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Di., 18.10.2016

Prozess am Landgericht Im Drogenrausch: Gescheiterter Überfall auf Kiosk

 

  Foto: dpa

Münster - 

Am Dienstag musste sich ein 41-jähriger Münsteraner für den Überfall auf einen Kiosk im vergangenen April vor Gericht verantworten.

Von Manuel Leidinger

Methadon-Therapie, Therapie nach Paragraf 64, Oxazepam. Am Landgericht wird mit Fachvokabular um sich geworfen. Der Angeklagte ist ein Junkie, der Richter kennt sich aus. Die Zuschauer haben Schwierigkeiten mitzukommen.

Vor dem 9. Strafsenat muss sich am Dienstag ein 41-jähriger Münsteraner verantworten, dem versuchte räuberische Erpressung sowie Diebstahl in mehreren Fällen vorgeworfen wird.

Er soll am 8. April 2016 eine Verkäuferin in einem Kiosk im Hansaviertel mit einer abgebrochenen Glasflasche bedroht und sie aufgefordert haben, das Geld aus der Kasse herauszugeben. Vergeblich, denn Geld hat er keins bekommen.

Wie eine Endlosschleife

Die Liste der weiteren Anklagepunkte ist umfangreich. Der Täter versuchte, in der Stadt Laptops zu stehlen, Parfums oder Kosmetika – nichts klappte davon.

Noch viel umfangreicher allerdings wird die Lebensgeschichte des Angeklagten ausgebreitet. Mit dem Grundschulalter fängt es an. Spätestens ab dem 16. Lebensjahr gleicht der Lebenswandel des Deutsch-Türken, das Kind von Gastarbeitern, einer Odyssee von einem Entzug zum nächsten.

Drogenkonsum, Entzug, Rückfall, Straffälligkeit, Gefängnisaufenthalt. Es wirkt wie eine Endlosschleife.

Unterbrechung der Verhandlung

„Was heißt das? Wie ging es Ihnen dabei?“, forsch befragt der vorsitzende Richter den Angeklagten zu jeder einzelnen Lebensphase. Dieser antwortet folgsam. Sein Gesicht und seine Statur sind ausgemergelt. Er ist von seiner Sucht gezeichnet. Unter den wenigen Zuschauern wird es bereits unruhig, als der Richter endlich mit den einzelnen Strafvorwürfen gegen den Beschuldigten fortfährt. Der Angeklagte versichert, sich an entscheidende Begebenheiten wegen eines Drogenrauschs nicht mehr erinnern zu können. Der Vorsitzende Richter bohrt unermüdlich nach. Keine Chance! Einziges Beweismittel sind die Bilder einer Überwachungskamera vom Tatort.

„Wie soll es denn nun eigentlich mit Ihnen weitergehen. Alle Therapien sind bisher bei Ihnen gescheitert“, entfährt es dem Vorsitzenden Richter.

Die Verhandlung wird unterbrochen. Sie soll am 26. Oktober fortgesetzt werden. Dann sind auch Zeugen, darunter die überfallene Kiosk-Angestellte, geladen.

„Mein Mandant hat sich bisher noch nicht aufgegeben“, sagt seine Verteidigerin mit fester Stimme.

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