Di., 27.06.2017

Nächtliche Projektion - mit Video Graffiti-Comeback an der Hafenkäserei

Nächtliche Projektion - mit Video : Graffiti-Comeback an der Hafenkäserei

Eine Erscheinung: die Rückehr des Hafenkäserei-Graffittis Foto: Screenshot aus Facebook-Video von "blumeblau"

Münster - 

Nächtliche Erscheinung: Am Wochenende feierte ein optischer Zankapfel am münsterischen Hafen ein Comeback - wenn auch nur ein vorübergehendes… Zur Überraschung von Passanten erstrahlte plötzlich das umstrittene Graffiti an der Hafenkäserei - obwohl es an dieser Stelle eigentlich längst entfernt worden war.

Von Mirko Ludwig

Über mehrere Woche war das Graffiti Stadtgespräch, es wurde zum Teil leidenschaftlich öffentlich darüber gestritten. Insbesondere in den sozialen Netzwerken wurde lebhaft debattiert. Auslöser war die heftige Kritik, die der Bund Deutscher Architekten an dem Wandgemälde geübt hatte. Dieses hatte die Unternehmenschefin Ann-Paulin Söbbeke vom Illustrator  „Rookie the Weird“ (aka Robert Matzke) anfertigen lassen.

Es blieb jedoch nicht nur bei kritischen Tönen: Das münsterische Architekturbüro, das das Gebäude entworfen hatte, erwirkte erfolgreiche eine einstweilige Verfügung. Gerichtlich setzten die Architekten durch, dass das Graffiti wieder entfernt werden musste.

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Die Käserei-Chefin Söbbeke hatte Lehrgeld zahlen müssen, da sie die bunten Bilder ohne Rücksprache mit dem Architekturbüro auf dem grauen Beton hatte auftragen lassen. Zuvor hatten sich bereits viele Münsteraner für den Erhalt der Malereien ausgesprochen - vergebens.

Optische Täuschung: die scheinbare Rückkehr

Vier Anhänger des Graffitis haben sich mit dem Verschwinden des Graffitis aber nicht gänzlich abgefunden: Mitglieder der Visual-Projekte „7dex visuals“ und „Lekkerlicht“ entwickelten gemeinsam mit Hilfe von Fotos des entfernten Graffitis eine Fassadenprojektion, die am Freitagabend an der Hafenkäserei plötzlich nachts per Beamer ans Gebäude geworfen wurde.

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Die bunten Bilder feierten eine Rückkehr - zumindest für kurze Zeit. „Bringing back da Hafenkäse“, freuten sich hinter die Projektionsgestalter per Facebook-Post.

Doch was hatte die Initiatoren zur Umsetzung des scheinbaren Graffiti-Comebacks motiviert? Eine reine Spaß-Aktion sollte dieses nämlich nicht sein. 

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Das Original: Das vormalige Graffitti an der Hafenkäserei (Archivbild) Foto: Oliver Werner

Melchior Pfalzgraff, einer der Projekt-Beteiligten, erklärte im Interview mit dem Campus-Sender „Radio Q“ den ernsthaften Hintergrund: „Wenn man das sehr investitionsgesteuerte Geschehen am Hafen anguckt, dann sieht man, dass da immer mehr charakterlose Bauten entstehen - und für den Kreativkai, so wie er einmal bestanden hat, kein Platz mehr da ist. Da wollten wir die moderne Technik nutzen, um ein Zeichen dagegenzusetzen.“

Am Dienstag veröffentlichten die „Graffiti-Anhänger“ ein Video, das vom münsterischen Label "Blumeblau" produziert wurde, von ihrer Aktion bei Facebook. Die Fassadenprojekt war unter Federführung von VJ Yochanan Rauert entstanden. Die Wandmalerei wird somit ein unvergesslicher Teil der Historie des Stadthafens bleiben

Über die kurzzeitige Erscheinung an der Käserei freute sich hinterher auch die Jungunternehmerin Ann-Paulin Söbbeke. Jedenfalls gab es von ihr ein „Gefällt mir“ für einen entsprechenden Facebook-Post, berichtete „Radio Q“.

Fotostrecke: Ein Blick in die Hafenkäserei

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