Einstweilige Verfügung
Hafenkäserei: Graffiti ist wieder verschwunden

Münster -

(Aktualisiert) Die bunten Bilder an der Hafenkäserei sind am Montagmorgen übermalt worden. Die Architekten des Gebäudes hatten zuvor eine einstweilige Verfügung gegen die Bilder erwirkt.

Montag, 29.05.2017, 10:05 Uhr

Das bunte Graffiti an der Fassade der Hafenkäserei ist am Montag übermalt worden.
Das bunte Graffiti an der Fassade der Hafenkäserei ist am Montag übermalt worden. Foto: Martin Kalitschke

Montagmorgen, 9 Uhr. Es herrscht bereits drückende Wärme, als sich der Maler ans Werk macht: Strich für Strich übermalt er die bunten Bilder an der Fassade der Hafenkäserei. Gut zwei Stunden, dann ist sie wieder so, wie sie vor ein paar Wochen war: grau.

Um die Ecke, im Schatten, sitzen Bauherr Paul Söbbeke, seine Tochter Ann-Paulin, die die Hafenkäserei betreibt, und die Architekten Arno Meyer und Jochen Hartig vom Büro Hartig/Meyer/Wömpner zusammen. Sie haben das Gebäude entworfen – und in der vergangenen Woche vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die Graffiti erwirkt.

„Es stand eine nicht unerhebliche Summe im Raum“, sagt Söbbeke, ohne ins Detail zu gehen. „Die galt es abzuwehren.“ Also setzte er die einstweilige Verfügung, die Bilder wieder von der Fassade zu entfernen, so schnell wie möglich um. Die Verletzung des Urheberrechts, die die Architekten geltend gemacht hatten, hat sich damit bis zum Mittag in Luft aufgelöst.

„Einvernehmlich“ sei die Einigung gewesen, betont Söbbeke. Zum Knatsch der vergangenen Tage – der Bund Deutscher Architekten (BDA) war seinem Mitgliedsbüro Hartig/Meyer/Wömpner mit einer scharfen Kritik an den Graffiti zur Seite gesprungen – will er sich nicht äußern. Auch die Architekten wiegeln ab: „Wir wollen nun nach vorne schauen“, sagt Meyer.

Immerhin: Die Entfernung der bunten Bilder sei nicht das letzte Wort, beteuern beide Seiten. „Wir wollen gemeinsam überlegen, was man stattdessen Spannendes machen kann“, sagt Söbbeke. Schließlich sei es Sinn der Bemalung gewesen, Schmierereien – wie es sie bereits wiederholt gegeben hatte – zu verhindern.

Von der Runde fällt der Blick auf die andere Hafenseite. „Alles wird gut“, hat dort jemand an die Kaimauer gesprüht. Ann-Paulin Söbbeke, Betreiberin der Käserei, scheint das an diesem Morgen nicht zu glauben, sie ist still, wirkt enttäuscht. „Es ist schade, dass die Bilder jetzt weg sind“, sagt sie.

 

Reaktionen auf die Fassade der Hafenkäserei

1/5
  • Carolin Scho: „Auf dem Bild sieht man viel Käse, aber auch maritime Elemente. Diese Mischung gefällt mir. Sie passt gut zum Hafen.“

    Foto: Lisa Uekötter
  • Kathrin Müller: „Mir ist das Bild erst gar nicht aufgefallen. Es ist so filigran gemalt, dass einzelne Elemente von der anderen Seite nicht erkennbar sind.“

    Foto: Lisa Uekötter
  • Lars Röwemeier: „Im Gegensatz zu anderen finde ich das Bild nicht schlimm. Es peppt die graue Betonfassade auf. Die Farben sind schön bunt.“

    Foto: Lisa Uekötter
  • Janet Jung: „Das Bild ist kein Eye-Catcher, weil es nicht markant genug ist. Der Schriftzug ,Hafenkäserei‘ fällt viel eher ins Auge als das eigentliche Bild.“

    Foto: Lisa Uekötter
  • Jörg Hartmann: „Ich habe das Bild von der gegenüberliegenden Seite aus angeschaut. Es ist handwerklich gut gemacht und lockert das Hafenbild auf.“

    Foto: Oliver Werner

 

Mehr zum Thema

Einstweilige Verfügung:   Die bunten Bilder müssen weg  [26.05.2017]

Kunst oder Katastrophe?:  Heftige Kritik an Hafenkäserei-Fassade  [22.05.2017]

...

Der Bund Deutscher Architekten hatte scharfe Kritik an den bunten Bildern geübt. Die große Mehrheit unserer Leser sprach sich allerdings auf der Facebook-Seite unserer Zeitung für das bunte Graffiti aus.

Der Facebook-Post wird geladen
Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4887539?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Rund 400 000 Send-Besucher
Das Feuerwerk am Freitagabend war auch in diesem Jahr der größte Publikumsmagnet auf dem neuntägigen Frühjahrssend.
Nachrichten-Ticker