Fr., 19.05.2017

Smartphone-Sucht Welche Auswirkungen hat es, wenn wir alle paar Minuten aufs Handy starren?

Es ist längst ein Zwang bei vielen jungen Leuten, alle paar Minuten auf dem Smartphone oder Tablet nach neuen Nachrichten zu schauen.

Es ist längst ein Zwang bei vielen jungen Leuten, alle paar Minuten auf dem Smartphone oder Tablet nach neuen Nachrichten zu schauen. Foto: colourbox.com

Münster - 

Alle 18 Minuten starren viele Handy-Nutzer aufs Smartphone. Über den digitalen Burnout und Strategien, der Smartphone-Sucht beizukommen, sprach Informatik-Professor Alexander Markowetz beim Sucht-Aktionstag der Universität Münster.

Von Karin Höller

Welche Auswirkungen hat es, wenn wir alle paar Minuten aufs Handy starren, den ganzen Tag über Infos abfragen und Nachrichten in WhatsApp, Facebook & Co. beantworten? „Das Smartphone macht auf Dauer abhängig, unproduktiv und unglücklich.“

Auf diese kurze Formel bringt es beim universitären Aktionstag zum Thema Sucht kein Technikfeind, sondern ein Informatiker mit Weitblick und Forscher an der Universität Bonn. Die Studienergebnisse von Professor Alexander Markowetz haben bundesweit bereits für Furore gesorgt und als sein Vortrag beginnt, wird es an den Infoständen im Foyer des Schlosses schlagartig leer. Anhand vieler Beispiele und mit einer gesunden Portion Humor erklärt der Professor für Informatik, der vor zwei Jahren mit Hilfe einer App die Handynutzung von 60 000 Personen untersucht hatte, den fatalen Weg in den „digitalen Burnout“.

Digitale Flut

Das Hauptproblem: Die unbegrenzte Flut von zum größten Teil unwichtigen Informationen kann nicht mehr sinnvoll verarbeitet werden. Markowetz spricht von einer Inflation sinnloser Kommunikation. Und: Die ständige Unterbrechung der realen Tätigkeit „verursacht Dauerstress, weil man nicht mehr abschalten kann“. Dabei bliebe effektives Arbeiten auf der Strecke.

Fotostrecke: Wie nutzen Sie Ihr Smartphone?

Zudem lasse die permanente Organisation sozialer Kontakte über die sozialen Medien die Menschen auch in der Freizeit nicht mehr zur Ruhe kommen. Die zunehmende Smartphone-Nutzung wirke sich auf alle Lebensbereiche aus. Suchtpotenzial sieht Markowetz, wenn der Griff zum Handy – laut Studie im Schnitt alle 18 Minuten – zur Gewohnheit wird.

Nachrichten werden auch nachts verschickt und Antworten erwartet

Gibt es Wege, um dem Teufelskreis zu entfliehen? Mit rationalen Argumenten sei der Sucht kaum beizukommen, meint der Informatiker. Dem Problem der extremen Zerstückelung des Alltags, in dem es keine wirklichen Pausen mehr gibt, sei nur mit einer digitalen Diät zu begegnen. Das heißt: der Versuchung widerstehen, das Handy auslassen, auch aus dem Schlafzimmer verbannen. Und weil jeder noch so Standhafte rückfällig wird, sobald er mit anderen Gleichgesinnten Kontakt pflegt, sei dringend eine Kommunikations-Etikette in der digitalen Welt vonnöten. „In den 80er Jahren belästigte man niemand mit Telefonaten zwischen 13 und 15 Uhr.“ Heute indes werden Nachrichten nachts verschickt und prompte Antworten erwartet.

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