So., 19.03.2017

Rivalitäten zwischen Schulen Die Schulfehde

Das Paulinum ist bei Schülern anderer Gymnasien in Münster mitunter nicht so beliebt. Die Animositäten treten traditionell an den letzten Schultagen der Abiturienten, – hier ein Bild vom Schulhof des Paulinums –, zutage.

Das Paulinum ist bei Schülern anderer Gymnasien in Münster mitunter nicht so beliebt. Die Animositäten treten traditionell an den letzten Schultagen der Abiturienten, – hier ein Bild vom Schulhof des Paulinums –, zutage. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Es gibt sie, die Animositäten zwischen münsterischen Gymnasien. Die Pauliner, so bestätigen beispielsweise Schüler anderer Innenstadt-Gymnasien, etwa dem Annette- und dem Hittorf-Gymnasium sowie der Marienschule, seien dort mitunter nicht so beliebt.

Von Anna Spliethoff, Karin Völker

Die grell-grünen Aufkleber pappen an etlichen Stellen in der Innenstadt. Die unfreundliche Botschaft, die hier aus Rücksicht auf den guten Geschmack nicht zitiert wird, wendet sich gegen die Schüler des ältestens Gymnasiums der Stadt. Die Pauliner, so bestätigen Schüler anderer Innenstadt-Gymnasien, etwa dem Annette- und dem Hittorf-Gymnasium sowie der Marienschule, seien dort mitunter nicht so beliebt.

Animositäten unter Pennälern sind so alt wie das Abitur, aber so schlimm wie vor einem Jahr in Köln ist es zum Glück selten. Dort gab es während der „Mottowoche“, der letzten Schulwoche der Abiturienten, handfeste Randale unter den Gymnasiasten, Steine und Flaschen flogen, es gab Schwerverletzte.

„Sie sind ein bisschen arrogant“

Eine Erinnerung, die unter erwachsenen Beobachtern angesichts der unfreundlichen Aufkleber ein ähnliches Szenario fürchten ließ. Moritz Piepel vom Vorstand der Bezirksschülervertretung und selbst Schüler des Hittorf-Gymnasiums, ist die Situation „hinlänglich bekannt“, wie er betont. „Einerseits würden die Schüler des Paulinums von Teilen der Schüler anderer Schulen als arrogant dargestellt, andererseits pflegten Teile der Schüler des Paulinums diesen Ruf auch oder kokettieren mit diesem“, schreibt die Bezirksschülervertretung.

Die Fehde zwischen den Schulen ist nicht nur unter den Oberstufenschülern bekannt. Zwei Achtklässerinnen am Annette-Gymnasium wissen, dass es nicht gerade freundschaftliche Beziehungen zum Paulinum gibt. „Man weiß gar nicht richtig, warum oder wie das begonnen hat“, sagt eines der Mädchen. Eine Neuntklässlerin des Annette sagt über die Pauliner: „Sie sind ein bisschen arrogant.“

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Wir raten unseren Schülern, ihre Selbstdarstellung nicht zu offensiv zu inszenieren.

Dr. Gerd Grave, Schulleiter des Paulinums

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Dr. Gerd Grave, Schulleiter des Paulinums, kennt solche Animositäten gegenüber seinen Schülern und ahnt, woran sich solche Zuschreibungen festmachen: Es komme bei Schülern anderer Gymnasien nicht immer gut an, wenn Abiturienten des Paulinums mit ihren traditionellen Schul-Mützen und -Flaggen zum Treffen sämtlicher münsterischer Abiturienten am letzten Schultag auf den Domplatz zögen. Euphorisiert von Abigag und teilweise auch Alkohol herrscht dort eine eher deftige Stimmung. „Wir raten unseren Schülern, ihre Selbstdarstellung nicht zu offensiv zu inszenieren“, sagt Grave, der aber kein bisschen fürchtet, dass es zu ernsthaften Auseinandersetzungen kommen könnte. Er kennt als ehemaliger stellvertretender Schulleiter des Annette-Gymnasiums auch die Gegenseite.

„Alles bloß Spaß“

Genauso wie umgekehrt: Anette Kettelhoit, Chefin des Annette-Gymnasiums, war früher am Paulinum Lehrerin. „Wenn die Schulzeit zu Ende geht, wächst vielleicht die Verlockung, sich stark mit seiner Gruppe, also der Schule, zu identifizieren“, sagt sie. Für die Aufkleber findet Kettelhoit aber keine Entschuldigung. „Unser Hausmeister hat den Auftrag, sie sofort zu entfernen, wenn sie irgendwo auf unserem Schulgelände auftauchen“, sagt Kettelhoit, die selbst den Eindruck hat, die Animositäten zwischen Paulinern und anderen Gymnasiasten hätten mit den Jahren eher nachgelassen. „Es gibt ja viele Kooperationen zwischen den Schulen, die Jugendlichen kennen sich untereinander.

Ein Zehntklässler des Paulinums grinst, auf die Schul-Rivalität angesprochen: „Ach, das ist doch alles bloß Spaß“, sagt er. Die verunglimpfenden Aufkleber sind für den „Hittorfer“ Moritz Piepel „eher im Sinne eines milden, gewissermaßen natürlichen, auch etwas ironisch gemeinten Konkurrenzgedankens zu verstehen“. Insofern seien Ausschreitungen nicht zu befürchten.

Die Mottowoche kann also kommen. Anfang April ist es soweit.

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