Mi., 07.06.2017

Skulptur-Projekte 2017 Zielgruppe Senioren: Tattoo-Studio wird zum Kunstwerk

Der amerikanische Künstler Michael Smith (l.) ist mit seinem Skulptur-Projekt „Not Quite Under_Ground Tattoo Studio“ in das Studio „Tätowiersucht“ am Hansaring gezogen. Im Hintergrund (schwarzes T-Shirt) ist Studio-Mitinhaber Sascha Achilles zu sehen.

Der amerikanische Künstler Michael Smith (l.) ist mit seinem Skulptur-Projekt „Not Quite Under_Ground Tattoo Studio“ in das Studio „Tätowiersucht“ am Hansaring gezogen. Im Hintergrund (schwarzes T-Shirt) ist Studio-Mitinhaber Sascha Achilles zu sehen. Foto: kal

Münster - 

Der amerikanische Künstler Michael Smith hat ein Tätowierstudio am Hansaring in ein Kunstwerk der Skulptur-Projekte verwandelt. Vor allem Senioren sollen hier Tattoos angeboten werden.

Von Martin Kalitschke

Ob Tattoos Kunst sind, darüber lässt sich trefflich streiten. Eigentlich. Im Studio „Tätowiersucht“ am Hansaring ist der Fall hingegen klar: Sie sind Kunst! Zumindest in den kommenden 100 Tagen, denn da wird das Studio zum Kunstwerk.

Genauer: zum Skulptur-Projekt  „Not Quite Under_Ground Tattoo Studio“ des amerikanischen Künstlers Michael Smith. Seit mehr als 35 Jahren widmet sich Smith in seinen Performances Aspekten der amerikanischen Kunst- und Kulturwelt. In Münster ist nun der seit Jahren unübersehbare Trend zum Tattoo dran – wobei Smith eine außergewöhnliche Zielgruppe im Visier hat: Menschen über 65 Jahre.

Das Tattoo-Studio am Hansaring

Das Tattoo-Studio am Hansaring Foto: Kalitschke

Senioren mit Tattoos?

Smith darf das, er ist schließlich bereits selber über 65. Aber glaubt er wirklich daran, dass sich Senioren in seinem Tattoo-Studio Motive in die Haut stechen lassen? Also Menschen, die die Zeit der Coolness lange hinter sich haben und eher skeptisch auf modische Trends schauen?

„Ich bin ganz sicher, dass hier auch ältere Leute hinkommen werden und sich tätowieren lassen“, sagt Michael Smith, der in dieser Woche zum fünften Mal in Münster ist, um den Fortschritt der Projektinstallation in Augenschein zu nehmen. Ein guter Freund von ihm habe sich erst kürzlich eines stechen lassen – und der sei so alt wie er.

Fotostrecke: Wissenswertes über die Skulptur-Projekte 2017

Nebenbei: Hat er auch eins? „Nein“, sagt Smith und lächelt. Wird sich das bis zum Ende der Skulptur-Projekte ändern? Smith zögert mit der Antwort, lächelt wieder, sagt dann: „Ich kann mich nur schwer entscheiden. Kann sein, dass es passiert.“ Kann aber auch nicht sein, orakelt Smith, während Kameraleute des Fernsehsenders Arte durch „sein“ Studio wirbeln: Sie drehen eine Dokumentation, die Ende Juni ausgestrahlt werden soll.

Das Studio als Kunstwerk

Sascha Achilles ist Mitinhaber von „Tätowiersucht“. „Ich war natürlich überrascht, als die Anfrage kam, ob Michaels Projekt bei uns stattfinden kann.“ Das Team sagte zu, das Projekt findet in einer Dependance von „Tätowiersucht“ statt, der Regelbetrieb werde damit nicht weiter gestört, wenn die Kunstfans dieser Welt von Samstag an in Richtung Hansaring strömen werden. Auch Achilles hält es nicht für ausgeschlossen, dass sich Senioren bei ihm auf die Liege legen werden: „Mein ältester Kunde war 89!“

Inzwischen ist das ganze Studio zum Kunstwerk geworden. An den Wänden hängen nicht nur Zeichnungen von Michael Smith, der bereits in einigen der bedeutendsten Museen ausgestellt hat: Whitney Museum of Art, MoMA und P.S.1 in New York, Centre Pompidou in Paris, Kunsthalle Wien, ICA Boston. Sondern auch Zeichnungen von Kollegen: Künstlern, die bei Skulptur-Projekten dabei sind oder waren – wie Tobias Rehberger oder Nicole Eisenman –, und bekannten Künstlern, die Smith kennt, darunter Lawrence Weiner. Insgesamt 150 Zeichnungen, die laut Smith allesamt als Tattoo-Motive denkbar sind.

An der Wand hängen potenzielle Tattoo-Motive.

An der Wand hängen potenzielle Tattoo-Motive. Foto: Kalitschke

Sollte der Andrang tätowiersüchtiger Senioren groß sein, können sie sich im Warteraum die Zeit mit einem siebenminütigen Film von und mit Michael Smith vertreiben, der in Münster spielt. Umsonst ist das Tätowieren nicht, Senioren bekommen allerdings einen Rabatt, verspricht Smith – der die Tattoos natürlich nicht selbst sticht. Diesen Job übernimmt das Team von „Tätowiersucht“.

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