Fr., 03.02.2017

Serie: High Speed Unmögliches drucken – die Firma Rittmeyer baut 3D-Drucker

Walter (l.) und Hannes Rittmeyer neben ihrem neuen 3D-Drucker.

Walter (l.) und Hannes Rittmeyer neben ihrem neuen 3D-Drucker. Foto: bn

Münster - 

Die Firma Rittmeyer ist ein klassisches kleines Maschinenbau-Unternehmen. Mit ihrem 3D-Drucker mischt sie jetzt in einem Zukunftsbereich der digitalen Wirtschaft mit.

Von Günter Benning

Eigentlich staunt man ja zu wenig. Zum Beispiel über die grüne Vase, die Steffen Schwarz da in der Hand hält. Ihre Außenhaut scheint aus geschwungenen Schuppen zu bestehen. „Wie will man so etwas machen?“, fragt der Entwickler. Und er gibt gleich die Antwort: „Das kann man nur drucken.“

Schwarz hat den „beri-boy“ der Firma Feintechnik R. Rittmeyer vom Höltenweg entwickelt. Einen 3D-Drucker, made in Münster. Er druckt auch scheinbar Unmögliches.

30 Mitarbeiter, 50 Jahre alt – wer bei Rittmeyers durch den Nebeneingang eintritt, streift Biertische und Bänke, die mit Spezialhaltern an der Wand befestigt sind. „Für die Grillfeste im Sommer“, sagt ein 37-Jähriger mit Baseball-Käppi und Turnschuhen, der aus dem ersten Büro tritt. Hannes Rittmeyer ist hier der Chef in der dritten Generation. „Und der erste Ingenieur in der Familie“, sagt er, „Toningenieur.“

Egal ob Kattenvenne oder Hongkong

Sein Vater Walter (65) hatte Altorientalistik studiert, Krimis geschrieben und war Schäfer, als ihn sein Vater zurück ins Familienunternehmen holte. „Wahrscheinlich bin ich der am schlechtesten Ausgebildete im Betrieb“, scherzt der Senior, dessen Schwester Renate Rittmeyer-Müller ebenfalls in der Geschäftsführung ist.

Steffen Schwarz mit einer Vase, die in einem Zug gedruckt wurde. Eine solche Form lässt sich auf andere Weise nicht herstellen.

Steffen Schwarz mit einer Vase, die in einem Zug gedruckt wurde. Eine solche Form lässt sich auf andere Weise nicht herstellen. Foto: Günter Benning

Die Rittmeyers gehören zu jenen mittelständischen Unternehmen, die das Innovationswunder Deutschland ausmachen. Sie bauen Maschinen, um Kabel zu isolieren, Sondergeräte für die Medizin oder Ultraschallschweißgeräte, so genannte Sonotroden.

Digital sind sie schon lange. „Die meisten Maschinen haben heute Internet-Anschluss“, sagt Hannes Rittmeyer, „dann können wir weltweit neue Programme aufladen.“ Egal ob das Gerät in Kattenvenne oder in Hongkong läuft.

Doch der 3D-Drucker war schon ein besonderes Projekt. „Zuerst haben wir einen Drucker gekauft“, sagt Juniorchef Hannes Rittmeyer, „weil wir das Gefühl hatten, da tut sich etwas Wichtiges.“

Eine neue Ära

Dann haben sich die Ingenieure hingesetzt und einen eigenen 3D-Drucker entwickelt. Zum Teil mit Konstruktionshinweisen, die es auf offenen Foren im Internet gibt. Zum Teil aus der Erfahrung heraus, die man bei der Herstellung hochpräziser Apparate gewonnen hat. „Präzise arbeiten“, sagt Walter Rittmeyer, „das spielt sich im Bereich von Hundertstel Millimetern ab.“

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Eine Besonderheit – Rittmeyer hat eine Partnerschaft: „3D Kompetenz Münster“. Zusammen mit den 3D-Produzenten von Urbanmaker und der Firma Systec vom Nottulner Landweg. Auch Systec hat 3D-Drucker für den industriellen Einsatz entwickelt.

Für Walter Rittmeyer beginnt mit dem 3D-Druck eine neue Ära. „Wir wissen noch zu wenig, was man damit eigentlich machen kann“, sagt er. Sein Plan: Eine Maschine zu bauen, deren Teile komplett aus dem Drucker kommen.

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