Mo., 24.04.2017

March for Science Der Wissenschaft verpflichtet: „Keine Alternative zu Fakten“

 Bürger demonstrierten beim "MarchforScience" dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse - und nicht Meinungen und "alternative Fakten" - die Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses bilden.

Bürger demonstrierten beim "MarchforScience" dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse - und nicht Meinungen und "alternative Fakten" - die Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses bilden. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

„Gehorche keinem!“ Unter diesem Motto gingen am Samstag etliche Münsteraner auf die Straße, um für die Freiheit der Wissenschaft geballt Flagge zu zeigen.

Von Maria Meik

Nerea machte mit ihrem Plakat eine klare Ansage: „Es gibt keine Alternative zu Fakten!“ Mit ihren Eltern Anke und Markus Beck sowie Brüderchen Frederick mischte sie am Samstag mit beim „ March for Science“. Ihre Mutter ist Physikerin und hob hervor, dass „Wissenschaft keine politische Bewegung ist. Es ist der Versuch, die Welt zu verstehen“. Auch Jürgen Löns zog es zum Domplatz. Der 77-Jährige war früher als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Mineralogie tätig. „Es gehört sich gerade für Ruheständler, hier dabei zu sein. Die Wissenschaft hat uns doch ernährt.“

Münsteraner wissen um den Wert von Wissenschaft. Dass es sich lohnt, für die Freiheit der Wissenschaft geballt Flagge zu zeigen. Beim „March for Science“ – zu dem der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) aufgerufen hatte – , bezogen nach Schätzung der Polizei etwa 500 Demonstranten klare Position. Weltweit gingen am 22. April Menschen auf die Straße, um dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind. Tatsachen, an denen es nichts zu rütteln gibt. Diese können nicht relativiert werden. Als Wissens-Hochburg hielt Münster nicht hinterm Berg und zeigte einen klaren Standpunkt. „Science first“ oder „Wissenschaft ist keine Meinung“ war auf Schildern zu lesen.

Fotostrecke: Marsch für Freiheit der Wissenschaft durch die Innenstadt

Vor dem RP-Gebäude am Domplatz versammelten sich die Demonstranten, darunter Professoren und Rektoren, Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter, die auf einer Bühne einen debattierenden Schlagabtausch verfolgten, der die Frage in den Fokus rückte, ob Studierende dem Motto folgten sollten: „ Gehorche keinem!“ Moderiert wurde der Nachmittag von Carsten Peters.

Zuvor begrüßte Bürgermeisterin Karin Reismann die Menge und freute sich über die Bereitschaft, Flagge zu zeigen in Zeiten von Falschnachrichten. „Münster ist die Stadt der Lebensart und Wissenschaft. Die Stadt schätzt es sehr, von der Wissenschaft geprägt zu sein“, sagte Reismann am „Tag der Mutter Erde“.

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„Gehorche keinem.“

Uni-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels dankte dem AStA für die Organisation des Marsches, der seinen Abschluss am Schlossplatz fand. Er betonte, dass Wissenschaft international sei und keinen Halt vor Ländergrenzen mache. Jeder habe ein Recht auf eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten. Wessels: „Dies ist nicht nur ein Marsch für die Wissenschaft, sondern für Werte. Eine Diskussion, die in die Gesellschaft gehört.“

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Dies ist nicht nur ein Marsch für die Wissenschaft, sondern für Werte. Eine Diskussion, die in die Gesellschaft gehört.

Uni-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels

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Zurück zum Motto „Gehorche keinem.“ Die frühere Uni-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles machte auf den vermeintlichen Fehler aufmerksam: „Das heißt gehorche niemandem.“ Bei dem Schlagabtausch zwischen Opposition – diesen Part meisterten Nelles und Prof. Dr. Janbernd Oebbecke – und Regierung wurden die Argumente der beiden Seiten auf den Punkt gebracht. Regierungsredner waren die Studierenden Christoph Saß, Meister und Sieger der deutschsprachigen Debattierliga, sowie Felicitas Strauch, die in ihrer Redekunst Gehorsam und eine stromlinienförmige Lehre in Zweifel stellten. Letztlich überzeugte in einer Abstimmung per Handzeichen die Opposition – die Stimme der Vernunft.

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