Mi., 12.07.2017

Hauptbahnhof Lieferverkehr sorgt für Streit – Ordnungsamt entfernt Fahrräder

Vor dem Hauptbahnhof weisen Schilder auf die Flucht- und Rettungswege hin. Während dort abgestellte Fahrräder durch das Ordnungsamt umgesetzt werden, ignoriert der Lieferverkehr die neue Regelung.

Vor dem Hauptbahnhof weisen Schilder auf die Flucht- und Rettungswege hin. Während dort abgestellte Fahrräder durch das Ordnungsamt umgesetzt werden, ignoriert der Lieferverkehr die neue Regelung. Foto: Dirk Anger

Münster - 

Vor der schönen neuen Glasfassade des Hauptbahnhofs gibt es Streit um Lieferfahrzeuge. Ladenbetreiber und Stadt Münster sind sich nicht grün.

Von Dirk Anger

Mit Argusaugen nehmen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes seit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs den Vorplatz in den Blick. Wer vor der modernen Glasfassade sein Fahrrad abstellen will, findet bei den Ordnungshütern unter Verweis auf die dort mit Schildern ausgewiesenen Flucht- und Rettungswege keine Gnade.

Dass zugleich aber tonnenschwere Lieferwagen auf den eigentlich gesperrten Flächen stehen, um Nachschub für die Geschäfte zu bringen, wundert nicht wenige. „Die dürfen da auch nicht stehen“, erklärt Ordnungsamtschef Martin Schulze-Werner. Die Fahrer würden angesprochen und gegebenenfalls verwarnt.

Belieferung durch Versorgungstunnel

Bei den Ladeninhabern im neuen Hauptbahnhof herrscht dagegen wenig Begeisterung. Laut Mietvertrag müssen sie ihre Läden von der Ostseite des Bahnhofs beliefern, wie unsere Zeitung erfahren hat – durch einen für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Versorgungstunnel.

Das Problem: Vom Bremer Platz aus ist der Weg zu den Geschäften viel weiter. Außerdem ist die Lade- und Lieferfläche auf der Bahnhofsrückseite nicht sonderlich groß, heißt es. Und wenn im Herbst mit den Bauarbeiten zum neuen Bahnhofsgebäude an der Ostseite begonnen wird, dürfte sich die Situation noch einmal verschärfen, so die Befürchtung. „Wir sind dabei eine Lösung zu entwickeln, die zum Jahresende greift“, verspricht Andreas Thiel vom Stadtplanungsamt. Details will er aber noch nicht nennen.

Fotostrecke: Der Bahnhof ist eröffnet

Fahrräder werden entfernt

Am aktuellen Zustand vor dem Hauptbahnhof ändert all das ohnehin nichts: Ordnungsamtschef Schulze-Werner zeigt sich zuversichtlich, dass sich für die Anlieferer „die neue Situation noch ein, zwei Wochen einspielen muss“.

Für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes stelle sich dank der neu ausgewiesenen Fluchtwege die Lage auf dem Vorplatz als rechtssicher dar. So könnten abgestellte Fahrräder anders als in der Vergangenheit jetzt folgenlos umgestellt werden.

Und auch der Lieferverkehr soll nicht auf eine längere Schonfrist vertrauen dürfen.

Mehr zum Thema

Ordnungsamt greift ein:  Parkverbot für Räder vor dem neuen Bahnhof [28.06.2017]

Pro und Contra:  Doppelstöckige Fahrradständer im Hamburger Tunnel

Hintergrundberichte, Aktuelles, Bilder und Videos:  Das WN-Special zum neuen Hauptbahnhof in Münster

Die große WN Story "Hinter den Kulissen": Viele Menschen sorgen für einen reibungslosen Ablauf am Hauptbahnhof. Wir laufen täglich an ihnen vorbei, bei uns kommen sie zu Wort -  hier sind ihre Geschichten.

„Stück aus dem Tollhaus“

Stadtplaner Thiel weiß um das Dilemma: „Wir versuchen das zusammen mit Bahn und Mietern zu lösen“. Momentan würden die Regelungen nicht so eingehalten, „wie wir uns das vorgestellt haben“.

Ein Geschäftsmann, der im Hauptbahnhof einen Laden betreibt und namentlich nicht genannt werden möchte, hält die Anliefer-Regelung über die Ostseite für ein „Stück aus dem Tollhaus“. „Das ist doch fernab jeder Realität“, so seine Ansicht. Er erhofft sich von der Stadt mehr Pragmatismus – bestenfalls kleine Zone neben der Radstation zum Be- und Entladen.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

immomarkt.ms Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5003920?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F