Do., 06.07.2017

Pläne für City-Maut in Münster Pendler und Münsteraner finden es "total daneben“

Sollen Autofahrer dafür bezahlen, wenn sie in die City wollen?  Viele Leser haben dazu eine Meinung. Zustimmung gibt es eher selten für die Pläne.

Sollen Autofahrer dafür bezahlen, wenn sie in die City wollen?  Viele Leser haben dazu eine Meinung. Zustimmung gibt es eher selten für die Pläne. Foto: hpe

Münster - 

Die schwarz-grüne Ratsmehrheit möchte von der Stadtverwaltung eine City-Maut prüfen lassen. Bei Münsteranern und Pendlern stößt diese Idee auf Kopfschütteln und Unverständnis.

Von Anna Spliethoff, Martin Kalitschke

Unter Pendlern und Münsteranern sorgt die Idee von Schwarz-Grün, über eine City-Maut auf Münsters Straßen nachzudenken, für Kopfschütteln. „Quatsch“ und „Mist“ sind Reaktionen, die bei der Frage nach einer möglichen Maut als Erstes auftauchen.

„Ich finde das total daneben“, sagt Martina Malon. Die Münsteranerin erklärt: „Ich fahre viel Fahrrad und Bus, aber manchmal geht das auch nicht.“ Sie fragt sich, ob man „bestraft werden soll, wenn man mal etwas mit dem Auto erledigen muss“. Am Mittwoch hatte sie ihre kranke Tochter zu Hause und musste zu einem Termin: „Mit Bus oder Fahrrad dauert das einfach zu lange.“ Doch Malon hat noch andere Bedenken: „Wer soll die Kaufkraft in der Stadt erhalten?“ Ihr geht es um ältere Menschen, die zum Markt möchten, ihre Einkäufe aber nicht tragen können: „Wie soll das gehen?“

Evelin Koke aus Lüdinghausen findet Busfahren zu teuer, um nicht mit dem Auto nach Münster zu pendeln.

Evelin Koke aus Lüdinghausen findet Busfahren zu teuer, um nicht mit dem Auto nach Münster zu pendeln. Foto: Anna Spliethoff

Ernst Danschyk ist selbst schon 80 Jahre alt, ohne Gehstock verlässt er das Haus nicht. „Ich muss mit dem Auto in die Stadt kommen, ich habe gar keine andere Wahl.“ Das Urteil des Münsteraners ist eindeutig: „Ich halte gar nichts davon.“

Auch Ilona Mendes hat eine klare Meinung: „Bescheuert.“ Die Münsteranerin ist der Meinung, dass Steuern und hohe Parkgebühren schon genug seien. Sie fährt mit dem Auto, „weil mir Bus und Bahn zu teuer sind für die kurze Strecke“. Sie legt sich fest: „Keine Maut, auf gar keinen Fall.“

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Doch nicht nur die Münsteraner, auch die Pendler reagieren empört über den Vorstoß von Schwarz-Grün. „Bitte nicht“, war die erste Reaktion von Ann-Kathrin Linde. Zusammen mit Michael Krzyzanske kommt sie immer mal wieder aus Remscheid nach Münster. Krzyzanske: „Wenn es vor der Stadt genügend Parkplätze gäbe und man regelmäßig und kostenlos mit dem Bus in die Stadt fahren könnte, wäre das nicht schlecht.“ Auf den Zug steigt er nicht gerne um: „Das ist sehr langwierig und nicht so flexibel.“

Michael Krzyzanske aus Remscheid findet die Fahrt mit dem Zug zu langwierig und spricht sich für mehr Parkplätze aus.

Michael Krzyzanske aus Remscheid findet die Fahrt mit dem Zug zu langwierig und spricht sich für mehr Parkplätze aus. Foto: Anna Spliethoff

Nirgendwo bislang Maut

In Deutschland gibt es bislang keine Kommunen, die eine City-Maut erheben. Tübingens Oberbürgermeister Palmer musste seine Maut-Pläne wieder begraben. In München ist die von Linken und ÖDP geforderte Maut nicht mehrheitsfähig. Wegen „organisatorischer Fragen“ hatte eine Maut auch im chronisch verstopften Stuttgart bislang keine Chance. Diskutiert wird über eine Maut gleichwohl in vielen Städten. So hat der Umweltdezernent von Köln erst vor wenigen Wochen angekündigt, eine solche Maut in den nächsten drei Jahren einführen zu wollen. Anders sieht es in großen Millionen-Metropolen im Ausland aus: Städte wie London, Mailand, Stockholm und Oslo kassieren zum Teil schon seit Jahren bei City-Fahrten ab.

„Ich fände eine Maut nicht sehr attraktiv“, sagt auch Evelin Koke aus Lüdinghausen. „Die Parkgebühren für die Parkhäuser sind schon sehr hoch“, findet sie. Eine zusätzliche Maut wäre ihr zu viel. Öffentliche Verkehrsmittel würde sie gerne nutzen, „aber das ist richtig teuer“. Koke findet, dass besser direkt in den ÖPNV als in die Einführung einer Maut investiert werden sollte.

Günter Schuster fährt von Recklinghausen aus häufig nach Münster. Er ist sich unsicher: „Wenn es nur ums Abkassieren geht, dann nicht.“ Am Ende werde es nicht darum gehen, die Luft reiner zu machen, glaubt er: „Es geht immer ums Geld.“

Breite Ablehnung auch im Internet

Auf der Facebook-Seite unserer Zeitung wird über die mögliche Einführung einer City-Maut kräftig diskutiert. In der Minderheit sind die Befürworter einer City-Maut.

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