Fr., 26.05.2017

Einstweilige Verfügung Hafenkäserei: Die bunten Bilder müssen weg

Der Beton soll wieder zu sehen sein, die bunten Bilder an der Hafenkäserei müssen deshalb entfernt werden.

Der Beton soll wieder zu sehen sein, die bunten Bilder an der Hafenkäserei müssen deshalb entfernt werden. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Die knalligen Fassaden-Bilder an der Hafenkäserei müssen weg – das sagt nun auch ein Gericht. Und was macht Jungunternehmerin Ann-Paulin Söbbeke?

Von Dirk Anger

Die heiß diskutierte Fassadenmalerei an der Hafenkäserei muss entfernt werden. „Rechtlich gesehen haben wir keine Chance“, sagt Ann-Paulin Söbbeke, die mit ihrer Schaukäserei seit Kurzem im Stadthafen vor Anker gegangen ist. Schon am Montag soll damit begonnen werden, die bunten Bilder auf dem gräulichen Beton wieder zu entfernen. „Mir gefällt es nach wie vor“, sagt Söbbeke mit Blick auf die lustigen Tierchen, die zwei Künstler auf die Außenwand gebracht haben.

Doch all das hilft nichts: „Wir haben eine einstweilige Verfügung sowie die Aufforderung zur Entfernung erhalten“, bestätigt die Jungunternehmerin am Freitag offiziell. „Dieser werden wir, in Anbetracht des hohen Ordnungsgeldes beziehungsweise einer Ordnungshaft bei Zuwiderhandeln, Folge leisten müssen.“

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Architekturbüro verweist auf Urheberrecht

Zu einer juristischen Auseinandersetzung will sich das münsterische Architekturbüro Hartig/Meyer/Wömpner, das das Gebäude am Stadthafen entworfen hat, nicht konkret äußern. Auf Anfrage unserer Zeitung verweist Ralf Wömpner auf das den Architekten zustehende Urheberrecht– so wie es auch bei Regisseuren und Fotografen der Fall sei. Und die Planungen hätten an dieser Stelle nun mal von Anfang an Sichtbeton vorgesehen, stellt Wömpner fest.

Damit habe man den Bauherrn auch nicht überfahren. „Herr Söbbeke war im Preisgericht“, so Wömpner unter Verweis auf den Unternehmer Paul Söbbeke aus Gronau-Epe. Der hat die neue Käserei am Hafen bauen lassen, in der seine Tochter Ann-Paulin jetzt Bio-Käse produziert.

Rege Diskussionen im Netz angestoßen

Der Streit um die Fassadenbemalung hatte in den vergangenen Tagen für rege Diskussionen gesorgt. Auch in den sozialen Netzwerken wurde kontrovers diskutiert. Der Bund Deutscher Architekten ( BDA) hatte die Debatte mit seiner ungewohnt scharfen Kritik an der Fassadenmalerei („Verhunzung einer ambitionierten Architektur“) ausgelöst. Dadurch war der BDA seinerseits in die Kritik geraten. „Die Intensität und Wortwahl des BDA sind eine absolute Unverschämtheit, eine kritische Auseinandersetzung mit der Fassadengestaltung ist selbstverständlich erwünscht, aber hier ist der BDA weit über das Ziel hinausgeschossen“, erklärt etwa der Vorsitzende des Planungsausschusses Jörn Möltgen am Freitag in einer Stellungnahme. Inzwischen gibt es im Internet sogar eine private Online-Petition, die eigens den Oberbürgermeister auffordert, sich für den Erhalt der Fassadenbemalung starkzumachen.

Pro und Contra

Pro: Bunt ohne Grund

Dies vorweg: Die Graffiti, geschaffen von jungen, talentierten Sprayern, verschandeln die Hafenkäserei nicht. Sie verhunzen sie auch nicht. Und sie sind erst recht nicht Käse. Keine Frage: Mit dieser Wortwahl hat der Bund Deutscher Architekten ein Eigentor geschossen – bei so mancher Bausünde der Vergangenheit hätte man sich solch starke Worte von dieser Standesvertretung gewünscht. Das ursprüngliche, durchaus nachvollziehbare Anliegen der Architekten trat da in den Hintergrund: kritisch zu hinterfragen, ob Fassaden – gerade an prominenten, städtebaulich relevanten Stellen – bunte Bemalungen wie im Hafen aushalten. Und bei dieser Frage geht es eben nicht nur um schön oder nicht schön, gefällt mir oder gefällt mir nicht. Es geht auch darum, was ein buntes Bild aus einem vom Architekten ganz bewusst in zeitgemäßer Beton-Schlichtheit geplanten Gebäude macht. Weder Rathaus noch Landesmuseum, weder Stubengasse noch Arkaden sind bunt bemalt – aus gutem Grund. Was für diese Gebäude gilt, sollte auch für quartierprägende Gebäude wie die Käserei gelten. Martin Kalitschke

Contra: Nicht nach Schema F

Vorweg gesagt: Alles ist immer nur Geschmacksache. Auch die Malerei an der Fassade der Hafen-Käserei. Die bunten Bilder erregen die Gemüter, dabei hebt sich gerade diese Malerei im Hafen von einigen Glaskästen ab, die in den vergangenen Jahrzehnten dort gebaut wurden. Die Gebäude am Hafen sollen für das moderne Münster stehen, gleichen aber durchaus einer Anordnung stereotyper Nutzbauten. Aber wie gesagt, es ist halt alles Geschmacksache – auch die Architektur. Dabei hat auch der münsterische Hafen eine lebendige Vergangenheit mit viel Milieu erlebt. Heute ist hier von Multikulti leider kaum noch etwas zu spüren, alles wird dem Mainstream angepasst. Für Kreativität – wenn sie nicht ins Schema passt – bleibt kein Platz. Münster muss aufpassen, dass es nicht auch am Hafen einem Schickimicki-Image verfällt, das der Stadt gerne nachgesagt wird. Ein buntes Bild an der Fassade der Käserei trägt zum Lebensgefühl in dieser lebenswerten Stadt bei, die vielleicht über eine gewisse Spießigkeit, verbunden mit überflüssigem Regulierungswahn nachdenken sollte. Gabriele Hillmoth

Jungunternehmerin Söbbeke bleibt optimistisch

Jungunternehmerin Söbbeke blickt schon nach vorne: „Vielleicht ist der Vorfall die Gelegenheit, unter anderem einen Dialog zwischen verschiedenen Kreativen, anstelle eines Gegeneinanders ein gleichberechtigtes Nebeneinander zu finden.“ Trotz der Schererei nimmt die Hafenkäserei-Geschäftsführerin die Sache sportlich: Werbetechnisch habe es sich gelohnt. „Jetzt kennt uns jeder.“

Sorge bereitet ihr lediglich die Vorstellung, dass nach dem Abwaschen der Fassade Sprayer wieder unerlaubt ihre Graffiti dort hinterlassen – davor schützte die aktuelle Wandbemalung bislang.

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