Kritik an Wandmalerei
Bunte Fassade der Hafenkäserei erregt die Gemüter

Münster -

Der Bund Deutscher Architekten hat die Wandmalereien an der Hafenkäserei scharf kritisiert. Käserei-Chefin Ann-Paulin Söbbeke versteht das nicht, für sie sind die bunten Bilder „schöne Kunst“.

Dienstag, 23.05.2017, 20:05 Uhr

Die bunten Bilder an der Fassade der Hafenkäserei erregen die Gemüter. Der Bund Deutscher Architekten bezeichnet sie als „Verhunzung“, doch viele Leser unserer Zeitung finden sie gar nicht so schlecht.
Die bunten Bilder an der Fassade der Hafenkäserei erregen die Gemüter. Der Bund Deutscher Architekten bezeichnet sie als „Verhunzung“, doch viele Leser unserer Zeitung finden sie gar nicht so schlecht. Foto: Oliver Werner

Warum der Bund Deutscher Architekten so scharfe Geschütze gegen die Wandmalereien an ihrer Hafenkäserei aufgefahren hat, kann Ann-Paulin Söbbeke nicht verstehen. „Sicher, über Geschmack kann man streiten – für mich ist das Kunst, schöne Kunst“, verteidigt die Käserei-Chefin die bunten Bilder an der Fassade. Dass die nun nicht mehr grau ist, hat übrigens einen einfachen Grund: „Wir wollten was gegen den Vandalismus machen.“ Immer wieder sei die Fassade in den vergangenen Monaten beschmiert und mit Parolen versehen worden – damit soll nun, nach der Bemalung, Schluss sein.

„Make cheese not war“

Um die Sprayer zu stoppen, hatte Ann-Paulin Söbbeke zwei befreundete Sprayer mit der Wandmalerei beauftragt, Robert Matzke und Ben Gertz. „Sie legten mir eine Skizze vor, und ich fand das gut.“ Vorgabe sei lediglich gewesen, dass auf der Wand Käsestücke erscheinen – und der Spruch „Make cheese not war“.

„Stadtbild-Beschädigung“, „absurde Verhunzung“, „vollkommener Käse“, „Verschandelung“ – so deutlich wie selten zuvor hatte der BDA am Montag zu einem Projekt in Münster Stellung bezogen (wir berichteten darüber). Ann-Paulin Söbbeke vermag das nicht nachvollziehen, sie will um „ihre“ Malerei kämpfen und hofft, dass sie nicht wieder entfernt werden muss. Denn das letzte Wort über die Zukunft der Bilder wird nicht sie, sondern die Stadtverwaltung haben.

Reaktionen auf die Fassade der Hafenkäserei

1/5
  • Carolin Scho: „Auf dem Bild sieht man viel Käse, aber auch maritime Elemente. Diese Mischung gefällt mir. Sie passt gut zum Hafen.“

    Foto: Lisa Uekötter
  • Kathrin Müller: „Mir ist das Bild erst gar nicht aufgefallen. Es ist so filigran gemalt, dass einzelne Elemente von der anderen Seite nicht erkennbar sind.“

    Foto: Lisa Uekötter
  • Lars Röwemeier: „Im Gegensatz zu anderen finde ich das Bild nicht schlimm. Es peppt die graue Betonfassade auf. Die Farben sind schön bunt.“

    Foto: Lisa Uekötter
  • Janet Jung: „Das Bild ist kein Eye-Catcher, weil es nicht markant genug ist. Der Schriftzug ,Hafenkäserei‘ fällt viel eher ins Auge als das eigentliche Bild.“

    Foto: Lisa Uekötter
  • Jörg Hartmann: „Ich habe das Bild von der gegenüberliegenden Seite aus angeschaut. Es ist handwerklich gut gemacht und lockert das Hafenbild auf.“

    Foto: Oliver Werner

Behörden prüfen Bemalung

Andreas Lohaus vom Bauordnungsamt kündigte am Dienstag an, dass seine Behörde überprüfen werde, ob es sich bei den bunten Bildern einfach nur um bunte Bilder – oder um Werbung handelt. Sind sie Werbung, dann stelle sich die Frage, ob sie „in Umfang und Ausgestaltung“ den Werbeanlagen-Vorgaben im Bebauungsplan entsprechen. Ist das nicht der Fall, dann müssen die bunten Bilder womöglich wieder entfernt werden. Lohaus rechnet mit einer Entscheidung innerhalb der kommenden zwei Wochen.

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Architekten besorgt

Besonders beunruhigt den BDA, dass die Fassadenbilder von Besuchern der Skulptur-Projekte (Ayse Erkmens Steg befindet sich direkt vor der Hafenkäserei) als „provinziell“ wahrgenommen werden könnten.

Ann-Paulin Söbbeke hat diese Befürchtung nicht, ganz im Gegenteil: „Wir überlegen sogar, extra für die Skulptur-Projekte einen eigenen Käse zu machen. Man muss dieses Großereignis ja unterstützten“, sagt die selbstbewusste Jungunternehmerin.

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