Fr., 21.04.2017

Spezialstation für essgestörte Jugendliche besteht seit fünf Jahren Weg aus Magersucht ist lang

Das Team der Spezialambulanz für Essgestörte am Universitätsklinikum Münster um Prof. Georg Romer (vorn)

Das Team der Spezialambulanz für Essgestörte am Universitätsklinikum Münster um Prof. Georg Romer (vorn) Foto: UKM/Manfred Thomas

Münster - 

Seit fünf Jahren besteht nun die Spezialstation für Essgestörte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Münster. Die Arbeit des Teams ist sehr komplex.

„Ich habe gelernt, dass nicht nur Leistung, Disziplin, Sport und immer weiter abnehmen zufrieden machen. Stattdessen ist es der Spaß an der Schule und mit Freunden – und vor allem, Kraft für diese Dinge zu haben.“ Dieses Fazit zieht Chiara (Name geändert) nach ihrem Aufenthalt auf der Spezialstation für Essgestörte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Münster (UKM).

Chiara sei eine „typische“ magersüchtige Patientin, heißt es in einer Pressemitteilung des UKM: Sie stamme aus einem wohlbehütenden Elternhaus und könne sich nur schlecht ohne Schuldgefühle gegen ihre Eltern abgrenzen. „Die Magersucht (Anorexia nervosa) ist ein typisches Krankheitsbild in Familien mit gutem Bildungsniveau“, sagt Prof. Georg Romer, Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. „In vielen Fällen liegen schulischer Perfektionismus in Verbindung mit einer konfliktvermeidenden Eltern-Kind-Beziehung zu Grunde. Den betroffenen Familien ist das in ihrem Streben nach äußerer Harmonie aber nicht bewusst.“

Bis zu einer vollständigen Überwindung der Essstörung einschließlich dauerhaft stabiler Normalgewichtigkeit sind oftmals lange Behandlungsverläufe nötig. Multimodale Behandlungs­konzepte mit Erfahrungsexpertise sind dabei ebenso wichtig wie ein jugendgerechtes therapeutisches Milieu unter Gleichaltrigen, um die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben auf dem Weg zum jungen Erwachsenen zu unterstützen.

Mit einem multifamiliären Ansatz unterstützen Romer und sein Team in den Monaten nach der Behandlung junge magersüchtige Patienten und ihre Familien dabei, im Kampf gegen die Magersucht stark zu bleiben. Auch die Bewegungs- und Kunsttherapien sind Teil des multimodalen Konzepts und setzen vor allem beim gestörten Körperbild der Patienten an.

Für Chiara war die Spezialstation der Ausweg aus der Krankheit, denn sie – und auch ihre Eltern – haben dort gelernt, dass sie als junge Frau für sich selbst stehen kann.

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Spezialstation veranstaltet die Klinik ein Fortbildungssymposium für zuweisende Ärzte und Psychologen. Es findet statt am Mittwoch (26. April) von 14 bis 18.15 Uhr im Hörsaal Dekanat, Domagkstraße 3. Anmeldung unter ✆ 02 51/83 5 66 08.

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