Sa., 25.02.2017

Plagiate in der Wissenschaft Uni Münster: Acht Doktortitel sind aberkannt

Plagiat Symbolbild dpa

Foto: dpa

Münster - 

Die medizinische Fakultät der Universität hat acht ihrer Absolventen die Doktortitel aberkannt. Eine Untersuchungskommission stellte fest, dass sie massiv in ihren Dissertationen gepfuscht hatten. Auch ein Professor wurde für seine Nachlässigkeit bestraft.

Von Karin Völker

Es war eine Serie schlechter Nachrichten, die vor knapp drei Jahren auf die medizinische Fakultät der Universität einprasselte. Auf der von Wissenschaftlern betriebenen Internet-Plattform „vroniplag.wiki“, die Dissertationen auf wissenschaftliche Korrektheit überprüft, wurden in schneller Folge 23 an der medizinischen Fakultät verfasste Doktorarbeiten als Plagiate verdächtigt.

Untersuchungen sind beendet: Die Konsequenzen

Jetzt meldet die Universität den Abschluss der Untersuchungen und die Konsequenzen: Acht Doktortitel wurden aberkannt, in 14 Fällen Rügen gegen die Verfasser ausgesprochen. Ein Plagiats-Verdächtigter war bereits verstorben, bevor das Thema publik wurde.

„Die von der medizinischen Fakultät eingesetzte Untersuchungskommission hat alle Verdachtsfälle zügig untersucht, der Fachbereichsrat der Fakultät hat konsequent entschieden“, erklärt Uni-Rektor Prof. Johannes Wessels. In der Untersuchungskommission, die seit 2014 zwölfmal tagte, wirkten auch auswärtige Experten mit.

Auch ein Doktorvater muss nun Konsequenzen tragen

Nicht nur die Verfasser der Arbeiten in denen gepfuscht wurde, wurden bestraft. Auch ein Professor, Doktorvater in zwei der Plagiats-Arbeiten, muss nun Konsequenzen mangelnder Sorgfalt bei der Betreuung seiner Promovenden tragen. Das Rektorat der Universität rügte schweres wissenschaftliches Fehlverhalten des Professors. Der Beamte auf Lebenszeit darf nun kein Personal und keine Sachmittel mehr bei seiner Arbeit in Anspruch nehmen, die über die Grundausstattung seiner Stelle hinausgehen. Der betreffende Professor darf außerdem nie mehr wieder Doktoranden betreuen. Das Rektorat habe mit diesen Maßnahmen „bewusst ein Signal setzen wollen“, so der Uni-Sprecher.

Fünf der Mediziner haben vor dem Verwaltungsgericht geklagt

Die Fakultät werde nun Aufsichtsbehörden wie etwa Ärztekammern informieren, um überprüfen zu lassen, ob die entzogenen Titel nun unberechtigt geführt würden, sagt Robers, schränkt aber ein: „Wir sind keine Detektive.“ Fünf der Mediziner, die ihren Titel abgeben sollen, hätten vor dem Verwaltungsgericht geklagt, eine Entscheidung stehe aus.

Unirektor Prof. Johannes Wessels begrüßt die Entscheidungen der medizinischen Fakultät auch, „weil es im Interesse der Wissenschaft insgesamt und der großen Mehrheit der ehrlichen Promovierenden ist, die die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis befolgen“. An der WWU promovieren jährlich rund 800 Wissenschaftler. An der medizinischen Fakultät müssen alle Doktoranden jetzt ihre Arbeit auch in digitaler, durch eine Software prüfbarer Form abgeben. Die Fachbereiche seien nicht verpflichtet, Plagiats-Verdachtsfälle bei der Uni-Leitung anzuzeigen, so Norbert Robers.

Weitere Verdachtsfälle

Inzwischen ist laut „Vroniplag.wiki“ die philosophische Fakultät der WWU von zwei Plagiatverdachtsfällen betroffen. Die Verfasserinnen der Doktorarbeiten in den Fächern Soziologie und Psychologie sollen jeweils rund ein Drittel ihrer Dissertationen abgeschrieben haben.

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