Sa., 22.07.2017

Skulptur-Projekte Das enthauptete Kunstwerk

Kopflos ist seit Donnerstag eine der Skulpturen am Brunnen von Nicole Eisenman an der Kreuzschanze. Der fehlende Kopf wird vorerst nicht ersetzt. Die Stelle, an der er abgeschlagen wurde, ist mit Gips überarbeitet worden.

Kopflos ist seit Donnerstag eine der Skulpturen am Brunnen von Nicole Eisenman an der Kreuzschanze. Der fehlende Kopf wird vorerst nicht ersetzt. Die Stelle, an der er abgeschlagen wurde, ist mit Gips überarbeitet worden. Foto: kal

Münster - 

Nach der Attacke durch Unbekannte ist die beschädigte Figur am Eisenman-Brunnen wieder enthüllt worden – ohne Kopf. Die Enthauptung hat international in der Kunstszene für Aufsehen gesorgt.

Von Martin Kalitschke

Die Enthauptung einer Figur aus Nicole Eisenmans Skulptur-Projekte-Beitrag „Sketch for a fountain“ sorgt international für Aufsehen. „Vandalen zerstören Nicole Eisenmans gefeiertes Kunstwerk“, lautete am Freitag die Schlagzeile beim New Yorker Onlineportal Artnet. Auch die ebenfalls in New York erscheinende renommierte Kunstzeitschrift „Artforum“ berichtete über die „Attacke auf Eisenmans Kunstwerk“.

Am Donnerstag verhüllte zunächst eine Plane die beschädigte Skulptur. Seit Freitag ist sie wieder zu besichtigen. Der Anblick ist trostlos: Der Kopf ist verschwunden – und seit der Attacke auch nicht aufgetaucht –, die Stelle, von der er abgeschlagen wurde, ist mit Gips geglättet worden. Wasser sprudelt vorerst nicht mehr aus den Beinen der Figur.

Fotostrecke: Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

Wie berichtet, hatte sich die New Yorker Künstlerin ausdrücklich dagegen ausgesprochen, einen neuen Kopf nach Deutschland zu schicken. „Schockiert“ sei Nicole Eisenman gewesen, als sie telefonisch von der Beschädigung erfuhr, berichtet Skulptur-Projekte-Sprecherin Jana Duda. „Schließlich ist es ein harter Eingriff, wenn einer menschlichen Figur ein Kopf abgeschlagen wird.“

Von Kopf und Tätern fehlt nach wie vor jede Spur. Warum die Figur beschädigt wurde, sei bislang unklar. „Wir gehen allerdings erstmal von Vandalismus aus“, betont Duda. An weiteren Spekulationen wolle sie sich nicht beteiligen.

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In den ersten Wochen war das Kunstwerk nachts mit einer Plane bedeckt worden. Dadurch verlangsamte sich allerdings die – von Eisenman beabsichtigte – Verwitterung der Gips-Figuren. Die Verantwortlichen entschieden daraufhin, ab sofort auch nachts auf Planen zu verzichten – im Einvernehmen mit der Künstlerin, wie Duda betont. „Sie wollte die Skulptur nur ungern außerhalb der Öffnungszeiten abdecken, da dies der Idee von Kunst im öffentlichen Raum widerspricht.“ Auch nach der Attacke sollen die Planen nicht zurückkehren, betont die Pressesprecherin. Eine Plane schütze nicht vor Vandalismus, ist Duda überzeugt. „Wer zerstören will, der tut es auch.“

Und das ist ein Risiko, mit dem jedes Kunstwerk leben muss, das sich ungeschützt im Freien befindet. Einen Schutz vor Vandalismus gibt es für solche Kunstwerke nicht. „Wenn es passiert, dann muss man damit umgehen“, sagt Duda.

Die Attacke auf den Eisenman-Brunnen ist nicht die erste während der laufenden Skulptur-Projekte. Im Juni war ein LED-Bild aus der Installation des japanischen Künstlers Ei Arakawa bei Haus Kump gestohlen worden. Von dem Bild fehlt weiterhin jede Spur.

Kommentar

Angriff auf Eisenman-Skulptur: Kopflos!

Was für ein trostloser Anblick: Dass einer der fünf Figuren des Eisenman-Brunnens nun der Kopf fehlt, macht einfach nur traurig. Aber auch wütend. Was sind das für Menschen, die es nicht aushalten können, wenn sich andere Menschen an einem Kunstwerk erfreuen – und es mit gedankenloser Kälte zerstören? Ein Kunstwerk, das in den vergangenen Wochen zigtausendfach fotografiert wurde. Auf dem Kinder spielen. Dessen Anblick von morgens bis abends Menschen aus aller Welt genießen. Das von der internationalen Kunstkritik als eines der besten und schönsten der Skulptur-Projekte gefeiert wird.

Über die Motive der Täter kann man nur spekulieren – es kann sich um den ultimativen Kick nach einer Studentenparty gehandelt haben, vielleicht wollte sich jemand einen Teil der Skulptur als Andenken sichern, vielleicht hatte ja auch jemand Probleme mit dem Kunstwerk an sich.

Nun müssen die Betrachter mit dem kopflosen Kunstwerk leben. Doch so ist es nun einmal mit Kunst im öffentlichen Raum – tagsüber kann sie jeder bewundern, nachts aber auch jeder beschädigen. -kal-

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