unterdessen, die Wogen zu glätten. Es hält der Entscheidung der Bistümer Köln, Münster, Paderborn und Aachen zugute, dass das Rektorenamt ja kein normales Dienstverhältnis, „sondern ein herausgehobenes Wahlamt“ auf Zeit darstelle. Er räumt ein, dass die Kirche bei der Reform des Dienstrechts nicht jedes in der Praxis vorkommende Detail vorausgedacht habe. „Es gibt dringenden Klärungsbedarf“, sagt Köppen. Das zeige ja schon die Tatsache, dass der Fall vom Bistum Essen anders beurteilt worden sei.

Neue Wahl mit unbedenklichem Kandidaten

Der Professor, der kandidierte, bekomme ja in seinem Dienstverhältnis als Lehrender an der Hochschule keine Schwierigkeiten, erläutert Köppen. Lediglich für seine Rolle als Repräsentant habe die Mehrheit der Bischöfe Bedenken geäußert.

Am 18. März ist nun erneut bei der KatHo die Rektorenwahl angesetzt – mit einem neuen Kandidaten. Bei ihm, so heißt es, bestehen aus Sicht des Dienstrechts keinerlei Bedenken.

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