Di., 23.02.2016

Förderprojekt für Jungen Boxen und Raufen erwünscht

Jungen boxen gern. Der Sportunterricht soll ihren speziellen Bedürfnissen mehr entsprechen, meinen Sportwissenschaftler der Universität. Am Dienstag hatten 180 Jungen aus zehn münsterischen Schulen Gelegenheit, an der Uni Sport zu treiben.

Jungen boxen gern. Der Sportunterricht soll ihren speziellen Bedürfnissen mehr entsprechen, meinen Sportwissenschaftler der Universität. Am Dienstag hatten 180 Jungen aus zehn münsterischen Schulen Gelegenheit, an der Uni Sport zu treiben. Foto: Ahlke

Münster - 

Gegen die Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem will ein neues Projekt in Münster angehen – mit Sport.

Von Karin Völker

Die Statistik lässt für Prof. Dr. Nils Neuber keine Zweifel zu. „Das Bildungssystem in Deutschland ist strukturell problematisch für Jungen“, stellt der Professor für Sportwissenschaft fest. Einige Daten: 25 Prozent weniger Jungen als Mädchen erhalten eine Gymnasialempfehlung nach der Grundschule, unter den Abiturienten eines Jahrgangs in NRW sind nur 45,1 Prozent Jungen, bei den Hauptschulabsolventen stellen sie hingegen 58,1 Prozent. Unter den 15-jährigen Schülern liegen Jungen laut Pisa-Studie durchschnittlich bei der Lesekompetenz ein Schuljahr zurück.

Die Folge für Neuber, der am Institut für Sportwissenschaft der Universität Münster hauptsächlich angehende Lehrer ausbildet: „In der Schule muss sich etwas ändern, damit Jungen besser zum Lernen motiviert werden.“

Sport ist dafür ein gutes Mittel. Immerhin sagen 75 Prozent der Jungen, es sei ihr Lieblingsfach in der Schule. Der Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung und geistiger Beweglichkeit stehe ohnehin außer Frage.

Das Projekt, das am Dienstag in den Uni-Sporthallen abgeschlossen wurde, ist ein Anstoß, Jungen in der Schule erfolgreicher zu fördern. Unterstützt durch eine 10 000-Euro-Förderung der Universitätsgesellschaft, haben Neuber und seine Mitarbeiter in den vergangenen Monaten in 14 Klassen an zehn Schulen Münsters für einen anderen Sportunterricht der Jungen gesorgt. Das Projekt richtete sich bewusst nicht an Gymnasien, Teilnehmer waren Gesamt-, Real-, Haupt- und Förderschulen. Studentische Mitarbeiter des Instituts gestalteten den Sportunterricht mit den Jungen – und ernteten große Begeisterung, wie Student Wilko Pruin erzählt. „Die Jungen fanden es auch toll, dass sie von Männern unterrichtet wurden.“

So jedenfalls war es in der siebten Klasse der Erich-Klausener-Schule, wo Klassen- und Sportlehrerin Sarah Bovet den Sportstudenten „ihre“ Jungen überließ. Diese ließen die Jungen auch mal von hohen Leitern springen, bei Spielen ringen und raufen, Trendsportarten ausprobieren – wie etwa Bouncer-Ball, wo der Ball mit einem Schläger, ähnlich einem überdimensionalen Wattestäbchen, geschlagen wird. Oder Crossfit, eine Variante des Krafttrainings, wo an Ringen geturnt und Taue hochgeklettert wird. Bei dem Sportunterricht extra für Jungen ließen sich die Jugendlichen sogar überreden, einen Tanz einzuüben, erzählt Pruin. All das stand am Mittwoch beim Abschluss auf dem Programm – sogar eine eigens von den Sportstudenten ersonnene „Männer-Olympiade“. 

Leserkommentare

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

karriere.ms Anzeigen

Ihr Jobportal für unbefristete und befristete Stellenangebote aus dem Münsterland

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3826852?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F