Mi., 11.01.2017

Serie: Highspeed in Münster Knochen aus dem Drucker

Juri Boos zeigt einen 8000 Jahre alten Kiefer aus Münster – alles nur gedruckt.

Juri Boos zeigt einen 8000 Jahre alten Kiefer aus Münster – alles nur gedruckt. Foto: Günter Benning

Münster - 

Sie drucken 8000 Jahre alte Kiefer nach. Und komplizierte Werkteile für die Industrie. Urbanmaker sind Spezialisten für den 3D-Druck.

Von Günter Benning

Der Kiefer ist 8000 Jahre alt. „Münsters ältester Knochen“, sagt Juri Boos. Er hat kleine Krater, Unebenheiten und ist so ungleichmäßig wie es organische Gebilde eben sind. Aber dieser Knochen kommt aus dem Drucker. Dreidimensional drucken ist die Spezialität der Firma Urbanmaker am Nevinghoff.

Die Diplom-Ingenieure Boos und Max Tönnemann hatten sich schon seit sechs Jahren mit 3D-Druck beschäftigt. Vor eineinhalb Jahren gründeten sie Urbanmaker. Mit im Boot ist der Münsterische Kaufmann Dr. Ansgar Buschmann. Im Buschmann-Laden am Nevinghoff haben sie nun ihren Showraum.

Wie funktioniert 3D-Druck?

Einfach gesagt, wird beim 3D-Druck eine Schicht über die andere gedruckt. So entstehen fast beliebige Formen. Scharniere, Vasen, Greifarme. „Wir drucken Einzelstücke, die es auf dem Markt nicht mehr gibt, oder ganze Kleinserien“, sagt Max Tönnemann.

Neun Drucker arbeiten im Allerheiligsten von Urbanmaker, zu dem Fremde keinen Zutritt haben. „Betriebsgeheimnis“, sagt Juri Boos. Gedruckt wird mit Kunststoff, aber auch mit Metall und Keramik. An einem Forschungsinstitut wurde jetzt auch Glas eingesetzt. Die Entwicklung ist in vollem Gang.

Mehr aus der Serie "High Speed"

Vernetzen und fördern: Ein Hub für die digitale Welt

Gegenüber der Spritzgusstechnik, bei der für neue Elemente neue Gussformen hergestellt werden muss, arbeitet der 3D-Druck schnell. Gerade holt ein Student ein Bauteil ab, das er im Rahmen seiner Diplomarbeit in einer münsterischen Firma entwickelt. Innerhalb eines Tages können Änderungen durchgeführt werden.

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Alles ist digital, wir brauchen keine Lagerhaltung mehr.

Juri Boos, Diplom-Ingenieure und Mitgründer von Urbanmaker

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Der Kiefer aus Münster war übrigens nicht nur ein Schmankerl. Für eine Patara-Ausstellung in München hat Urbanmaker historische Gegenstände nachgedruckt, die in der Türkei eingescannt wurden. Der Vorteil: „Die Leute können sie wirklich in die Hand nehmen. Es lässt sich immer wieder reproduzieren.“

In Münster fehlte den Jungunternehmern zunächst die geeignete Infrastruktur. „Wir mussten uns unser Netzwerk komplett alleine aufbauen“, sagt Juri Boos, „und meine Mutter in Schöppingen hat schnellere Datenleitungen als die Münsteraner.“ Wie viele Digitalunternehmen arbeitet auch Urbanmaker mit freien Mitarbeitern. Die sitzen in Berlin und in Schweden.

Zum Thema

In der Serie „High Speed“ stellen wir Unternehmen aus Münsters Digital-Branche vor. Anregungen an guenter.benning@zeitungsgruppe.ms

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