Fr., 07.04.2017

Standort-Suche Die Preußen-Münster-Stadion-Lotterie: Eins aus 24?

Standortvorschläge für ein mögliches Stadion: ehemaliges Industrie-Gelände am Stadthafen 2 (u.), Steinfurter Straße (l.), Hessenweg.

Standortvorschläge für ein mögliches Stadion: ehemaliges Industrie-Gelände am Stadthafen 2 (u.), Steinfurter Straße (l.), Hessenweg.

Münster - 

In Münster wird nach einem Standort für ein neues Stadion gesucht. Die Vorschläge liegen jetzt auf dem Tisch – einige sind bekannt, andere nicht.

Von Dirk Anger

Die Stadion-Lotterie kommt auf Touren: 24 Standorte im Stadtgebiet hat das Planungsamt jüngst unter die Lupe genommen, ob sie für den Neubau einer modernen, 40.000 Zuschauer fassenden Fußballarena überhaupt infrage kommen. Davon bieten sich nach Einschätzung der Experten allenfalls zwölf Standorte in Münster für eine vertiefende Prüfung auf ihre Stadion-Tauglichkeit hin an. Das geht aus der Potenzialanalyse hervor, die unserer Zeitung vorliegt. Fast alle Flächen befinden sich im Außenbereich. Einzig das Areal am Stadthafen 2 (zwischen Jovel und Kanal) liegt vergleichsweise zentral.

Bekannte Vorschläge weiter im Rennen

Als weitere mögliche Standorte für eine Detail-Prüfung werden die in der Vergangenheit schon einmal gehandelten Flächen an der Steinfurter Straße/Wasserweg, Schifffahrter Damm/Hessenweg sowie Albachten/Osthofstraße genannt. Zusammen mit einem Areal nördlich von Sprakel zwischen Autobahn und B 219 sind dies dem Vernehmen nach auch Favoriten beim SC Preußen. Der neue Vorstand hatte im vergangenen Herbst Knall auf Fall die Abkehr von der Hammer Straße erklärt.

SCP muss filtern

In den kommenden Wochen wartet auf die SCP-Verantwortlichen viel Arbeit. Denn aus den verbliebenen zwölf Vorschlägen sollen die Preußen maximal drei herausfiltern: Diese könnten dann vonseiten der Stadt mit externer Unterstützung genauer untersucht werden, so das Angebot aus dem städtischen Planungsdezernat. Tätig werden kann die Verwaltung aber nur, wenn ein entsprechender Ratsbeschluss ihr den Auftrag gibt. Dieser soll am 12. Juli getroffen werden.

Kommentar

Rechnung mit Unbekannten

Dass 2022 in Münster ein neues Fußball-Stadion steht, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Denn die grundsätzlich in Betracht kommenden und über das Stadtgebiet verteilten Standorte bergen allerlei Konfliktpotenzial – auch wenn die Flächen allein gemessen an der Größe passend scheinen. Doch im Eiltempo wird die Umsetzung der ehrgeizigen Stadion-Pläne kaum funktionieren. So ist beispielsweise das Areal an der Steinfurter Straße schon als neues Wohngebiet in den Blick geraten. Die Fläche am Stadthafen 2, der übrigens für ein Stadion zugeschüttet werden müsste, dürfte für Unternehmen interessant sein. Will heißen: Vielerorts könnten schon aufwendige Abwägungsprozesse das Verfahren verzögern, ganz zu schweigen von Grundstücksverhandlungen und pikanten Finanzierungsfragen. In diesem Spannungsfeld bleibt die Suche nach einem Standort für eine geplante 40 000-Zuschauer-Arena eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Deshalb wird das Stadion Hammer Straße noch lange gebraucht.  Dirk Anger

Weitere Standort-Vorschläge

Als weitere Standort-Vorschläge benennt die Analyse folgende Bereiche: Warendorfer Straße/Lützowstraße, B51/ Kappenberger Damm, Kappenberger Damm/Getterbach, A 1/Mühlenfeld, A 1/Weseler Straße sowie zwei Fläche im Bereich der Autobahnanschlussstelle Hiltrup am Kappenberger Damm und am Hansa-Business-Park. Die Preußen hatten für ein Stadion eine Grundstücksgröße von 15 bis 20 Hektar gefordert. Von vornherein außen vor bei der Suche waren die von der Stadt zu Wohnzwecken reservierten Kasernen-Grundstücke in Gremmendorf und Gievenbeck.

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Neubau steht vor hohen Hürden

Selbst wenn sich bei der eingehenderen Prüfung ein Standort für eine neue Fußballarena in Münster herauskristallisieren sollte, steht das Neubau-Projekt vor hohen Hürden: Bei einigen Flächen müsste gleich mit mehreren Eigentümern über den Grundstückserwerb verhandelt werden. Denn nur bei wenigen der in Betracht kommenden Orte verfügt die Stadt alleine über das Grundstück wie am Stadthafen 2 oder am Hessenweg.

Chronologie

Preußen-Stadion-Debatte seit 27 Jahren

Die Kostenfrage

Besonders heikel dürfte es mit Blick auf die Finanzen werden: Die Infrastrukturkosten – dazu gehört die verkehrstechnische Anbindung – beziffert die Stadt mit circa 20 Millionen Euro. Diese Kostenermittlung könne aber „nur sehr grob“ vorgenommen werden. Darauf wies Planungsdezernent Robin Denstorff nach Informationen unserer Zeitung in der jüngsten Sitzung des interfraktionellen Arbeitskreises Stadion hin. Die Kosten würden standortabhängig variieren. Noch nicht eingerechnet ist die Summe, die die Stadt braucht, müsste sie das Grundstück von privat kaufen. Die Preußen sind an einem Erbbaurechtsvertrag interessiert. In einem ähnlichen Fall habe der Erbbauzins 50 000 Euro in der zweiten und 100 000 in der ersten Liga betragen, heißt es aus dem SCP-Lager. Das Stadion selbst will man komplett durch private Investoren finanzieren. Eine Betreibergesellschaft soll es an den SCP vermieten, so das Modell.  

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